Beginne mit der Kontrolle nicht erst am Vorabend. Verschleißteile wie Reifen, Bremsbeläge oder die Kette müssen gegebenenfalls ersetzt werden, und ein Werkstattbesuch lässt sich nur selten kurzfristig organisieren, da Fahrradwerkstätten meist mit Terminen arbeiten und es zu Wartezeiten kommen kann.
Reinige dein Fahrrad zunächst gründlich. So erkennst du Beschädigungen und Verschleiß leichter. Gehe beim Check anschließend systematisch vor – zum Beispiel von unten nach oben oder von vorn nach hinten –, damit du nichts übersiehst.
Die Reifen sind der direkte Kontakt zur Straße oder zum Schotter. Vor der Tour solltest du sie deshalb sorgfältig kontrollieren.
Einen allgemein gültigen Luftdruck gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem das Gewicht von dir, deinem Fahrrad und deinem Gepäck sowie die gewünschte Balance aus Komfort, Grip und Pannenschutz. Die zulässigen Druckgrenzen auf Reifen und Felge darfst du nicht über- oder unterschreiten. Reifendruckrechner wie der von SILCA helfen dir, den passenden Wert zu finden. Du gibst dort neben der Reifenbreite unter anderem das Gesamtgewicht von Rad, Gepäck und Fahrer ein. Gemeint ist dabei die tatsächlich gemessene Reifenbreite, nicht die auf dem Reifen aufgedruckte: Die kann je nach Felge um einige Millimeter abweichen.
Wenn du Risse, Beulen oder eine beschädigte Karkasse entdeckst, solltest du den Reifen vor der Tour ersetzen. Ein Reifen mit auffälligem Druckverlust gehört ebenfalls nicht auf eine mehrtägige Reise. Dann solltest du entweder dein Tubeless-Setup kontrollieren oder den Schlauch nach Defekten absuchen und flicken oder ersetzen.
Mit Gepäck wird dein Fahrrad schwerer. Entsprechend wichtiger ist eine zuverlässig arbeitende Bremsanlage.
Prüfe die Bremsbeläge auf ausreichende Stärke: Als Faustregel gilt, dass noch mindestens 1 mm Reibmaterial vorhanden sein sollte. Manche Beläge haben zusätzlich eine eingestanzte Verschleißmarkierung oder einen farbigen Strich als Indikator – ist der erreicht, ist Zeit für einen Wechsel. Wie du Verschleiß an Bremsscheibe und -belag erkennst, zeigt dieser TOUR-Artikel.
Zieh außerdem die Bremshebel und prüfe den Druckpunkt: Nach einem kurzen Leerweg sollte der Hebel spürbar fest werden, während die Bremse greift. Dieser Leerweg sollte höchstens etwa ein Drittel des gesamten Hebelwegs ausmachen. Lässt sich der Hebel fast bis zum Lenker durchziehen, ohne dass die Bremse richtig greift, stimmt etwas nicht – zum Beispiel Luft im System oder stark verschlissene Beläge. Dann ab in die Werkstatt.
Achte außerdem auf Schleifgeräusche, eine ungleichmäßige Bremswirkung, austretende Flüssigkeit sowie Beschädigungen an Bremszügen, Leitungen und Anschlüssen – auch das sind Warnzeichen, die vor der Abfahrt fachkundig geprüft werden sollten.
Ein verschlissener oder schlecht eingestellter Antrieb macht sich vor allem auf langen Etappen und unter Last bemerkbar – unabhängig davon, ob deine Tour eher flach oder hügelig verläuft.
Miss den Kettenverschleiß und prüfe Kette, Kassette und Kettenblätter auf starke Abnutzung; wie das geht, erklärt dieser TOUR-Artikel. Schalte außerdem alle Gänge durch und kontrolliere Schaltwerk und Schaltröllchen auf Beschädigungen. Reinige die Kette und schmiere sie passend zur Wetterlage.
Die Schaltung sollte auch unter Belastung sauber funktionieren, deshalb reicht es nicht, das Fahrrad nur auf dem Montageständer durchzuschalten – erst unter Last bei der Probefahrt zeigt sich, ob die Kette springt oder Schaltvorgänge stocken. Neue Verschleißteile solltest du einige Tage vor der Tour montieren, damit noch Zeit für eine Kontrollfahrt und mögliche Nachjustierungen bleibt.
Lenker, Vorbau, Steuersatz, Sattel und Sattelstütze gehören zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen. Alle Klemmungen und Verschraubungen sollten fest sitzen, ohne übermäßig angezogen zu werden.
Am einfachsten testest du die Klemmungen, indem du das jeweilige Bauteil kräftig zu bewegen versuchst: Lenker und Vorbau verdrehen, Sattel seitlich bewegen, Steuersatz bei gezogener Vorderradbremse durch Wackeln des Rads prüfen – spürst du dabei Spiel, ist etwas zu locker. Schnellspanner sollten sich nur mit spürbarem Kraftaufwand schließen lassen. Kontrolliere auch, ob deine Steckachsen oder Schnellspanner, mit denen die Räder im Fahrradrahmen befestigt werden, festgezogen sind.
Besonders bei Carbonbauteilen solltest du die vorgeschriebenen Drehmomente einhalten. Wenn du keinen passenden Drehmomentschlüssel besitzt oder Schäden an Lenker, Vorbau oder Sattelstütze entdeckst, überlasse die Kontrolle einer Werkstatt.
Dieser Punkt ist vor allem relevant, wenn du zum ersten Mal mit einem bestimmten Taschensystem unterwegs bist oder die Beladung seit der letzten Tour verändert hast – bei bekanntem, unverändertem Setup reicht meist ein kurzer Blick.
Belade deine Taschen mit dem tatsächlichen Tourengepäck und montiere sie ans Fahrrad. Prüfe dabei nicht nur das Volumen, sondern auch die Befestigung:
Eine kurze Fahrt über unebenen Untergrund mit voller Beladung ist besonders aufschlussreich: Wenn eine Tasche dabei verrutscht, gegen den Reifen kommt oder am Rahmen scheuert, solltest du die Befestigung vor der Tour ändern. Dasselbe gilt fürs Gesamtgewicht aus Fahrrad, Gepäck, Wasser und Verpflegung – kontrolliere vorab, ob es innerhalb der Freigaben von Rahmen, Laufrädern, Reifen und Gepäckträgern liegt. Zeigt sich bei der Probefahrt, dass sich das Fahrrad ungewohnt lenkt oder die Bremswege länger werden, ist das Setup noch nicht tourentauglich.
Schutzfolie oder geeignete Rahmenschutzpads können stark belastete Kontaktstellen schützen.
Auch auf einer geplanten Tagestour kann es später werden als erwartet. Front- und Rücklicht sollten deshalb funktionieren und vollständig geladen sein.
Bei einer längeren Tour solltest du die Reichweite nicht zu knapp kalkulieren, pack am besten ein Ladekabel ein - egal ob für E-Bike, Schaltung oder Navi. Gegenwind, Steigungen, niedrige Temperaturen und zusätzliches Gepäck können den Energiebedarf erhöhen – TOUR hat die Bedeutung der Reichweitenplanung bereits in einem Praxisbericht zum Bikepacking mit dem E-Gravelbike beschrieben.
Am Vorabend genügt ein kurzer Abschluss-Check:
Eine vollständige Prüfung ersetzt dieser letzte Check nicht. Er soll lediglich sicherstellen, dass sich seit der Probefahrt kein neues Problem ergeben hat.
Nicht jede Wartungsarbeit ist für den Abend vor der Abfahrt geeignet. Bei verschlissenen Bremsen, beschädigten Laufrädern, auffälligem Lagerspiel, Problemen mit hydraulischen Bremsen oder Rissen an sicherheitsrelevanten Bauteilen gehört dein Fahrrad in die Werkstatt. Das Gleiche gilt, wenn du die Ursache eines Geräuschs oder eines ungewöhnlichen Fahrverhaltens nicht selbst erkennst.
Wenn du den Check mit ausreichend Abstand vor deiner Bikepacking-Tour erledigst und anschließend mit voller Beladung probefährst, startest du mit einer deutlich besseren Grundlage. Eine Panne lässt sich dadurch nicht vollständig ausschließen, viele vermeidbare Probleme erkennst du so aber, bevor sie unterwegs zur unfreiwilligen Pause führen. Was zusätzlich an Werkzeug und Ersatzteilen ins Gepäck gehört, falls doch etwas unterwegs kaputtgeht, haben wir in unserer Packliste für Gravel-Touren zusammengestellt.

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