Leon Weidner
· 11.10.2026
Auch bei den Männern endet die WorldTour-Saison in China. Die Tour of Guangxi läuft vom 13. bis 18. Oktober über sechs Etappen, nur drei Tage nach der Lombardei-Rundfahrt. Im Vorjahr machte Paul Magnier hier erstmals richtig auf sich aufmerksam: Er gewann fünf der sechs Etappen, nur auf der Bergetappe zum Nongla musste er sich geschlagen geben. Aufgrund der Topografie der Etappen gibt es hier also zwei Entscheidungen: zum Einen, wer sich die Sprintkrone aufsetzt und zum Anderen den Gesamtsieg.
Die Route ist in diesem Jahr deutlich verändert. Das Rennen startet erstmals in Chongzuo und umfasst insgesamt 1.043 Kilometer. Flach ist nur das erste Teilstück, ein 149,4 Kilometer langer Rundkurs in Chongzuo. Danach geht es durchgehend wellig weiter: Auf die 179,7 Kilometer von Chongzuo nach Jingxi folgt mit 212,3 Kilometern von Jingxi nach Bama die längste Etappe. Die Etappen nach Tian’e (165,7 km) und von Jinchengjiang nach Yizhou (170,1 km) sind neu und führen die Fahrer tief ins Karst-Hinterland.
Das Finale der Tour of Guangxi hat es in sich: Die letzte Etappe von Yizhou zum Nongla (165,8 km) endet mit einer Bergankunft. Der Schlussanstieg ist rund 3,1 Kilometer lang, im Schnitt 6,3 Prozent steil und enthält Rampen um die zehn Prozent. 2025 attackierte Double dort auf der fünften Etappe, gewann mit neun Sekunden Vorsprung und sicherte sich am Tag darauf den Gesamtsieg. In diesem Jahr gibt es kein Danach mehr, die Entscheidung fällt auf der Schlussetappe.
Für die Sprinter ist die Gesamtwertung zweitrangig, sie jagen Etappensiege. Paul Magnier steht wieder im Aufgebot seines Teams und könnte sein Kunststück aus dem Vorjahr wiederholen. Fünf Etappensiege sind eine echte Ansage, aber der Franzose hat definitiv das Zeug dazu. Konkurrenz bekommt er von Olav Kooij, Jordi Meeus, Max Kanter, Juan Sebastián Molano und Milan Fretin. Im klassischen Sprint dürften dem Franzosen jedoch nur Kooij, Kanter oder Meeus gefährlich werden.
Weil die meisten Etappen nicht flach, sondern wellig sind, könnten diesmal auch starke Ausreißergruppen eine Chance haben. Mit Fahrern wie Tom Pidcock bekommt das Rennen zudem eine neue Dynamik. Ob so viele Sprintfinals wie im vergangenen Jahr gefahren werdn ist deshalb noch offen.
Vorjahressieger Paul Double ist wieder dabei. Mit Juan Ayuso, Tom Pidcock, Jarno Widar und Kévin Vauquelin dürfte eine Titelverteidigung aber schwer werden. Die besten Chancen hat wohl Pidcock. Er ist nach Platz sieben bei der Weltmeisterschaft in sehr guter Form. Sein Sieg bei der Mountainbike WM im XCO scheint ihn im Herbst der Saison noch einmal so richtig zu beflügeln.
Auch aus deutscher Sicht gibt es zwei heiße Kandidaten. Emil Herzog zeigte sich zuletzt stark bei der EM in Slowenien, muss sich mit seinen 22 Jahren aber noch im Profi-Peloton beweisen. Marco Brenner gewann in diesem Jahr die Polen-Rundfahrt und zählt ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis.

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.