Dass Primož Roglič in diesen Tagen eigentlich nur ein Ziel vor Augen haben sollte, die Spanien‑Rundfahrt, war im Team Red Bull-BORA-hansgrohe bislang unstrittig. Der Slowene galt fest als Kapitän für die Vuelta, während die Tour de France 2026 ohne ihn geplant wurde. Umso größer war die Überraschung, als das Team nun selbst Bilder veröffentlichte, die Roglič beim Training des Mannschaftszeitfahrens zeigen – gemeinsam mit Florian Lipowitz und Remco Evenepoel, also genau jenen Fahrern, die für die Tour vorgesehen sind. Die Aufnahmen, die das Team ungewohnt offen teilte, zeigen Roglič voll integriert in die Formation, konzentriert, abgestimmt, als wäre ein Start in Frankreich längst beschlossene Sache.
Brisant wird das Ganze vor allem vor dem Hintergrund der jüngsten Kommunikationspolitik des Teams. Erst vor wenigen Wochen hatte Red Bull-BORA-hansgrohe den Start von Remco Evenepoel bei der Flandern‑Rundfahrt bis zuletzt geheim gehalten, ein Vorgehen das im Peloton und bei Fans für Stirnrunzeln sorgte. Dass nun ein Spitzenfahrer unerwartet in einem so speziellen Tour‑Training auftaucht, lässt die Spekulationen entsprechend hochkochen. Zumal Primož Roglič selbst in der Vergangenheit mehrfach betont hat, dass die Tour de France für ihn ein unerfüllter Traum geblieben ist und er jede Chance nutzen würde, noch einmal dort anzugreifen.
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Auch sportlich wäre ein Roglič‑Start nicht völlig abwegig. Florian Lipowitz, der Tour‑Dritte von 2025, gilt zwar als Zukunftsprojekt des Teams, doch die interne Hierarchie ist seit der Verpflichtung von Evenepoel ohnehin in Bewegung. Beide Neuzugänge verändern das Machtgefüge und ein erfahrener Grand‑Tour‑Kapitän wie Primož Roglič könnte im komplexen Gefüge zwischen Ambitionen, Erwartungen und Teamrollen eine entscheidende Stütze sein. Schon 2025 hatte er trotz eigener Schwierigkeiten eine wichtige Rolle im Teamgefüge gespielt. Auf der anderen Seite sieht man immer wieder einen Roglič, der seine Unterstützung für Lipowitz verweigert. Potenzial für Unruhen bestehen bei gleich drei Fahrern dieser Kategorie zwangsläufig.
Offiziell hat sich das Team zu den neuen Bildern noch nicht geäußert. Doch die Kombination aus Timing, Transparenz und sportlicher Logik lässt die Vermutung zu, dass Rogličs Vuelta‑Fokus nicht mehr so eindeutig ist, wie es noch vor wenigen Wochen schien. Ob der Slowene tatsächlich an der Tour de France teilnimmt, bleibt offen, aber die Wahrscheinlichkeit ist mit einem einzigen Post des Teams deutlich gestiegen.
Werkstudent