Wer in der WorldTour fährt, hat es geschafft, und die meisten Teams kämpfen darum, dort zu bleiben. Umso ungewöhnlicher ist, was Medienberichten zufolge beim niederländischen Rennstall Picnic PostNL im Raum steht: ein freiwilliger Rückzug in die zweite Liga, die der ProTeams. Eine offizielle Bestätigung des Teams gibt es bislang nicht, die Entscheidung ist also noch nicht gefallen.
Was sich zuerst einmal sehr komisch anhört hat jedoch gute Gründe. Der Reiz der zweiten Liga liegt vor allem im Kalender. WorldTour-Teams müssen bei allen Rennen der höchsten Kategorie am Start stehen, nur ein einziges dürfen sie pro Saison auslassen. Meist trifft das die Rennen in China oder Australien, in diesem Jahr verzichteten mehrere Teams stattdessen auf die Tour de Romandie. Der organisatorische und finanzielle Druck kann für ein Team dabei zur großen Last werden.
Als ProTeam könnte Picnic PostNL sein Programm freier zusammenstellen und die Kräfte auf Rennen konzentrieren, bei denen die Fahrer realistische Chancen auf Siege und Entwicklung haben.
Schon vor der Saison war die Lage heikel. Während die übrigen 17 Männer-Teams Lizenzen für den gesamten Zyklus 2026 bis 2028 bekamen, erhielt Picnic PostNL nur eine für ein Jahr. Die Lizenzkommission knüpfte eine Verlängerung für 2027 und 2028 an finanzielle Bedingungen. Wie es danach weitergeht, blieb offen.
Die Ergebnisse haben die Unsicherheit verschärft. Nur zwei Siege stehen 2026 zu Buche: Casper van Uden gewann im April eine Etappe der Türkei-Rundfahrt, Pavel Bittner im September Paris–Chauny. Bis Juni hatte das Team gerade einmal 1434 UCI-Punkte gesammelt, so wenig wie kein WorldTour-Team zu diesem Zeitpunkt seit Einführung des aktuellen Punktesystems. Die Tour de France endete ohne Etappensieg, bestes Einzelergebnis war Bittners fünfter Platz auf Etappe 8. Eine historisch schlechte Bilanz.
Die Ursachen für das drastische Ergebnis reichen bis in den Winter zurück. Mit Oscar Onley (zu Ineos Grenadiers), Tobias Lund Andresen und Kevin Vermaerke verließen wichtige Fahrer das Team. Max Poole sollte als Rundfahrtkapitän Verantwortung übernehmen, fiel aber wegen gesundheitlicher Probleme lange aus. Sprinter Fabio Jakobsen wechselte im August zu Visma-Lease a Bike. Bittner, der Topscorer, geht 2027 zu Pinarello-Q36.5. In der zweiten Saisonhälfte stabilisierte sich die Lage etwas, auch dank Frits Biesterbos, der zuletzt Dritter beim Münsterland Giro wurde. Zählbares gab es trotzdem kaum.
Ganz aus der Welt der großen Rennen wäre Picnic PostNL als ProTeam nicht. Die drei besten ProTeams des Vorjahres bekommen garantierte Einladungen zu allen WorldTour-Rennen, die übrigen können über Wildcards starten. Für die Grand Tours gilt seit 2026 eine zusätzliche Hürde: Einladungen gehen nur an Teams aus den Top 30 der Vorjahreswertung. Aktuell liegt Picnic PostNL mit 2662 Punkten auf Rang 28. Bleibt es dabei, wäre die Bedingung erfüllt, die Einladung selbst müsste aber noch von den Veranstaltern kommen. Ein Abstieg hätte auch Folgen für andere: Ein WorldTour-Platz weniger könnte die Einladungen für 2027 neu verteilen und besser platzierten ProTeams nützen.
Ob es wirklich so kommt, ist offen. Fest steht: Für Picnic PostNL geht es um mehr als nur die Frage der Liga. Der Rückzug aus der WorldTour wäre kein sportlicher Absturz, sondern der Versuch, mit weniger Druck und mehr Spielraum einen Neuanfang zu wagen. Bleibt das Team in den Top 30 der UCI-Wertung, könnte es auch als ProTeam bei den großen Rennen dabei sein. Die Entscheidung dürfte zeigen, ob sich der Weg in die zweite Liga auszahlt, oder ob der Preis dafür höher ist als der Verbleib unter den WorldTeams.

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