Neuer Aero-Renner als KampfansageGiant präsentiert Propel in vierter Generation

Jens Klötzer

 · 06.03.2026

Leichter, schneller, komfortabler, steifer: Mit dem neuen Propel greift Giant wieder nach dem Titel des besten Race-Allrounders
Foto: Giant

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​Das Aero-Rennrad wird schneller, leichter, steifer, komfortabler und ist damit ein erneuter Angriff auf die besten Allround-Rennmaschinen der Welt. Drei Modellreihen mit unterschiedlichen Carbonqualitäten decken verschiedene Preissegmente ab.

​Mit einem neuen Propel greift der größte Fahrradhersteller der Welt wieder nach der Krone des besten Wettkampf-Rennrades. Die vierte Generation des Aero-Renners setzt den Ansatz eines ausgewogenen Race-Allrounders vom Vorgänger fort und verspricht Verbesserungen in allen Belangen: Aerodynamik, Leichtbau, Federkomfort, Steifigkeiten. Sollten sich die postulierten Verbesserungen bewahrheiten, ist das neue Propel wieder ein Anwärter auf die Testkrone und müsste sich vor den etablierten Racern Specialized Tarmac, Canyon Aeroad oder Scott Foil, aber auch vor jüngst neu entwickelten Konkurrenten wie dem Cannondale SuperSix EVO nicht verstecken. Was an den Versprechungen dran ist, wird der erste ausführliche Test in TOUR zeigen. Beim Gewicht kann das Modell schon mal gut vorlegen: Das gerade eingetroffene Top-Modell Advanced SL0 mit SRAM Red AXS-Gruppe haben wir mit atemberaubenden 6,4 Kilogramm gewogen. Zeitgleich mit dem Propel führt Giant unter der Frauen-Marke Liv eine neue Generation des Pendants EnviLiv ein.

Giant Propel Gen. 4: Die wichtigsten Fakten

Herstellerangaben:

  • Gewicht Komplettrad: ab 6,4 Kilogramm
  • Gewicht Rahmen/Gabel: ab 800/360 Gramm
  • Stack/Reach/STR: 565/392 Millimeter/1,44 (Größe M/L)
  • Max. Reifenfreiheit: 32 Millimeter
  • Rahmengrößen: XS, S, M, M/L, L, XL
  • Preise (Komplettrad): 4999 bis 11999 Euro
  • Preis (Rahmen-Set): 2699 bis 3899 Euro

Als 2013 das erste Giant Propel vorgestellt wurde, war es noch ein reines Sprinter-Rennrad: Kompliziertes aerodynamisches Design mit hinter Gabelkopf und Sitzstreben versteckten Felgenbremsen, dafür ziemlich schwer und knüppelhart. Dennoch feierte das schnelle Rad direkt Erfolge: Marcel Kittel gewann auf der ersten Generation die erste Etappe der Tour de France 2014 und holte das gelbe Trikot, John Degenkolb siegte im selben Jahr bei Gent-Wevelgem.

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Die zweite Generation erhielt 2018 Scheibenbremsen, folgte aber weiter dem einseitig spezialisierten Flachetappen-Ansatz. Die bei der Tour de France 2022 präsentierte dritte Generation zeigte indes überraschende Vielseitigkeit: Dylan Groenewegen sprintete auf Etappe drei zum Sieg, Michael Matthews gewann solo auf der hügeligen 14. Etappe. Mit Gewichten unter sieben Kilogramm, konkurrenzfähigem Komfort, aber immer noch sehr guter Aerodynamik wandelte sich das Propel zum Allrounder, der auf allen Profilen gute Performance bietet. Das Leichtbau-Modell TCR verdrängte es damit beinahe komplett aus dem Profisport; zwischenzeitlich zählte das Modell zum elitären Kreis der besten Wettkampf-Rennräder in unserem Testschema.

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Das Giant Propel Advanced SL in dritter Generation bei der Tour De France 2022Foto: Jens KlötzerDas Giant Propel Advanced SL in dritter Generation bei der Tour De France 2022


Aerodynamik und Gesamtwiderstand

Giant kommuniziert eine Reduzierung des Gesamtwiderstands um mehr als 18 Watt, was zunächst sehr viel klingt. Giant bezieht sich dabei aber auf drei Komponenten: Den linearen Luftwiderstand bei 40 Stundenkilometern über Anströmwinkel von minus 20 bis plus 20 Grad, rotierenden Widerstand der Laufräder und Rollwiderstand der neuen Aero-Reifen.

Bei den Windkanal-Tests setzt man auf Versuche im GST-Windkanal in Immenstaad und ein ähnliches Testprotokoll, wie es auch TOUR benutzt. Im Gegensatz zum tretenden Beindummy verwendet Giant bei Windkanal-Tests eine mittretende Vollkörper-Puppe, einer 3D-gedruckten Nachbildung des Ex-Profis Grischa Niermann. In diesem Setup verspricht Giant eine Verbesserung von rund zwölf Watt gegenüber dem Vorgänger.

Versuchsaufbau im GST-Windkanal in ImmenstaadFoto: GiantVersuchsaufbau im GST-Windkanal in Immenstaad

Dabei zahlen nicht nur neue Rohrprofile auf den Performancesprung ein, sondern neue 50 Millimeter hohe Vollcarbon-Laufräder (Cadex Max) mit Aero-Reifen mit Vertiefungen, ähnlich wie sie Conti mit dem Aero111 bietet. Allein der Reifen soll mehr als fünf Watt einsparen.

Neuer Aero-Reifen der Giant-Eigenmarke CadexFoto: GiantNeuer Aero-Reifen der Giant-Eigenmarke Cadex

Einen hohen Anteil am Aero-Ergebnis dürfte zudem die neue Lenkerkombi haben, die nicht nur ein flacheres, windschnittigeres Design hat, sondern bei vergleichbarer Rahmengröße auch zwei Zentimeter schmaler ist und somit auch die Arme und Schultern des Fahrers (beziehungsweise des Vollkörper-Dummys) verringert. Der D-förmige Gabelschaft und die passenden Spacer verstecken Brems- und Schaltzüge, rahmenspezifische Flaschenhalter für Unter- und Sitzrohr reduzieren den aerodynamischen Widerstand.

Gewicht und Steifigkeit

Für die Top-Version Advanced SL verspricht Giant ein Rahmengewicht von 800 Gramm in Größe M ohne Lackierung, 45 Gramm weniger als der Vorgänger. Die Gabel wiegt unverändert 360 Gramm. Das komplette Propel Advanced SL 0 soll satte 355 Gramm weniger wiegen als die Vorgängerversion: Der die Cockpit-Komponenten tragen 77 Gramm zur Gewichtseinsparung bei, die Laufräder 100 Gramm, die Reifen sogar 140 Gramm.

Die Steifigkeiten des Rahmensets sollen dabei sogar minimal verbessert worden sein. Schon der Vorgänger zeigte sich aber in diesen Disziplinen in allen Belangen unkritisch. Spannender Nebenaspekt: Nicht nur bei den Windkanal-Messungen, sondern auch bei Steifigkeitsprüfungen orientiert sich die Weltfirma am Prozedere von TOUR. In den Präsentationsunterlagen ist ein Steifigkeitsprüfstand abgebildet, der das Gesamtsystem aus Rahmen, Gabel und Laufrad misst und dem Prüfstand von TOUR auf verblüffende Weise ähnelt.

Giant-Steifigkeitsprüfstand: Verblüffende Ähnlichkeit mit TOURFoto: GiantGiant-Steifigkeitsprüfstand: Verblüffende Ähnlichkeit mit TOUR

Komfort und Reifenfreiheit

Die vertikale Nachgiebigkeit am Heck steigt laut Hersteller um 25 Prozent durch ein überarbeitetes Sitzrohr, neue Kettenstreben und die integrierte Sattelstütze beim Propel Advanced SL. Die verstellbare Vector-Sattelstütze der günstigeren Modelle bietet ebenfalls mehr Nachgiebigkeit als der Vorgänger. Die Front-Nachgiebigkeit soll um rund 13 Prozent durch die neuen Lenker-Vorbau-Einheiten verbessert worden sein. Die Reifenfreiheit wächst von 28 auf zeitgemäße 32 Millimeter womit sich das Propel nun komfortabler abstimmen lässt.

Modellvarianten und Ausstattung

Giant bietet zwei Carbonqualitäten an: Advanced SL für das Topmodell, Advanced für die günstigeren Varianten. Unterschiede bei den Geometrien werden dabei nicht gemacht, beide fallen sehr sportlich aus.

Das Propel Advanced SL bildet die Spitze des Lineups mit integriertem Sitzdom, integriertem Carbon-Cockpit und den neuen CADEX Max 50 Laufrädern mit CADEX Aero Reifen. Das Advanced SL 0 gibt es wahlweise mit Shimanos Top-Gruppe Dura-Ace oder mit SRAM Red AXS (11999 Euro). Eine Ultegra-Version mit dem hochwertigen Rahmen bleibt, warum auch immer, nur dem australischen Markt vorbehalten. Das Rahmenset kostet 3899 Euro.

Wird leider in Deutschland nicht angeboten: Propel Advanced SL-Rahmen mit Ultegra-SpecWird leider in Deutschland nicht angeboten: Propel Advanced SL-Rahmen mit Ultegra-Spec

Das Propel Advanced Pro verwendet einen etwas schwereren Rahmen, bietet eine verstellbare Aero-Sattelstütze statt des integrierten Sitzdoms und kommt mit Giant Laufrädern mit 50 Millimeter tiefen Carbonfelgen. Auch hier ist der CADEX Aero Reifen serienmäßig montiert. Auch das etwas preiswertere Modell gibt es mit der Top-Gruppe Shimano Dura-Ace, womit man kräftig sparen kann: 7999 Euro sind für ein Bike mit dieser Ausstattung ein Kampfpreis. Außerdem werden Varianten mit SRAM Force oder Ultegra Di2 für jeweils 6499 Euro angeboten.

Giant Propel Advanced Pro mit SRAM Force: 6499 EuroFoto: GiantGiant Propel Advanced Pro mit SRAM Force: 6499 Euro

Den Einstieg bildet das Propel Advanced: Das Propel Advanced 0 für 4799 Euro erhält Shimano Ultegra Di2, das Propel Advanced 1 für 4399 Euro kommt mit Shimano 105 Di2. Mit 2999 Euro ist das Propel Advanced 2 mit mechanischer 105-Schaltung von Shimano die preiswerteste Variante >> hier erhältlich.

Günstigstes Modell mit Elektroschaltung: Giant Propel Advanced mit Shimano 105 Di2 für 4399 EuroFoto: GiantGünstigstes Modell mit Elektroschaltung: Giant Propel Advanced mit Shimano 105 Di2 für 4399 Euro

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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