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Obwohl die neun Rennräder im Test alle mit Shimanos preiswertester Elektroschaltung ausgestattet sind, liegen zwischen den Modellen enorme Preisunterschiede.
Fast 2700 Euro trennen das günstigste vom teuersten Rad. Im Schnitt rufen die Hersteller für die Carbonmodelle etwas mehr als 4000 Euro auf. Die Zeiten, in denen ein Marathonrad vergleichsweise erschwinglich war, sind damit vorerst leider vorbei.
Rückschlüsse auf die Qualität lassen die Preisschilder übrigens nicht zu. Der geteilte Testsieg geht auch an das günstigste Modell, während zwei der teuren Endurance-Renner auf den hinteren Plätzen landen.
Brevet, Granfondo oder Radmarathon – man kann sie nennen, wie man mag, eines haben die “langen Dinger” gemein: Durch Streckenlänge, Höhenmeter und nicht zuletzt Naturerlebnis üben sie einen magischen Reiz aus, dem man sich als Radsportler kaum entziehen kann. Wenn dann noch das Material – und die Form – stimmen … Heureka! Doch was ist eigentlich das richtige Material für die Langstrecke? Pünktlich zum Saisonstart der schönsten Veranstaltungen haben wir neun aktuelle Endurance-Rennräder getestet, die den Anspruch erheben, treue Begleiter für lange Ausfahrten zu sein.
Alle Kandidaten eint die Ausstattung mit Shimanos 105 Di2. Wie die Top-Gruppen des japanischen Komponentenriesen schaltet diese nun ebenfalls elektronisch und passt durch Ergonomie, Funktionalität und Preis vorzüglich an ein Marathonrad. Weil die Kategorie von den Herstellern aber längst unterschiedlich interpretiert wird, unterscheiden sich die Modelle bis auf die Schalttechnik teils deutlich.
Die erste Überraschung stellt sich schon ein, bevor die Räder ins TOUR-Labor rollen. Denn während man vor nicht allzu langer Zeit anhand der montierten Gruppe aus dem Shimano-Universum noch ungefähr den Preis eines Rennrads abschätzen konnte, ist dies im Jahr 2023 kaum noch möglich. So reicht die Preisspanne des Testfelds von 2700 Euro für das Canyon bis zu 5400 Euro für das Ridley; das Look 765 Optimum für 5390 Euro liegt fast gleichauf.
Trotz identischer Schaltgruppe sind die beiden Räder aus Belgien und Frankreich also doppelt so teuer wie der Marathonklassiker aus Koblenz. Auch Basso hängt seinem Modell Astra ein Preisschild um, das noch vor Kurzem Rädern mit Shimanos Ultegra Di2 vorbehalten war. Ein Trek Domane SLR 6, das die US-Amerikaner für den Vergleichstest jedoch nicht liefern konnten, liegt sogar bei fantastischen 8000 Euro. Eine ebenso bemerkenswerte wie aus Kundensicht unerfreuliche Entwicklung, die Fragen aufwirft angesichts der Tatsache, dass die Schaltgruppe alleine derzeit für rund 1200 Euro “Straßenpreis” angeboten wird. Wobei: Vergleichbare Modelle, die mit der 2021 vorgestellten Komponentengruppe Rival AXS des US-Herstellers SRAM ausgestattet sind – Straßenpreis derzeit rund 900 Euro – sind sogar noch teurer.
Davon abgesehen ist das neue Ensemble aus Schaltungs- und Bremskomponenten prädestiniert, um ein Endurance-Rad damit auszustatten. Nominell ist sie die günstigste Elektroschaltung im Shimano-Portfolio, wodurch Kompletträder in der Theorie erschwinglich bleiben. Beispiele im Testfeld sind Canyon oder Cube.
Auch Storck stellt in Kombination mit schnellen Carbonlaufrädern ein attraktives Gesamtpaket auf die Reifen. Zudem bietet die 105 mit zwölf Ritzeln die wichtigsten Technologien der teureren Shimano-Gruppen. Schaltpräzision, Gewicht, Ergonomie und Einstellmöglichkeiten lassen kaum Wünsche übrig, womit der Abstand zur 700 Euro teureren und nur 140 Gramm leichteren Ultegra deutlich geringer wurde.
Kleine Abstriche muss man bei den Bremsen machen, da ein Bremskraft-Verstärker wie bei Ultegra und Dura-Ace fehlt und bei hohem Tempo stärker an den Hebeln zugepackt werden muss. Ideal für Radmarathons in bergigem Gelände sind die Kombinationsmöglichkeiten von Kurbel und Kassette, da sich sowohl eine 1 : 1-Übersetzung als auch eine Untersetzung realisieren lässt.
Die Testräder kommen alle mit der Kettenblatt-Kombi 50/34 an der Kompaktkurbel und einer Kassette mit zwölf Ritzeln von 11 bis 34 Zähnen, was einen guten Kompromiss für bergiges und flaches Terrain darstellt. Beachten sollte man, dass die originale 105-Hollowtech-Kurbel über hohle und damit leichtere Kurbelarme verfügt; um Kosten zu sparen, weichen manche Hersteller auf einfachere Varianten aus. Im Giant steckt beispielsweise eine schwere Version mit massiven Kurbelarmen.
Wie bei den Preisen bilden die Testkandidaten auch bei der Charakteristik eine große Bandbreite ab, die für die Kategorie des Marathonrads längst typisch ist. Die klassischen Tugenden – hoher Federkomfort und eine aufrechte Sitzposition – vereinen das Canyon und Rose am besten. Gepaart mit einem steifen und leichten Rahmen-Set verdienen sich das Endurace CF und Reveal Four den Testsieg.
Mit Storck gesellt sich ein weiterer Versandhändler aus Deutschland an die Spitze, wobei sich das Fascenario.3 am sportlichen Ende des Spektrums bewegt und von einem bemerkenswert niedrigen Gesamtgewicht profitiert. Mehr als ein Kilo ist das Storck dank exklusiver Carbonlaufräder aus eigener Herstellung leichter als alle anderen Kandidaten, die mehr als acht Kilo wiegen – fünf streifen gar knapp die Neun-Kilo-Grenze – und damit leider recht schwer sind. Den Gewichtsvorteil spürt man im Sattel, speziell in hügeligem Terrain kann kein anderes Modell mithalten.
Die deutschen Versender Canyon, Rose und Storck stellen stimmige Gesamtpakete auf die Räder und hängen damit die teils teurere Konkurrenz ab. (Julian Schultz, Test- & Technik-Redakteur)
Dafür präsentieren sich andere Kandidaten vielseitiger, indem sie schon ab Werk auf breiteren Reifen rollen und damit Abstecher auf Schotterpisten erlauben oder sich mit dicken Schlappen nachrüsten und damit endgültig die Trennlinie zum Gravelbike verschwimmen lassen. Montagepunkte für Gepäck und Schutzbleche gehören an einem modernen Endurance-Rennrad außerdem zum Standardrepertoire.
Das extremste Beispiel ist das Ridley, das Platz für bis zu 38-Millimeter-Pneus hat und sich damit auf nahezu jeden Untergrund anpassen lässt. Weil das komfortable Grifn, von den Belgiern als Allroad-Bike vermarktet, bei der Tretlagersteifigkeit etwas abfällt, muss es sich dennoch hinter dem deutschen Testsieger-Trio einreihen.
Auffällig: Mit Basso und Look leisten sich die beiden anderen Kandidaten für mehr als 5000 Euro ebenfalls Schwächen. Trotz Laufrädern und Sattelstützen aus Carbon zählen das Astra und das 765 Optimum zu den schwersten und unkomfortabelsten Rennrädern. Mit etwas breiteren Reifen ließen sich beide zwar etwas nachgiebiger abstimmen, dafür müssten aber zusätzlich ein paar Euro in die Hand genommen werden.
Konzepte, Preise, Fahrcharakteristik: Die Marathonrennräder im Test bilden eine spannende Vielfalt mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen ab. Die folgenden Testberichte dienen als Orientierungshilfe, welcher Kandidat am besten zum individuellen Anspruch und dem Einsatzgebiet passt. Der Renner soll schließlich nicht nur beim Radmarathon ein treuer Begleiter sein, sondern auch an den übrigen 364 Tagen.
>> Basso Astra
>> BH SL1 2.9
>> Canyon Endurace CF 7 Di2
>> Cube Agree C:62
>> Giant Defy Advanced 1
>> Look 765 Optimum
>> Ridley Grifn
>> Rose Reveal Four 105 Di2
>> Storck Fascenario.3 Comp 105 Di2
TOUR testet alle Rennräder und die meisten Bauteile im eigenen Labor, dessen Anfänge bis 1993 zurückreichen. Die Messwerte vieler Tausend Räder aller Kategorien bilden das Rückgrat der Tests, die wir zusammen mit dem Zedler-Institut für Fahrradtechnik und Sicherheit ständig weiterentwickeln.

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