Was teure Profi-Rennräder von günstigen Modellen unterscheidet

Jens Klötzer

 · 16.06.2022

Was teure Profi-Rennräder von günstigen Modellen unterscheidetFoto: Jan Greune
Im Vergleich: Profi-Rennräder gegen die günstigeren Modelle.

Für die besten Profi-Rennräder zahlt man häufig fünfstellige Beträge. Die gleichen Modelle gibt es mit identischem Werbetext auch für die Hälfte oder noch weniger. Was die Sparversionen im Detail unterscheidet, erfahren Sie hier. Den kompletten Test gibt’s unten für 2,99 Euro zum Download.

Material-Schlacht auf Frankreichs Straßen

Wenn die besten Radprofis der Welt drei Wochen lang das größte Spektakel des Radsports austragen, werden die Straßen Frankreichs auch zur Bühne für eine beispiellose Materialschlacht.

Die schnellsten und teuersten Profi-Rennräder der Welt sind bei der Tour de France am Start, und Technikinteressierte werden genau beobachten, welche Radmarken, welche Schaltung und welche Reifen die Profis fahren - und welche Produkte auf welchen Etappen vorne liegen. Doch die meisten Fans werden wohl weiter von solchem Top-Material träumen, als sich tatsächlich zum Kauf inspirieren zu lassen.

Verlagssonderveröffentlichung

Profi-Rennräder werden teurer

Zwar bleibt es eine Besonderheit des Radsports, dass theoretisch jedes der Profi-­Geräte für alle zu kaufen ist. Doch durch die jüngsten Entwicklungen können sich leider immer weniger Menschen diese Rennräder leisten. Zum einen werden die Boliden immer kostspieliger - durch technische Innovationen, zuletzt aber auch durch krisenbedingte “Preisanpassungen” vieler Hersteller.

Für viele Top-Modelle werden inzwischen 10000 Euro und mehr aufgerufen. Zum anderen werden auch andere Lebensbereiche teurer - und vielen Radsportlern bleibt weniger Budget fürs Hobby.

Für die meisten leider nur ein Traum: Das Specialized S-Works Tarmac SL7  ist derzeit eines der erfolgreichsten Wettkampf-Rennräder, aber leider auch eins der teuersten. Bis zu 16000 Euro kostet der Bolide.
Für die meisten leider nur ein Traum: Das Specialized S-Works Tarmac SL7 ist derzeit eines der erfolgreichsten Wettkampf-Rennräder, aber leider auch eins der teuersten. Bis zu 16000 Euro kostet der Bolide.

Da drängt sich die Frage auf, ob es nicht ein günstigeres Modell genauso tut. Schließlich bieten die Hersteller von ihren Profi-Modellen oft preiswertere Ableger mit anderen Ausstattungen an. Diese heißen wie die Profi-Rennräder, sehen auf den ersten Blick genauso aus und werden mit den gleichen Argumenten beworben: leicht, aerodynamisch, steif und komfortabel sollen sie sein und das Profi-­Feeling erschwinglich machen. Doch wie viel von den besten Rädern der Welt steckt wirklich in den günstigeren Varianten?

Giant TCR Advanced SL 0
Foto: Matthias Borchers

Den ersten Hinweis gibt die Waage. Dabei gilt generell: Je teurer, desto leichter. Während die Profi-Rennräder um sieben Kilogramm oder sogar weniger wiegen, können die Einstiegsversionen des gleichen Modells bis zu zwei Kilogramm Mehrgewicht mitbringen. Auch aerodynamisch sind die preiswerten Ableger messbar langsamer - vor allem, weil das Budget für schnelle Carbonlaufräder fehlt.

Geringe Unterschiede bei den Rahmen-Sets

Doch die realen Unterschiede sind geringer, als es die Preisschilder suggerieren. Wer nicht vom Fahrgefühl eines Sieben-­Kilo-Boliden verwöhnt ist, kann mit einem günstigeren Rad sowohl Fahrspaß haben als auch Rennen gewinnen. Spürt man dennoch den Ursachen für die Leistungsunterschiede im Detail nach, finden sich zudem gezielte Tuning-Maßnahmen, die ein günstiges Rad mit überschaubarem Einsatz näher an die Leistung der Profi-Rennräder rücken.

Denn die unterschiedliche Rahmenquali­tät, welche die Hersteller in den Preisklassen anbieten, ist in vielen Fällen nicht der Rede wert. Meist sind die günstigen Rahmen-Sets lediglich 100 bis 150 Gramm schwerer.

Merida Scultura Team
Foto: Kerstin Leicht

Dass preiswertere Räder systematisch schwerer als Profi-Rennräder sind, liegt im Wesentlichen an den Komponenten wie Schaltungen, Laufrädern, Reifen, Lenker oder Sattel. Vor allem die Laufräder beeinflussen Gewicht und Aerodynamik in hohem Maße, und so würde manchen Rädern schon ein höherwertiger Reifen auf die Sprünge helfen.

Bei anderen entpuppen sich die günstigen Laufräder als die größten Bremser. Über die nackten Zahlen hinaus finden sich an den preiswerten Modellen noch andere Sparmaßnahmen, die sich nur schwer objektiv erfassen lassen, aber das Fahrerlebnis trüben.

So empfanden wir bei günstigen Rennrädern häufig die Kontaktpunkte als unnötig unbequem, wie dünne Alu-Lenker oder unflexible Sättel. Aber auch das ließe sich leicht ändern, ohne gleich ein Vielfaches berappen zu müssen.

Zum Durchklicken: So unterscheiden sich teure und günstige Version des gleichen Modells

Die teureren Räder sind mit leichteren Antriebsgruppen ­ausgestattet, die in aller Regel elektrisch schalten. Bei einigen ist, wie bei Canyon, serienmäßig ein Leistungsmessgerät integriert.
Foto: Matthias Borchers

Erfahren Sie hier, um wieviel schneller die teuren Profi-Rennräder wirklich machen! Wir hatten für TOUR 7/22 sechs verschieden teure Paarungen im Testlabor, im Windkanal und auf der Straße ausgiebig getestet und die Vorteile bis auf die Hundertstelsekunde genau ausgerechnet.

Den ganzen Test, technische Details und Einzelnoten gibts hier zum Download.