Obwohl die Streckenführung im Finale der 180 Kilometer langen Etappe von Chongzuo nach Jingxi keine Schwierigkeiten aufwies, hatten sich auf breiter Straße die Sprintzüge der Teams nicht wirklich formieren können. Top-Favorit Magnier hatte seinen Leadout-Mann verloren und musste so bereits 300 Meter vor dem Strich in den Wind und seinen Sprint starten. Biesterbos war in dieser Situation am Hinterrad des Franzosen und konnte im entscheidenden Moment noch vorbeifahren.
Das Duo hatte sich zwar schon ein paar Meter Vorsprung herausgefahren, doch die brauchte es auch, um Olav Kooij (Decathlon CMA CGM) vom Sieg abzuhalten. Der Niederländer rauschte mit extremer Geschwindigkeit von hinten heran. Hätte der Zielstrich zwei Meter weiter hinten gelegen, wäre der Sieg an ihn gegangen. So reichte es zum dritten Platz. Max Kanter (XDS Astana Team) landete in Kooijs Windschatten auf Rang vier.
Für das gebeutelte Picnic-Team, das zuletzt mit einem freiwilligen Rückzug aus der WorldTour liebäugelte, war es in den allerletzten Tagen der Saison erst der dritte Sieg und der erste auf WorldTour-Niveau. Biesterbos selbst war in diesem Herbst schon mehrfach nah dran gewesen an seinem Premierenerfolg. Beim Gooikse Pijl wurde er Zweiter, beim Sparkassen Münsterland Giro landete er auf Rang drei. Erstmals in Erscheinung getreten war der Mann aus Apeldoorn vor ziemlich genau einem Jahr, als er mehr oder weniger aus dem Nichts - zwar war er Niederländischer Meister, aber ansonsten kaum bei den Rennen der Szene unterwegs - Vizeweltmeister auf dem Gravelbike wurde. Dass es sich dabei um keine Eintagsfliege handelte, stellte er nun im Saisonverlauf unter Beweis.
“Mein erster Sieg in einem Straßenrennen bedeutete mir wirklich viel”, sagte Biesterbos anschließend. “Dass es gleich einer auf der WorldTour wird, ist ziemlich verrückt. Ich bin ein bisschen zufällig am Hinterrad von Magnier gelandet, aber das hat sich am Ende ausgezahlt. Er musste früh eröffnen und ich konnte dann noch vorbeiziehen. Es war ein harter Sprint, auch die letzten 30 Kilometer nach dem Anstieg, der auch schon ziemlich hart war, waren nicht einfach.”
Die Gesamtwertung wird weiterhin von Magnier angeführt, Biesterbos hat sich nun mit sechs Sekunden Rückstand als neuer Zweiter einsortiert. Sam Welsford (Netcompany INEOS), zum Auftakt Zweiter, spielte dieses Mal keine Rolle, bleibt aber auf Rang drei mit zehn Sekunden Rückstand. Das erste Bergtrikot der Rundfahrt hat Afonso Eulálio (Bahrain - Victorious) übernommen. Er hatte kurz vor der einzigen Bergwertung des Tages attackiert.
Auf drer 3. Etappe, mit 211 Kilometern die längste der Rundfahrt, warten im letzten Drittel mehrere Anstiege, die einen Sprint aus einem reduzierten Hauptfeld sicher nicht unmöglich, aber doch eher unwahrscheinlich machen.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Team Picnic PostNL | 03:45:19 |
| 2 | Soudal Quick-Step | +00:00:00 |
| 3 | Decathlon CMA CGM Team | +00:00:00 |
| 4 | XDS Astana Team | +00:00:00 |
| 5 | Tudor Pro Cycling Team | +00:00:00 |
| 6 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +00:00:00 |
Obwohl das Terrain flach und die Aussichten auf Erfolg zu Beginn der Etappe nicht allzu hoch waren, dauerte es 60 Kilometer, bis sich die Gruppe des Tages etabliert hatte. Von Beginn an wurde attackiert. Teil einer ersten Formation war unter anderem auch Jasha Sütterlin (Team Jayco AlUla), der noch um einen neuen Vertrag fährt. Insgesamt waren sechs Mann dabei, unter anderem auch starke Motoren wie der Däne Julius Johansen (UAE Team Emirates - XRG) oder der französische Tour-de-France-Ausreißerkönig Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché).
Doch die Gruppe war hinten im Feld weder den Sprinterteams recht, noch der Konkurrenz, die ebenfalls über die Fluchtgruppe erfolgreich sein wollte. Im nächsten Anlauf nahm Veistroffer seinen Landsmann Kevin Vauquelin (Netcompany INEOS) mit, doch auch dieser Versuch wurde schnell beendet. Veistroffer wurde aber nicht müde, versuchte es danach unter anderem mit Rune Herregodts (UAE Team Emirates - XRG) und Dries De Bondt (Team Jayco AlUla), ehe nach 60 Kilometern nochmal eine Siebenergruppe, unter anderem mit den beiden Belgiern, Johansen, dem Franzosen Louis Barré (Team Visma |Lease a Bike) und Vortags-Ausreißer Patrick Gamper (Team Jayco AlUla). Aber auch für sie gab es kein Entrinnen vom Feld.
Das gelang dann erst im nächsten Anlauf, als es Jonas Rickaert (Alpecin - Premier Tech) gemeinsam mit dem Chinesen Chenglu Liu (China Anta - Mentech Cycling Team) versuchte und dieses Duo dann offenbar als ungefährlich eingestuft wurde. Daran änderte sich auch nichts, als Martin Tjøtta (Uno-X Mobility) und De Bondt dazustießen. 113 Kilometer waren da noch zu fahren. Bis auf zwei Minuten konnte sich das Quartett absetzen.
Etwa bei der Hälfte der verbliebenen Strecke ließ sich Rickaert zurückfallen, die erste und einzige Bergwertung des Tages war nicht mehr weit entfernt. Dort musste dann auch Liu klein beigeben, während aus dem Feld heraus Jhonatan Narvaez (UAE Team Emirates - XRG) und Javier Romo (Movistar Team) versuchten, die Spitze einzuholen. Das gelang zwar 33 Kilometer vor dem Ziel, doch kurz darauf hatten das Hauptfeld ebenfalls wieder aufgeschlossen. Da der höchste Punkt noch nicht erreicht war, gab es zwar weitere Fluchtversuche, doch allen voran Decathlon und Soudal Quick-Step hielten das Feld letztlich zusammen.
Auch auf den letzten Kilometern des Tages gab es weitere Fluchtversuche. Vauquelin versuchte es erneut, Tom Pidcock (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team), Maxim Van Gils (Red Bull - BORA - hansgrohe), Juan Ayuso (Lidl - Trek) und alle weiteren Klassementfavoriten waren aber hellwach. Magnier derweil ließ sich davon ebenfalls nicht aus der Ruhe bringen, sein Team holte sechs Kilometer vor dem Ziel alle Flüchtigen zurück.
Im Absoluten Finale verlor der Franzose dann aber sein Leadout, entsprechend früh musste er selbst in den Wind. Biesterbos hatte in der Situation das beste Hinterrad, das von Magnier, und nutzte es auch.
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