Bereits bei der Präsentation der Gravel-Plattform G85 Cezal kündigte Look weitere, stärker spezialisierte Modelle an. Das G85 Cezal RS besetzt nun die angekündigte Rennsportposition. Das Kürzel RS steht bei Look traditionell für die sportlichsten Modelle einer Baureihe. Es ersetzt den vorhandenen Allrounder nicht, sondern setzt oberhalb davon an: leichterer Carbonaufbau, höhere Steifigkeit, integriertes Race-Cockpit und ausschließlich hochwertige 1×13-Antriebe grenzen es von den bereits erhältlichen G85-Ausführungen ab. Beim G85 Cezal RS beschränkt sich der Unterschied zum bereits erhältlichen G85 Cezal nicht auf Ausstattung und Lackierung: Look verwendet einen veränderten Carbonaufbau und richtet die Front stärker auf eine aerodynamische Fahrerposition aus. Der lackierte Rahmen soll in Größe M 1000 Gramm wiegen und damit rund 150 Gramm unter dem bislang genannten Gewicht des G85-Cezal-Rahmens liegen. Das Spitzenmodell mit SRAM Red XPLR gibt Look mit unter acht Kilogramm an.
Die äußere Form und die grundsätzliche Konstruktion sind eng mit dem schon im April 2026 vorgestellten G85 Cezal verwandt. Look verändert beim RS jedoch die Faserbelegung. In den für Kraftübertragung und Lenkpräzision relevanten Bereichen soll die Steifigkeit um 20 Prozent steigen. Welche Messpunkte, Belastungen und Vergleichswerte dieser Angabe zugrunde liegen, nennt der Hersteller nicht.
Look zieht als Referenz das Straßenrennrad 795 Blade RS 3 heran und spricht von einer vergleichbaren Effizienz der Kraftübertragung. Das ist zunächst eine konstruktive Zielsetzung und kein Beleg dafür, dass sich beide Räder unter realen Bedingungen gleich direkt fahren. Ein Gravelrahmen muss durch Reifenfreiheit, längere Gabel und andere Belastungsfälle schließlich deutlich andere Anforderungen erfüllen als ein Straßenrennrad.
Unverändert bleiben die 425 Millimeter langen Kettenstreben. Look kombiniert sie mit einer auf Gravelrennen abgestimmten Position des Tretlagers und einem vergleichsweise kompakten Fahrwerk. Daraus sollen ein direktes Einlenken und gute Kontrolle in schnellen oder technischeren Passagen entstehen. Ob das RS spürbar präziser fährt als das normale G85 Cezal, muss ein Vergleichstest zeigen.
Der wichtigste Unterschied liegt an der Front. Beim regulären G85 Cezal sind ein Aluminiumvorbau von Look und ein separater Deda-Lenker serienmäßig montiert; ein Carboncockpit war bislang nur als teure Option vorgesehen. Das G85 Cezal RS erhält dagegen das Aero Carbon RS3 als Bestandteil des Konzepts.
Lenker und Vorbau bilden optisch eine Einheit, bleiben aber in unterschiedlichen Abmessungen kombinierbar. Look nennt sieben Vorbaulängen, drei Lenkerbreiten und einen Verstellbereich von 50 Millimetern in der Höhe. Damit soll sich die Sitzposition genauer anpassen lassen, als es bei vielen vollständig einteiligen Cockpits möglich ist. Die Leitungen verlaufen komplett intern.
Die aerodynamische Entwicklung konzentriert sich also laut Look vor allem auf die Haltung des Fahrers. Eine tiefere und schmalere Position verspricht in der Praxis tatsächlich mehr Potenzial als kleine Änderungen einzelner Rahmenrohre. Konkrete Windkanalwerte oder Angaben zur Leistungsersparnis veröffentlicht Look allerdings nicht. Der aerodynamische Vorteil lässt sich daher vorerst nicht quantifizieren.
Die vollständige Integration hat zudem die üblichen Nachteile: Eine nachträgliche Änderung von Vorbaulänge oder Lenkerbreite ist trotz der großen Auswahl aufwendiger als bei außen verlegten Leitungen. Auch Arbeiten am Steuersatz können die Demontage beziehungsweise das Entlüften der Bremsleitungen erfordern.
Am Hinterbau sollen mehrfach gekrümmte Sitzstreben vertikalen Flex zulassen, ohne die seitliche Steifigkeit und damit die Kraftübertragung wesentlich zu beeinträchtigen. Für das G85 Cezal RS nennt Look eine Verringerung der eingeleiteten Vibrationen um 15 Prozent. Gleichzeitig soll der Hinterbau das Hinterrad auf unebenem Boden besser in Kontakt mit dem Untergrund halten.
Nach Darstellung des Herstellers soll der Rahmen ausreichend dämpfen, um auch mit moderateren Reifenbreiten effizient fahren zu können. Die Serienräder rollen dennoch auf 45 Millimeter breiten Hutchinson Touareg – ein für moderne Gravelrennen üblicher Kompromiss aus Traktion, Pannenschutz und Rollverhalten.
Auch das RS folgt dem Trend zu immer breiteren Reifen, davon sind Race-Gravelbikes nicht ausgeommen. Hinten passen bei den serienmäßigen Einfachantrieben Reifen bis 50 Millimeter, an der Gabel nennt Look sogar maximal 57 Millimeter.
Rahmen und Geometrie bleiben außerdem für Federgabeln mit bis zu 60 Millimetern Federweg vorbereitet. Damit lässt sich das RS auch für grobe, technisch anspruchsvolle Rennen konfigurieren. Eine Federgabel erhöht jedoch Gewicht und Wartungsbedarf; auf schnellen Schotterkursen dürfte die starre Carbongabel die effizientere Lösung bleiben.
Die Kombination aus breiten Reifen, Federgabel-Kompatibilität und Race-Ausrichtung zeigt, dass Look das RS nicht als Allroad-Rad mit lediglich etwas mehr Reifenfreiheit versteht. Sein Einsatzbereich reicht vielmehr von schnellen, festen Schotterstrecken bis zu technischeren Kursen, auf denen Kontrolle und Traktion wichtiger werden.
Look kündigt das G85 Cezal RS zunächst in zwei Komplettausstattungen an. Beide verwenden SRAMs elektronischen XPLR-Antrieb mit einem Kettenblatt, einer 13-fach-Kassette von 10 bis 46 Zähnen, Fulcrum-Sharq-Carbonlaufräder und 45 Millimeter breite Hutchinson Touareg. Die Unterschiede liegen vor allem bei Schaltgruppe, Bremsen, Gewicht und Lackierung. Für Freunde des Selbstaufbaus steht auch ein einzelnes Rahmenset zur Verfügung, es soll 3.290 Euro kosten.
| G85 Cezal RS Force XPLR | SRAM Force XPLR 1×13, Farbe Hypershift Blue | 8,3 Kilogramm | 8.990 Euro |
| G85 Cezal RS Red XPLR | SRAM Red XPLR 1×13, Farbe Chrome Orange Black | 7,9 Kilogramm | 6.990 Euro |

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