Avona Callis 32 ZollGravel-Racer aus dem Windkanal

Adrian Kaether

 · 15.10.2026

Das Avona Callis ist eines der absolut ersten 32 Zoll Gravelbikes in Serie.
Foto: Adrian Kaether

Themen in diesem Artikel

​Das Avona Callis 32 gehört zu den ersten Serien-Gravelbikes, das konsequent auf 32-Zoll-Laufräder setzt. Dahinter stecken umfangreiche Tests im Windkanal und auf der Straße – und ein kleines deutsches Unternehmen mit großer Erfahrung im Radsport. Wir haben die Details

​Fazit: 32 Zoll auf Basis von Labor-Daten

Das Avona Callis 32 ist nicht nur eines der ersten 32 Zoll Gravel Serienbikes, sondern will auch noch die Antwort auf die brennende Frage gleich mitliefern: Lohnt sich 32 Zoll? Avona greift dafür auf umfangreiche Tests zurück und sagt: Eindeutig ja! Selbst bei niedrigem Tempo und in ungünstigen Szenarien soll 32 Zoll messbar schneller sein und dazu ein sichereres Fahrgefühl bieten. Wir sind gespannt, wie sich das Callis in der Praxis schlägt. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik.

Avona: Kleine Marke, viel Know-how

Hinter dem Callis 32 steht Avona, ein junges Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Mogendorf – und damit kein unbeschriebenes Blatt. Mitgründer und Geschäftsführer Jonas Müller hat unter anderem für Arc8, BMC und DT Swiss entwickelt und ist auch der treibende Kopf hinter dem Callis und den umfangreichen Labortests, die der Entwicklung zugrunde liegen. Avona hat mit dem klassischen Callis bereits ein wettbewerbsfähiges 700c-Gravelbike im Programm. Das Callis 32 ist die konsequente Weiterentwicklung – und steckt sich ambitionierte Ziele.

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Warum 32 Zoll

Bei Avona war man zunächst skeptisch. Braucht’s 32 Zoll wirklich? Größere Laufräder bedeuten weniger Spielraum für Geometrie, mehr Luftwiderstand, mehr Toe-Overlap und mehr Gewicht, das mit teuren Investitionen in Leichtbau aufgefangen werden muss. Der Rahmen braucht längere Gabeln und längere Kettenstreben, das verlängert den Radstand und hemmt den Fahrspaß.

Allerdings kann 32 Zoll auch die Fahrsicherheit und den Grip im Gelände spürbar steigern. Das Resultat: Mehr Selbstvertrauen auf schwierigem Untergrund und mehr Tempo mitnehmen um rutschige Kurven. Auch der Komfort kann aufgrund des besseren Überollverhaltens profitieren. Wie sich das in der Praxis anfühlt, haben wir im Selbstversuch mit dem Chiru Veldt schon ausprobiert.

Die Tests: Windkanal und Virtual Elevation

Avona hat die Entwicklung des Callis 32 auf zwei Säulen gestützt: Windkanalmessungen im GST-Windkanal, den auch wir bei TOUR für unsere Winkanal-Messungen nutzen. Und Feldtests mit der sogenannten Virtual Elevation Method (auch bekannt als Chung-Methode), die näherungsweise die Wiederstände beim Fahren erfasst.

Das Ergebnis: 32 Zoll schlägt klassische Laufradmaße bei gleichen Reifen (Schwalbe G-One RX, 50 mm) und gleicher Geschwindigkeit teils deutlich. Je rauer der Untergrund, desto deutlicher können die Riesen-Laufräder ihren besseren Rollwiderstand ausspielen. Und der aerodynamische Nachteil von 32 Zoll ist selbst bei hohen Geschwindigkeiten niedriger als gedacht. Avona spricht von um 8 Watt Ersparnis je nach Untergrund bei nur 20 km/h und sogar 12 bis 13 Watt bei 35 km/h. Dadurch würde sich ein relevanter Vorteil gerade in Gravel-Rennen ergeben. Die Siege von Robin Gemperle beim Unbound-Gravel auf 32 Zoll oder auch von Leon Kaiser beim UCI Gravel-Rennen im Rahmen des Sea Otter Girona sprechen ebenfalls dafür. Unseren eigenen Faktencheck zum Thema 32 Zoll lest ihr hier.

Faserwerk Kornkreis: Eigene 32-Zoll-Laufräder

32 Zoll Serien-Laufräder sind bislang ganz schön knapp. Um das Callis auf die Reifen zu stellen, setzt Avona auch auf die Eigenmarke Faserwerk, unter der Avona eigene Carbon-Laufräder, Cockpits, Sattelstützen und Kettenblätter entwickelt. Die Kornkreis-Laufräder kommen in 42 mm Felgenhöhe, mit 27 mm Innenbreite, sind handgefertigt in Deutschland und werden mit DT Swiss 240 oder 350 Naben angeboten. Sie ergänzen damit die bislang noch mäßige Verfügbarkeit von Serien-Laufrädern in 32 Zoll. Alternativ bietet Avona das Callis auch mit Carbon Hochprofil-Laufrädern von Newmen an.

Faserwerk 32 Zoll Laufräder:

Kornkreis mit DT Swiss 2401.494 g1.699 €
Kornkreis mit DT Swiss 3501.567 g1.499 €

Soll auch kleinen Fahrern passen: Die Geometrie

Eines der ungewöhnlichsten Versprechen des Callis 32 ist die Passform ab 164 cm Körpergröße. Das ist für ein 32-Zoll-Bike alles andere als selbstverständlich, denn größere Laufräder bedeuten in der Regel weniger Spielraum für kompakte Geometrien. Avona löst das Problem durch ein spezielles Geometrie-Konzept. Jede Rahmengröße kann sowohl in einer traditionellen als auch in einer vorwärts orientierten Position gefahren werden. Der Unterschied liegt in der Sattelstütze:

  • 30 mm Versatz + kurzer Vorbau → klassische Position, effektiver Sitzwinkel 74°
  • 0 mm Versatz + langer Vorbau → progressive Vorwärtsposition, effektiver Sitzwinkel 76°
  • Als Mittelweg steht auch eine 15 mm Offset-Sattelstütze zur Verfügung

In der Vorwärtsposition können kleinere Fahrer oft eine größere Rahmengröße fahren – was wiederum tiefere Oversize-Versionen der Stack-Werte ermöglicht. Das Ergebnis: Das Medium-Frame passt laut Avona bereits ab 164 cm, Tendenz nach unten offen je nach bevorzugter Sitzposition.

Die Geometrie im Überblick (mit 30 mm Offset-Stütze

RahmengrößeMediumLarge X-Large
Stack578 mm598 mm618 mm
Reach391 mm398 mm405 mm
Steuerrohrwinkel70°70°70°
Gabelversatz60 mm60 mm60 mm
Tretlagerabsenkung112 mm112 mm112 mm
Kettenstreben440 mm440 mm440 mm
Radstand1.050 mm1.064 mm1.078 mm

Der Steuerrohrwinkel von 70° ist bewusst nicht zu flach gewählt: Da größere Räder den Nachlauf ohnehin vergrößern, hätte ein flacherer Winkel das Bike zu träge gemacht. Mit 60 mm Gabelversatz hält Avona den Nachlauf bei überschaubaren 82 mm – sportlich und trotzdem stabil.

So Aero wie möglich: Rahmen und Ausstattung

Wenig überraschend: Rahmen und Gabel des Callis sind aerodynamisch optimiert, um den Luftwiderstand des Bikes möglichst gering zu halten. Das Carbon-Chassis hat folgende Eckdaten (Herstellerangabe):

  • Rahmengewicht: 898 g (lackiert)
  • Gabelgewicht: 409 g (lackiert)
  • Komplettes Frameset mit allen Teilen: 1.728 g
  • Reifenfreiheit: bis 55 mm (mit 6 mm Sicherheitsabstand)
  • Steifigkeit vs. Callis 700c: +7 % Torsionssteifigkeit, +12 % BB-Steifigkeit, gleiche Vertikalcompliance
  • UDH-Schnittstelle (Universal Derailleur Hanger)
  • Nur Einfachkurbel
  • Flatmount-Bremsen, 160 mm Standard, 180 mm optional
  • Integriertes Rahmenstaufach
  • Zwei große Flaschenhalter passen dennoch
  • Boost-Kettenlinie, 12×148 mm hinten, 12×110 mm vorne
  • Reifenfreiheit maximal 55 Millimeter
  • Enduro 440C-Edelstahl-Steuerlager mit Lifetime-Garantie

Modelle und Preise

Avona bietet das Callis 32 in drei Konfigurationen und als Rahmenset an. Bei allen Ausstattungsvarianten setzt Avona CeramicSpeed UFO Wax-Ketten ein.

Callis 32 Rival XPLR 13s5.799 €SRAM Rival XPLR 13s, Schwalbe G-One 50-686, Faserwerk Kornkreis / DT Swiss 350
Callis 32 Force XPLR 13s6.599 €SRAM Force XPLR 13s, Schwalbe G-One 50-686, Faserwerk Kornkreis / DT Swiss 350, Faserwerk Luftschneider Cockpit
Callis 32 Red PM XPLR 13s8.999 €SRAM Red XPLR 13s, Schwalbe G-One 50-686, Leistungsmesser, Faserwerk Kornkreis / DT Swiss 240, Faserwerk Luftschneider Cockpit
Frameset mit Faserwerk Cockpit & Sattelstütze3.599 €–

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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