Kristian Bauer
· 26.05.2026
Bei Paris-Roubaix hat Wout van Aert sein fahrtechnisches Können bewiesen - das zeigt er auch im Training. Das Team Visma | Lease a Bike befindet sich derzeit in der spanischen Provinz Granada in der Vorbereitung auf die Tour de France im Höhentrainingslager. Das Quartier des Teams befindet sich im 2.100 m hoch gelegenen Skiort Pradollano. Strava gibt Einblick, was die Rad-Profis in der Sierra Nevada trainieren. Am Sonntag sind Wout van Aert, Matteo Jorgenson, Edoardo Affini und Bruno Armirail eine 181 Kilometer lange Gravelrunde in den andalusischen Bergen gefahren. Die anstrengende Fahrt dauerte über sechs Stunden und bot mehr als 4000 Höhenmeter. Der Blick auf die Karte belegt, dass sie fast durchgehend auf unbefestigten Wegen unterwegs waren. Die geposteten Videos zeigen weiße Schotterpisten und wecken Erinnerungen an Strade Bianche. Auch bergab sind die Jungs vom Team Visma flott unterwegs – fahrtechnisches Können ist auf dem rutschigen Untergrund gefragt. Denn die Gruppe um van Aert ist nicht mit Gravelbikes mit breiten Stollenreifen unterwegs, sondern rollt mit ihren Straßenrädern über den Schotter. Im Video sieht man das Aero-Rennrad Cervélo S5 mit normaler Straßenbereifung. Der Trend zu immer breiteren Reifen am Aero-Rennrad zahlt sich offensichtlich aus. Van Aert nannte die Trainingsfahrt in seinem Strava-Profil einen Immunbooster.
Van Aert ist Spezialist für schwierigen Untergrund – nicht ohne Grund hat er den Klassiker Paris-Roubaix in diesem Jahr gewonnen. Er ist auch gerne komplett Offroad unterwegs – erst vor wenigen Wochen fuhr er das Marly Grav Race in Limburg mit. Damals allerdings mit dem Aspero 5 – dem Gravelmodell aus dem Hause Cervélo. Damit ist auch klar: bei anspruchsvollem Untergrund ist das Gravelbike auch für den Visma-Profi die erste Wahl. 2023 belegte van Aert Rang acht der UCI Gravel World Championships. Jetzt legt er den Fokus auf die Vorbereitung für die Tour de France. Am Montag fuhr er mit dem Rennrad eine 90-minütige Tour mit knapp 1000 Höhenmetern – auf über 3.000 m Höhe – klares Motto war das Höhentraining. Am Sonntag die besagte Gravel-Runde, am Samstag eine schnelle 120-km-Runde mit 3.630 Höhenmetern und am Tag zuvor wieder 1000 Höhenmeter in sauerstoffarmer Luft.
Das Prinzip des Höhentrainings (Hypoxietraining) beruht auf der Anpassung des Körpers an eine sauerstoffarme Umgebung. Durch den verminderten Luftdruck in Höhenlagen (ab ca. 1.800–2.500 m) sinkt der Sauerstoffpartialdruck in der Luft, wodurch der Körper bei gleicher Anstrengung weniger Sauerstoff aufnehmen kann. Viele Radteams nutzen das Höhentraining seit Jahren. Bekannte Trainingsorte sind z.B. Teneriffa (Teide), Livigno, Andorra, Tignes oder die Sierra Nevada. Ein klassisches Höhentrainingslager dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. Die durch das Höhentraining erzeugte verbesserte Sauerstofftransportkapazität hält nach der Rückkehr ins Flachland etwa drei bis fünf Wochen an – deshalb darf das Trainingslager nicht zu früh vor einem relevanten Wettkampf stattfinden.

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