Julian Schultz
· 04.07.2022
Auch bei der diesjährigen Tour de France sind im Peloton wieder Rennräder zu sehen, die die Hersteller noch nicht offiziell vorgestellt haben. TOUR hat sich beim dreitägigen Auftaktspektakel in Dänemark umgeschaut und fünf unveröffentlichte Modelle unter die Lupe genommen. Eine Übersicht der Neuheiten.
Canyon steht offenbar kurz vor der Präsentation eines neuen Ultimate. Schließlich war das Leichtbau-Modell der Koblenzer erneut bei den ersten Etappen beim Team Movistar zu sehen, nachdem die spanische Equipe es bereits auf den Bergetappen des Criterium du Dauphine eingesetzt hatte.
Ein weiteres Indiz, dass es bis zur offiziellen Vorstellung des neuen Ultimate nicht mehr lange dauern kann: Canyon hatte das Rennrad vor wenigen Wochen bei der UCI in der sogenannten Homologationsliste angemeldet. Kurios: Obwohl auch Alpecin-Deceuninck und Arkea-Samsic von Canyon gesponsert werden, hielten beide Teams das Ultimate zum Tour-de-France-Auftakt in Dänemark unter Verschluss.
Wie beim Update des Marathonmodells Endurace sieht auch das neue Ultimate-Rennrad seinem Vorgänger ziemlich ähnlich und die Änderungen fallen vergleichsweise gering aus. Unter- und Steuerrohr sowie Gabel wirken schlanker, der Sitzknoten fällt dagegen etwas dicker aus.
Die Sattelstütze und Lenker-Vorbau-Einheit wurden aero-optimiert, zudem setzen die Koblenzer nun auch bei ihrem Leichtbau-Modell auf Systemintegration. Außerdem lassen Rahmen und Gabel nun Platz für breitere Reifen, beim aktuellen Ultimate ist bei 30 Millimetern Schluss.
Schon im Februar bei der Tour of Valencia wurde das neue Cervélo S5 gesichtet - offiziell vorgestellt haben die Kanadier den Aero-Boliden aber nach wie vor nicht. Das hindert das Team Jumbo-Visma um die beiden Superstars Primož Roglič (Slowenien) und Wout van Aert (Belgien) natürlich nicht, das Wettkampf-Rennrad auch bei der Tour de France einzusetzen.
Die Unterschiede zum aktuellen Modell, das bereits zu den schnellsten Rennrädern der Welt zählt, fallen vergleichsweise gering aus. Am auffälligsten ist das flächige und damit aerodynamischere Steuerrohr. Der Vorbau des Aero-Cockpits ist weiterhin zweigeteilt. Das Arbeitsgerät des belgischen Jumbo-Profis Tiesj Benoot (siehe Bildergalerie) ist mit Shimano Dura-Ace Di2 2x12 ausgestattet und rollt auf 60 Millimeter hohen Shimano-Laufrädern mit Vittoria Corsa-Reifen.
Seit mehr als einem Jahr sind die Profis von Intermarche-Wanty Gobert auf einem unveröffentlichten Cube-Rennrad unterwegs - so auch bei der 109. Tour de France. Teammechaniker bezeichnen das Modell als Litening Air - und leicht ist das Rad. So soll der schlanke Rahmen in Größe 54 unter 800 Gramm liegen, wie ein Intermarche-Mechaniker in Kopenhagen gegenüber TOUR sagte.
Im Vergleich zum C:68X - das Aero-Modell ist das Hauptarbeitsgerät bei Intermarche - sind die Rohre des Air weniger aerodynamisch geformt. Das zeigt sich vor allem am Sitzrohr, das zum Hinterreifen deutlich mehr Platz lässt. Die Oberpfälzer folgen zudem dem aktuellen Trend und erhöhen die maximale Reifenfreiheit. 32 Millimeter breite Pneus sollten problemlos Platz finden.
Lange hat es nicht gedauert, bis das neue Giant Propel seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France holte. Auf der dritten Etappe von Vejle nach Sonderborg setzte sich Dylan Groenewegen (Niederlande) vom Team BikeExchange-Jayco auf dem noch unveröffentlichten Aero-Boliden im Sprint durch.
Doch Aero-Bolide ist eigentlich die falsche Bezeichnung, schließlich zeichnet sich das Propel nun durch typische Merkmale eines Race-Allrounder aus. Das Rahmendesign ist weniger aerodynamisch, das Gesamtgewicht dürfte dadurch deutlich nach unten gehen. Beim Cockpit verzichten die Taiwaner offenbar auf eine vollintegrierte Version und klemmen den flachen Aero-Lenker in den Vorbau, unter dem die Züge ins Steuerrohr laufen. Unverändert bleibt der markante Sitzdom.
Rund um das verregnete Einzelzeitfahren in Kopenhagen präsentierte das Team B&B Hotels-KTM zum Tour-de-France-Start das neue Revelator Alto vor dem Teambus. Das Leichtbau-Modell der Österreicher, das ebenfalls schon bei der Dauphine durch Südfrankreich rollte, präsentiert sich deutlich aerodynamischer als sein Vorgänger. Speziell die schlanke Front mit geklemmtem Aero-Lenker und integrierten Zügen dürfte das Rennrad schneller machen.
Zudem präsentierte Colnago kurz vor dem Grand Départ das Prototipo. Der Race-Allrounder ist vorerst allerdings nur bei UAE Team Emirates um Tour-de-France-Favorit Tadej Pogačar im Einsatz und wird von den Italienern noch nicht produziert.
Bereits offiziell vorgestellt sind die Aero-Neuheiten von Scott und Trek. Das Foil RC ist beim Team DSM um John Degenkolb im Einsatz, das Madone SLR wird von Trek-Segafredo um den dänischen Publikumsliebling Mads Pedersen gefahren.