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Neue Race-Gravelbikes 2027 entfernen sich zunehmend vom alten Bild des Rennrads mit etwas Profil auf dem Reifen. Das Canyon Grail bietet Platz für 57 Millimeter breite Pneus, das Ridley Kanzo Fast 2.0 sogar für 58 Millimeter. Beide bleiben auf Tempo ausgelegt. Der zusätzliche Raum ermöglicht eine Abstimmung auf grobe oder schlammige Kurse, verpflichtet aber niemanden, stets den breitesten Reifen aufzuziehen. Auf glattem Schotter kann eine andere Kombination aus Breite, Profil, Karkasse und Luftdruck sinnvoller sein.
Auch beim Thema Aerodynamik verfolgen die Hersteller verschiedene Konzepte. Ein schmales, integriertes Cockpit kann die Position des Fahrers beeinflussen; ein hoher Carbonlaufradsatz ist dagegen nur ein Teil des Gesamtsystems. Look wählt ein integriertes, aber in Breite und Länge konfigurierbares Cockpit. Ridley kombiniert die Aero-Front mit neuer Race-Geometrie. Van Rysel bietet am RCR-G je nach Preisstufe entweder einteiliges Carbon oder separate Komponenten. Solche Unterschiede entscheiden mit darüber, an welche Zielgruppen sich die Hersteller mit ihren Modellausführungen richten.
Bei der Schaltung hat die elektronische 1×13-Gruppe viele Topmodelle erreicht. Die Sram Force XPLR kombiniert dafür eine 10-46er Kassette mit einem Full-Mount-Schaltwerk. Das ist jedoch kein Naturgesetz des Gravel-Rennsports: Das Megamo Silk 05 hält an zwei Kettenblättern fest, während das Silk 04 mit einer besonders breit übersetzten MTB-Kassette antritt. Wer häufig mit hoher Geschwindigkeit auf Asphalt fährt, sollte deshalb nicht allein die Zahl der Ritzel vergleichen – das Gesamtkonzept ist entscheidend.
Wir haben uns aus den vielen 2027er Gravel-Modellen acht besonders spannende Neuheiten herausgesucht.
Das Grail der dritten Generation stellt zwei Eigenschaften zusammen, die früher häufiger gegeneinander ausgespielt wurden: aerodynamische Front und Platz für sehr breite Reifen. CF, CF SLX und CFR unterscheiden sich jedoch deutlich. Ein Staufach gibt es erst ab CF SLX; auch Cockpit und Schutzblechaufnahmen variieren. Das hochwertige Pace-Cockpit lässt sich für den Transport zerlegen. Wer eine bestimmte Rahmenfunktion möchte, muss daher die konkrete Ausführung prüfen.
Das Kanzo Fast 2.0 vergrößert die Reifenfreiheit gegenüber dem Vorgänger von 42 auf 58 Millimeter. Dazu kommen eine neue Geometrie, Rahmenstauraum und verdeckte Befestigungen für eine Oberrohrtasche. Trotz Schutzblechoption bleibt es ein spezialisierter Renner: An der Gabel fehlen zusätzliche Gepäckaufnahmen, mechanische oder Zweifach-Schaltungen sind nicht vorgesehen.
Das G85 Cezal RS erhält gegenüber dem regulären G85 einen leichteren Carbonaufbau und ein tiefer positioniertes Aero-Cockpit. Force- und Red-Version teilen sich Fulcrum-Carbonlaufräder und 45er Reifen. Die Front lässt sich trotz vollständiger Leitungsintegration in mehreren Breiten und Längen konfigurieren.
Das RCR-G nutzt einen leichten High-Modulus-Carbonrahmen mit aerodynamischer Front. Alle drei Ausstattungen schalten elektronisch mit Sram XPLR 1×13; die Unterschiede liegen vor allem bei Laufrädern und Cockpit. Red fährt mit einteiliger Carbon-Einheit und hohen Carbonfelgen, Force mit separatem Vorbau und Carbonrädern, Rival mit Alufelgen. Wer den Einstiegspreis sieht, sollte deshalb nicht automatisch die Ausstattung des Spitzenmodells erwarten.
Das Silk behält seine Race-Geometrie und die beiden Carbon-Layups SLR und SL. Neu sind das Silk 04 mit breit abgestufter MTB-Kassette und das Silk 05 mit Shimano GRX Di2. Das Silk 03 ersetzt das 02; die einfacheren Modelle 06 und 07 bleiben. Bei aller Modellvielfalt bleibt die Rolle eindeutig: schnelles Gravel-Racing statt schwer beladenes Bikepacking. Verbindliche 2027er Endpreise lagen für die Baureihe noch nicht vor.
Das G5-X kombiniert einen neuen Carbonrahmen mit 53 Millimetern Reifenfreiheit, Staufach und sechs Montagepositionen. Die Rival-Version kommt mit separatem Lenker, Force und Red erhalten das einteilige Carbon-Cockpit. Damit wird ein schneller Gravelrenner auch für lange Rennen mit Selbstversorgung interessant.
Mit dem GraviaX R erweitert Ducati seine 2027er Fahrradkollektion um ein Carbon-Gravelbike. Die Geometrie soll sportlich sein, ohne ausschließlich auf kurze Rennen zu zielen. Werkzeughalter und Taschenaufnahmen helfen auf langen Touren. Wichtig für mögliche Umbauten: Bei Einfachantrieb gibt Ducati 50 Millimeter Reifenfreiheit an, bei Zweifach-Antrieb nur 45. Das Gewicht von 8,2 Kilogramm bezieht sich auf die konkrete R-Version in Größe M ohne Pedale.
Das Grow Pro ist die teuerste Version von Thoks erster Gravelplattform ohne Motor. Für 4.990 Euro bietet es eine elektronische Sram Force AXS-Schaltung mit GX-T-Type-Schaltwerk und 10-52er Kassette, einen serienmäßigen Quarq-Powermeter und Zipp-Carbonlaufräder.
Wer vor allem auf gemischtem Untergrund sportlich fahren möchte und auf den serienmäßigen Powermeter verzichten kann, findet im Grow Comp für 3.990 Euro eine Alternative mit demselben Carbonrahmen, elektronischer Sram Rival AXS mit S1000-T-Type-Schaltwerk, Miche-Sterrato-45-Carbonlaufrädern und 45-Millimeter-Reifen. Das Grow FR kostet 2.990 Euro und richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die einen günstigeren Einstieg in die Plattform suchen: Es kombiniert eine mechanische Sram Apex XPLR/Eagle mit DT-Swiss-G1800-Alulaufrädern und einem separaten FSA-Lenker. Für Touren könnte es ebenfalls infrage kommen. Ob Gepäckaufnahmen und Reifenfreiheit zu den eigenen Plänen passen, sollten Interessierte vor dem Kauf klären.
Beim Race-Gravelbike sind Gewicht, Aerodynamik und Reifenfreiheit kein Dreikampf mit einem festen Sieger. Ein breiter Reifen kann auf rauem Kurs Zeit und Kräfte sparen; auf einem glatten Racetrack können andere Prioritäten gelten. Ebenso wichtig ist die Sitzposition: Ein teures, voll integriertes Cockpit hilft wenig, wenn Breite oder Vorbaulänge nicht passen.

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