Sebastian Lindner
· 30.08.2026
228 Kilometer lang war der bretonische Hügelklassiker rund um Plouay, der vor einem Jahr noch im Sprint durch Arnaud De Lie entschieden würde. Und auch dieses Mal sah alles lange danach aus. An letzten Überfahrt der Côte de Ty Marrec, dem entscheidenden Anstieg des Rennens, wurde zunächst die Spitzengruppe gestellt, zur der auch Herzog gehört hatte.
Doch der 21-Jährige wollte sich nicht geschlagen geschlagen geben, drückte nochmal aufs Gaspedal und setzte sich vor das Feld, dass eigentlich schon so aussah, als würde es am kritischen Punkt sechs Kilometer vor dem Ziel zusammenbleiben. Aber Herzog drückte weiter und weiter, sodass auf der Kuppe dann doch etwa zehn Fahrer ein kleines Loch rissen, dass aber im Flachen Teil danach nur größer wurde, weil Unklarheit über die Zusammensetzung der Spitze und damit der Verantwortung in der Nachführarbeit lag.
Aus der Gruppe heraus war es dann Aranburu, der noch vor dem absoluten Finale an einer kleinen Welle seinen Turbo zündete und nicht mehr gesehen wurde. Der 30 Jahre alte Spanier rettete seinen Vorsprung zum zwölften Sieg seiner Karriere, dem dritten in diesem Jahr, ins Ziel. Und es dürfte der wichtigste in seiner Karriere sein. Auf WorldTour-Niveau gelangen ihm ansonsten noch Etappensiege bei der Baskenland-Rundfahrt.
“Ich freue mich, dass ich Teil dieser unglaublichen Woche für Cofidis sein kann”, sagte Aranburu und spielte damit auf den ebenfalls überraschenden Sieg von Bryan Coquard am Vortag bei der Vuelta an.”Es war heute nicht einfach und ich bin überglücklich, dass ich den Einsatz der Mannschaft heute vollenden konnte. Ich glaube, ich habe den richtigen Moment für meine Attacke gefunden. Aber das funktionierte auch nur, weil wir davor am letzten Anstieg schon hellwach waren.” Mit Dylan Teuns hatte Cofidis als einziges Team zwei Fahrer in der finalen Spitzengruppe.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Cofidis | 05:21:13 |
| 2 | Uno-X Mobility | +000:00:04 |
| 3 | Bahrain - Victorious | +000:00:10 |
| 4 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +000:00:10 |
| 5 | Lotto Intermarché | +000:00:10 |
| 6 | Decathlon CMA CGM Team | +000:00:10 |
Das Pendant der Männer zum Frauenrennen am Vortag rund um Plouay kam früh in Fahrt und sah mit Markus Hoelgaard (Uno-X Mobility), Alexy Faure Prost (Team Picnic PostNL) und Sjoerd Bax (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team) eine frühe Ausreißergruppe, die sich schnell bis auf drei Minuten absetzen konnten. Dabei blieb es für viele Kilometer.
Erst, als sich bei noch etwas mehr als 100 Kilometern der frühere Junioren-Weltmeister Emil Herzog (Red Bull - BORA - hansgrohe) und Tour-de-France-Ausreißerkönig Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché) ein paar Sekunden Vorsprung herausfuhren, wurde die Rennsituation aufgebrochen. 90 Kilometer vor dem Ziel hatte das Duo die Lücke geschlossen. Aber auch das Feld war auf etwas mehr als eine Minute herangerückt, wobei daraus wieder etwas mehr wurde, nachdem sich die neue Fünferspitze gefunden hatte.
Während sich Soudal Quick-Step und Alpecin - Premier Tech die Führungsarbeit einteilte, mussten sich die Fahrer immer wieder mit wechselnden Straßenverhältnissen auseinandersetzen, weil es streckenweise immer wieder leicht regnete. An der Côte de Marta wurde hinten dann ernst gemacht. Angeführt von Per Strand Hagenes (Team Visma | Lease a Bike) sorgte eine Tempoverschärfung dafür, dass bei der Einfahrt auf den Rundkurs etwa 60 Kilometer vor dem Ziel doch bloß noch 20 Sekunden Vorsprung für die Ausreißer verblieben.
Aus dieser Konstellation schlossen zunächst Liam Slock (Lotto Intermarché), Quinten Hermans (Pianrello Q36.5 Pro Cycling Team) und Benjamin Thomas (Cofidis), weitere Gruppen formierten sich. Derweil nahm ein Sturz im Hauptfeld in Paul Magnier (Soudal Quick-Step) einen der Mitfavoriten aus dem Rennen. Er beendete das Rennen im Krankenwagen.
Als es 36 Kilometer vor dem Ziel zum zweiten von vier Malen über die Côte de Ty Marrec, den 1500 Meter langen und fünf Prozent steilen und mutmaßlich entscheidenden Anstieg ging, war Veistroffer aus der Spitze zurückgefallen - kurz darauf erwischte es auch Bax. Derweil taten sich zwei Verfolgergruppen schwer, die Lücke nach vorn zuzufahren. Das Hauptfeld war wieder auf anderthalb Minuten zurückgefallen.
Eine Runde später waren alle Verfolger wieder im Hauptfeld, das nun auf 40 Sekunden ran war. Mathieu Burgaudeau (TotalEnergies), Jenno Berckmoes (Lotto Intermarché) und Louis Barré (Team Visma | Lease a Bike) nutzten dann die nächste Welle für einen Vorstoß, die aber schnell gekontert wurde. Und so ging die Gruppe mit 20 Sekunden Vorsprung in die letzte Überfahrt der Côte de Ty Marrec. Dort endete der Ausreißversuch dann. Das Feld dagegen riss nach ungefähr zehn Positionen, Herzog gehörte weiter dazu. Und die Lücke ging auf bis zu 16 Sekunden bei drei Kilometern vor dem Ziel.
Da war absehbar, dass der Sieger aus der Gruppe stammen würde. In den beiden Franzosen Paul Lapeira (Decathlon CMA CGM) und Romain Gregoire (Groupama - FDJ United) gehörten durchaus zwei mitfavorisierte Fahrer dazu, doch die großen Namen wie Jasper Philipsen (Alpecin - Premier Tech), Laurence Pithie (Red Bull - BORA - hansgrohe) oder die früheren Sieger Benoit Cosnefroy (UAE Team Emirates - XRG) und Marc Hirschi (Tudor Pro Cycling Team) hatten den Sprung allesamt verpasst.
Doch auch Lapeira und Gregoire konnten am Ende nichts ausrichten, denn die frühe Attacke 1100 Meter vor dem Ziel von Aranburu überraschte alle. Nur Kamp versuchte noch nachzusetzen, konnte die Lücke aber nicht mehr schließen. Aus der Gruppe heraus furh Borgo dann vor Herzog auf Rang drei.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.