Sebastian Lindner
· 29.08.2026
Pogacar war gut 30 Kilometer vor dem Ziel auf gerader Strecke scheinbar selbstverschuldet gestürzt. Videoaufnahmen konnten nicht vollends auflösen, was der Auslöser für den Unfall war. Der 27-Jährige versuchte mehrmals, wieder aufzustehen und aufs Rad zu steigen, konnte sich aber nicht aus eigener Kraft auf den Beinen halten. Der Mann im Roten Trikot blutete am Auge und an der linken Schulter, bevor er erstversorgt und per Krankenwagen ins nächste Krankenhaus gefahren wurde.
Damit bekommt die Vuelta einen völlig neuen Charakter. Ging es bisher für alle anderen Klassementfahrer nur um Rang zwei, ist für mehrere Profis nun ein außer Reichweite scheinender Grand-Tour-Titel plötzlich wieder möglich. Enric Mas (Movistar Team) führt erstmals in seiner langen Karriere eine Grand Tour an. Obwohl der 31-Jahre alte Spanier die Vuelta schon drei Mal als Zweiter und acht Mal unter den Top 6 beenden konnte, reichte es für ihn bislang nie auch nur für einen einzigen Tag im Roten bzw. früher noch im Goldenen Trikot. Tragen wollte er es in in Anbetracht der Umstände bei der Siegerehrung nicht.
Nun aber geht Mas mit genauer einer Minute Vorsprung auf Primoz Roglic (Red Bull - BORA - hansgrohe) und elf weiteren Sekunden auf Felix Gall (Decathlon CMA CGM) in die weiteren Tage und eine schwere Bergankunft morgen vor dem ersten Ruhetag.
Derweil gab es nach 171 Kilometern von Puçol nach Xeraco auch für Coquard eine Premiere. Für ihn war sein Sieg der erste bei einer Grand Tour. Und das mit 34 Jahren. Der 56. Erfolg seiner Karriere ist zeitgleich sein wichtigster. “Ich bin oft Zweiter geworden bei den Grand Tours. Jetzt bin ich 34 Jahre alt und sehr stolz und glücklich", sagte Coquard, der sich bei seiner Mannschaft und vor allem seinem einzigen Anfahrer Alexis Renard bedankte. “Er hat mich dort abgeliefert, wo ich hinmusste. Und dann hat mir auch meine Erfahrung geholfen.”
In Matthew Brennan (Team Visma | Lease a Bike) war der Top-Favorit auf den Tagessieg im Finale eingebaut und konnte nicht eingreifen. Dazu hatte auch er Glück, dass er nicht noch in den Massensturz hinter ihm geriet, der mehrere Fahrer hart zu Boden riss. Der gesamte Tag war von zahlreichen Stürzen überschattet.
Durch das Pogacar-Aus wechselt nicht nur das Rote Trikot seinen Besitzer. Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), Etappensieger des Vortages, ist neuer Mann im Bergtrikot. Wout van Aert hingegen bleibt Führender in der Punktewertung, Oscar Onley (Netcompany INEOS) ist bester Nachwuchsprofi.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Cofidis | 03:47:06 |
| 2 | Lidl - Trek | +00:00:00 |
| 3 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +00:00:00 |
| 4 | Netcompany INEOS | +00:00:00 |
| 5 | Decathlon CMA CGM Team | +00:00:00 |
| 6 | XDS Astana Team | +00:00:00 |
Nachdem ein Sturz von zehn Fahrern in der neutralisierten Phase des Rennens den scharfen Start ein wenig verzögerte, war es Sinuhé Fernández (Burgos Burpellet BH), der sich allein auf den Weg machte. Immerhin war das Feld gütig und gewährte dem Spanier maximal fast bis zu sechs Minuten Vorsprung.
Kurz vor der entscheidenden Phase mit Zwischensprint und Bergwertung wurde der Ausreißer zurückgeholt. Ohne großen Widerstand konnte sich van Aert die Punkte am Sprint gutschreiben lassen. Noch vor der Anfahrt in die Bergwertung passierte es dann: Pogacar stürzte selbstverschuldet und musste das Rennen mit blutenden Wunden an Auge und Schulter aufgeben.
Im Anstieg fuhrt das Feld daraufhin mit gebremstem Schaum, weil nicht klar war, ob der Slowene nochmal aufs Rad steigen könnte. Erst danach nahmen die Profis das Rennen wieder auf. Xabier Mikel Azparren (Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team) versuchte es mit einer Soloattacke. Er kämpfte sich bis 1500 Meter vors Ziel, wo ihn das heranrasende Feld stellte und den Sprint einleitete, den Coquard letztlich für sich entschied.
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