Julian Schultz
· 30.04.2024
Rennen im Gelände? Mit einem Gravelbike? Bis vor fünf Jahren war das in Europa nahezu undenkbar. Mit dem Áspero präsentierte Cervélo damals trotzdem ein leistungsfähiges Modell, das sich durch eine sportliche Sitzposition von der Konkurrenz abhob und vergleichsweise flott über die Schotterpiste flog. Das leichtere Áspero-5 wenig später war die konsequente Weiterentwicklung des rennmäßigen Konzepts, das der kanadische Fahrradbauer nun in Ansätzen auf die zweite Generation des Ur-Modells adaptiert.
Dank schlankerer Rohrformen und teilintegrierter Kabel soll die Neuheit etwas schneller geworden sein. Trotz der aufgeräumten Optik am Cockpit sind Positionsanpassung und Wartungsaufwand relativ unkompliziert, da die Bremsleitungen und je nach Ausstattungsvariante auch die Schaltzüge unter dem Alu-Vorbau ins Steuerrohr geführt werden. Laut Cervélo verbessert sich die Aerodynamik um drei Watt, totale Zahlen oder Messmethodik teilten die “Ahornblätter” nicht mit. Die Sitzposition fällt wie beim Vorgänger relativ gestreckt aus, wenngleich man inzwischen auf absoluten Race-Spezialisten wie dem BMC Kaius oder Rose Backroad FF noch aerodynamischer sitzt.
Für ein Plus an Komfort wurde der Carbonrahmen minimal modifiziert: Die Sitzstreben sitzen etwas tiefer, zudem wurde “die Steifigkeit im Steuerrohrbereich leicht verringert”, so Cervélo. Mehr Einfluss auf die Federung dürfte die größere Reifenfreiheit haben. Statt bislang 40 Millimeter breite Reifen passen nun maximal 45-Millimeter-Gummis durch Gabel und Rahmen. Obwohl das Áspero damit den von der International Organization for Standardization, kurz ISO, geforderten Mindestabstand von vier Millimetern zwischen Rahmen und Reifen einhält, empfiehlt Cervélo im Aufbau mit 700C-Laufrädern eine maximale Reifenbreite von 42 Millimetern.
Unverändert bleibt die Möglichkeit, die Lenkgeometrie mittels des sogenannten “Trail Mixer” an der Gabel anzupassen. Je nach Terrain und Reifenwahl lässt sich die Position der Vorderradachse verändern. Nachlauf (engl.: Trail) und Radstand, die zusammen mit Lenkwinkel und Gabelvorbiegung das Lenkverhalten beeinflussen, variieren je nach Stellung des Ausfallendes um fünf Millimeter. Ein weiterer Nebeneffekt: Das Áspero kann mit 650B-Laufrädern und breiteren Reifen nachgerüstet werden, Walzen um 50 Millimeter sollten möglich sein. Auch andere Hersteller setzen bei ihren Gravelbikes auf ähnliche Konzepte: Am Giant Revolt lässt sich der Radstand am Hinterbau um 10 Millimeter verstellen, am Rondo Ratt verändert sich der Nachlauf um 16 Millimeter.
Zu den Komplettrad- oder Rahmengewichten machte Cervélo wie zuletzt beim elektrifizierten Allroad-Bike Rouvida keine Angaben. Die Ausstattungen vorwiegend mit robusten Komponenten aus Alu deuten allerdings darauf hin, dass sich das Áspero weiter klar vom Áspero-5 unterscheidet, dass in der High-End-Variante mit leichten 8,0 Kilogramm an der TOUR-Waage hing. Zum Vergleich: Das Ur-Modell mit SRAM Apex 1 und einfachen Laufrädern von Alex Rims wog exakt 1,5 Kilogramm mehr.
Sechs Ausstattungsvarianten in sechs Rahmengrößen umfasst das neue Portfolio. Einzig das Top-Modell profitiert bei Laufrädern, Sattelstütze im 27,2-Standardmaß und Lenker von Anbauteilen aus Carbon. Alle Versionen sind mit Zwölffach-Antrieben von Shimano oder SRAM aufgebaut. Zur Auswahl stehen mechanische und elektronische Gruppen. Im kleinsten Gang lässt sich über die gesamte Flotte hinweg eine Untersetzung realisieren, womit auch steile Waldwege bezwungen werden können. Der UDH-Standard am Schaltauge soll das Schaltwerk bei Stürzen schützen und die Einstellung erleichtern. Die 40 Millimeter breiten Vulpine von WTB sind tubeless-fähig. Zum Lieferumfang zählt außerdem eine kleine Tasche fürs Oberrohr, am Unterrohr lässt sich ein dritte Trinkflasche oder Tool-Box montieren. Die Preise liegen zwischen 5799 und 3599 Euro, ein Rahmen-Set ist für 2799 Euro erhältlich.

Redakteur