Tour de France 2022Diese Storys machten die Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr besonders

Tour Magazin

 · 24.10.2022

Tour de France 2022: Diese Storys machten die Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr besondersFoto: Getty Velo

Die Tour de France 2022 ist Geschichte. TOUR zeigt acht Fahrer und Storys, die bei der 109. Austragung der Frankreich-Rundfahrt ganz besonders im Fokus standen.

Simon Geschke

Die Kletter-Inspiration bei der Tour de France

Neun Tage - das ist neuer Rekord für einen Deutschen im Bergtrikot bei der Tour de France. So lange trug Simon Geschke das weiße Leibchen mit den roten Punkten. Erst auf der letzten Bergetappe entriss Jonas Vingegaard mit dem Etappensieg in Hautacam dem Radprofi vom Team Cofidis das Leibchen. Geschke, der nach aufopferungsvollem Kampf schließlich Zweiter der Bergwertung wurde, durfte gemäß Reglement das Trikot als Ersatzmann für Vingegaard nach Paris tragen. EIch hoffe, ich habe ein paar Fahrer inspiriert, mehr auf das Trikot zu fahren - damit es sich nicht immer der Gesamtsieger schnappt”, sagte der 36-Jährige.

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Simon Geschke mit dem Bergtrikot bei der Tour de France 2022Foto: Getty Velo
Simon Geschke mit dem Bergtrikot bei der Tour de France 2022

Peter Sagan

Eine schöne Geste bei der Tour de France

Es war eine nette Karte - auf Französisch geschrieben: “Bitte – kannst du Julian sagen, wie sehr er mir fehlt? Vielen Dank!” Die Karte hatte Marion Rousse erhalten, Lebensgefährtin von Julian Alaphilippe, Chefin der Tour de France der Frauen und während des Männerrennens als Kommentatorin für das französische Fernsehen dabei. Absender der Karte: Peter Sagan. Alaphilippe war von seinem Team Quick-Step-Alpha Vinyl nicht nominiert worden, hatte erst eine Woche vor der Tour bei der Französischen Meisterschaft sein erstes Rennen nach schwerer Sturzverletzung bestritten. Er lieferte seit 2018 insgesamt sechs der acht französischen Tagessiege bei der Tour. In diesem Jahr mussten die Franzosen bis zur 19. Etappe warten, als Christophe Laporte vom Team Jumbo-Visma sich den Tagessieg holte.

Peter Sagan schreibt an Julian AlaphilippeFoto: Getty Velo
Peter Sagan schreibt an Julian Alaphilippe

Thibaut Pinot

Schlag ins Gesicht

Es war ein ungewöhnlicher Zwischenfall: Ein Betreuer des Teams Trek-Segafredo nahm den französischen Radprofi Thibaut Pinot auf der 8. Etappe der Tour de France vorübergehend aus dem Rennen. Beim Anreichen eines Verpflegungsbeutels für einen Trek-Profi hatte er den vorbeifahrenden Pinot im Gesicht getroffen, der sich benommen erst einmal am Streckenrand sammeln musste, bevor er weiterfahren konnte.

Thibaut Pinot muss sich nach einem Schlag ins Gesicht erstmal sammelnFoto: Getty Velo
Thibaut Pinot muss sich nach einem Schlag ins Gesicht erstmal sammeln

Magnus Cort Nielsen

11 Bergwertungen bei der Tour de France

11 Bergwertungen in Folge hat der Däne Magnus Cort Nielsen gewonnen. Damit brach er den Rekord aus dem Jahr 1958, als Federico Bahamontes bei sieben Wertungen der Tour de France Erster war. Allerdings war der Spanier an deutlich höheren Bergen erfolgreich. Cort Nielsen gewann jeweils an der ­niedrigsten, der 4. Kategorie.

Gewann 11 Bergwertungen in Folge - Magnus Cort NielsenFoto: Getty Velo
Gewann 11 Bergwertungen in Folge - Magnus Cort Nielsen

Fabio Jakobsen

Das war knapp

15 Sekunden vor Ablauf des Zeitlimits erreichte Fabio Jakobsen (Quick-Step-Alpha Vinyl) als abgeschlagener Letzter das Ziel der 17. Etappe der Tour de France in den Pyrenäen. Die Teamkollegen Yves Lampaert und Florian Senechal feuerten den Niederländer von der Ziellinie aus an. Völlig abgekämpft schaffte es der niederländische Sprinter, der die 2. Etappe gewonnen hatte, über die extrem steile Schlusssteigung nach Peyragudes – und durfte am nächsten Tag weiter durch die Pyrenäen fahren.

Abgekämpft auf der 17. Etappe in den Pyrenäen - Fabio JakobsenFoto: Getty Velo
Abgekämpft auf der 17. Etappe in den Pyrenäen - Fabio Jakobsen

Marc Soler und Michael Mörköv

Alles gegeben

DNF - did not finish - steht in der Ergebnisliste, wenn ein Radprofi unterwegs aufgibt. Doch mit dieser Buchstabenkombination wollte der Däne Michael Mörköv seine siebte Teilnahme an der Tour de France nicht beenden. Geschwächt verlor der 37-jährige Däne vom Team Quick-Step bereits kurz nach dem Start der 15. Etappe den Anschluss ans Peloton und kämpfte sich bei Temperaturen von bis zu 40 Grad über mehr als 180 Kilometer alleine ins Ziel. 1:05:40 Stunden nach Tagessieger Jasper Phi­lipsen ­erreichte er das Ziel in Carcassonne.

Er lag damit mehr als zwölf Minuten über dem Zeitlimit und bescherte der Crew des Besenwagens Überstunden. “Ich bin nicht enttäuscht, weil ich alles gegeben habe”, sagte er im Ziel, wo er von den Fans mit Applaus empfangen wurde. Ähnlich erging es Marc Soler (UAE Team Emirates), der auf der 16. Etappe früh abgehängt wurde und ebenfalls das Ziel erst eine Viertelstunde nach dem Zeitlimit erreichte.

Marc Soler bei der Frankreich-RundfahrtFoto: Getty Velo
Marc Soler bei der Frankreich-Rundfahrt

Neuer Zeitfahrhelm bei der Tour de France

Strumpf-Halter

Beim Auftaktzeitfahren in Kopenhagen zogen etliche Fahrer, deren Teams von Specialized ausgestattet werden, die Blicke auf sich. Grund war der neue Zeitfahrhelm TT5 mit eigenwilliger Form und einem Gesichtsstrumpf statt Riemen zur Befestigung auf dem Kopf. Der Anblick erinnerte entfernt an die Science-Fiction-Figur Darth Vader - und der Spott im Netz war den Trägern des Helms sicher.

Ob das der Grund dafür war, dass der Helm beim abschließenden Zeitfahren in der Hitze von Rocamadour wieder von der Bildfläche verschwunden war? Der Gewinner des Auftaktzeitfahrens, der Belgier Yves Lampaert vom Team Quick-Step-Alpha Vinyl, hatte gleich auf den neuen Helm verzichtet und das Vorgängermodell getragen.

Pierre Latour mit dem neuen, ungewöhnlich befestigten HelmFoto: Getty Velo
Pierre Latour mit dem neuen, ungewöhnlich befestigten Helm

Undichte Blase bei der Tour de France?

135 von 176 Startern beendeten die 109. Tour de France. Weniger waren es zuletzt im Jahr 2000. Anders als in den Vorjahren, als die Rennblase der Tour weitgehend dichthielt, waren Covid-Infektionen diesmal ein wichtiger Faktor. Allein 17 Radprofis verließen das Rennen nach positiven Corona-Tests, darunter Chris Froome, Enric Mas und Max Walscheid. Die Teams AG2R-La Mondiale und Israel-Premier Tech brachten jeweils nur drei von acht Rennfahrern ins Ziel nach Paris.