Aero-Update fürs Aeroad CFRCanyon knackt die 200-Watt-Schallmauer

Jens Klötzer

 · 25.06.2026

Mit dem Aeroad CFR LTD bringt Canyon ein Update, das die 200-Watt-Marke im TOUR-Windkanaltest unterbietet
Foto: Wolfgang Papp
Canyon spendiert dem Aeroad CFR ein Facelift, das vor allem auf den Speed einzahlt: Eine limitierte Ausstattungsvariante schafft es mit neuem Lenker, Einfach-Antrieb und Aero-Reifen in unserem Windkanaltest knapp unter die 200-Watt-Marke. Erste Fahreindrücke, Messwerte und was sonst noch neu ist, gibt’s in unserem Kurztest

Themen in diesem Artikel

Testergebnis

EigenschaftNote
Labor1,8
Ausstattung1,3
Endnote1,7

Die Gesamtbewertung findest du hier

Daten und Fakten zum Canyon Aeroad CFR LTD AXS

Gewicht7.105 kg
SchaltungSRAM Red XPLR AXS
Bremse vorneSRAM Red
LaufradsatzDT-Swiss ARC 1100
Reifen vorneContinental Aero 111 26-622

Pünktlich zur Eurobike-Messe, wo Canyon einer der wenigen Aussteller mit Rennrad-Bezug ist, und kurz vorm Start der Tour de France zeigt Canyon ein Update seines Flaggschiffs Aeroad CFR. Wobei Update vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist, denn beim Rahmen hat sich nichts geändert außer einer neuen Schnittstelle für ein UDH-Schaltauge. Die Schlagzeile liefert eine Ausstattungsvariante mit Zusatz LTD, die auf maximalen Speed getrimmt ist. Sie kommt mit einem neuen, aerodynamischeren Lenker, der früher in der Saison bereits bei Profis in verschiedenen Rennen zu sehen war und ab heute auch bei anderen Ausstattungsvarianten des Aeroad konfiguriert werden kann. Die LTD-Version kommt außerdem mit einem 1x13-Antrieb (SRAM Red AXS), der ohne Umwerfer und mit geschlossenem Aero-Kettenblatt weitere Watt einspart. Schnelle DT Swiss-Laufräder und der Aero-Reifen Aero 111 von Continental in 26 Millimeter Breite kitzeln die letzten Aero-Vorteile aus dem Spec heraus.

Der neue Lenker soll laut Canyon zwei Watt aerodynamische Leistung einsparen. Das Aeroad CFR, das bisher mit 204 Watt in unserem Aero-Ranking steht, kratzt damit an der 200-Watt-Marke, die nur eine Handvoll Räder bisher unterbieten konnten. Rein rechnerisch und aus unserer bisherigen Erfahrung sollte mit dem Einfach-Antrieb (minus zwei Watt) und dem Aero-Reifen (minus 2-3 Watt) der Erfolg drin sein. In unserer WIndkanal-Messung, die wir mit der Variante bereits vor dem offiziellen Launch durchführen konnten, bestätigt sich das Ergebnis: 198 Watt stehen nach unserer Messmethode und unserer Gewichtung nun auf dem Display.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Canyon bewirbt das Rad damit als “schnellstes Rad der Tour de France”, was allerdings mit Vorsicht zu genießen ist: Der Messwert gilt nur für die Konfiguration mit dem SRAM 1x13-Antrieb, Zweifach-Setups dürften weiterhin knapp über der 200-Watt-Marke liegen. Einzig Movistar wäre in der Lage, einen vergleichbaren Aufbau auch zu realisieren, da dort mit SRAM-Schaltungen und Conti-Reifen gefahren wird. Dass das eher konservative spanische Team flächendeckend die Einfach-Option ziehen wird, ist aber eher unwahrscheinlich.

Neues Cockpit mit extremer Position

Das RACE Bar ersetzt bei der LTD-Variante das bisherige PACE Bar System. Die einteilige V-förmige Konstruktion wiegt 120 Gramm weniger als der Vorgänger, ist aber im Unterschied zur Standardversion nicht mehr in der Breite verstellbar, sondern in zwei unterschiedlichen fixen Breiten erhältlich. Außerdem verlagert der Lenker die Griffposition um zehn Millimeter nach vorn und um satte 20 Millimeter nach unten. Unter Realbedingungen verspricht Canyon bis zu 25 Watt Ersparnis durch die verringerte frontale Angriffsfläche. Die Drops sind um 14 Grad ausgestellt. Laut Hersteller ist auch die Verwindungssteifigkeit höher - für bessere Kraftübertragung beim Sprint.

Mit dem neuen Lenker wandelt sich die Sitzpostion auf dem Aeroad von moderat sportlich zu extrem gestreckt. Der Körperschwerpunkt wandert weit nach vorn, viel Gewicht lastet auf dem Vorderrad und auf den Händen. Wer viele Stunden in dieser Position verbringen und die unbestreitbaren Aero-Vorteile genießen möchte, sollte daher gut trainiert sein. In engen Kurven lenkt sich das Aeroad mit der Griffposition, die weit vor der Vorderradnabe liegt, mitunter etwas sperrig. Je mehr Speed aufkommt, desto stabiler liegt die Fuhre auf der Bahn. Bei hohem Tempo fährt das Aeroad wie auf einer Schiene geradeaus. Auch im Wiegetritt und beim Sprint bietet der Lenker Vorteile: Selbst wer sich bei kräftigen Antritten weit nach vorn über den Lenker beugt, läuft kaum Gefahr, im Eifer des Gefechts mit den Knien an den Lenker zu stoßen.

Schnelle LTD-Variante mit Kompromissen

Der neue Rahmen verwendet eine UDH-Schnittstelle (Universal Derailleur Hanger) für das Schaltwerk. Ein Kniff, der den Einsatz der 1x13-Schaltung von SRAM erlaubt, am Aeroad CFR LTD ist eine Red AXS XPLR verbaut. Eigentlich ein Gravel-Getriebe, bietet sie mit dem 50er-Kettenblatt zumindest ausreichend Bandbreite für trainierte Fahrer und hügeliges Terrain. Eine Option fürs Hochgebirge ist die Konfiguration aber definitiv nicht. Was nervt, sind nicht nur die großen Gangsprünge besonders in den kleineren Gängen. Auch am Aeroad mahlt der Antrieb hörbar bei Kettenschräglauf in den beiden kleinsten Gängen. Das Setup, das gerade mal zwei Watt Aero-Vorteil und durch die große Kassette nur einen nicht mal nennenswerten Gewichtsvorteil mitbringt, bleibt eine Wahl für Spezialisten, die genau wissen, worauf sie sich einlassen.

Ohnehin ist das Aeroad in diesem Setup das Gegenteil von langstreckentauglich: Der schmale Vorderreifen und die außerordentlich straffe Abstimmung der Sattelstütze bieten für heutige Verhältnisse wenig Komfort auf schlechten Straßen; viele Race-Allrounder, die nur wenig langsamer sind, fahren sich hier deutlich angenehmer. Sitzposition und die Übersetzung eignen sich ebenso eher für die schnelle Feierabendrunde und vielleicht noch Kriteriumsrennen als für epische Radmarathons. Beim Gesamtgewicht geht das CFR LTD mit 7,1 Kilogramm von der Waage - exakt dem Gewicht einer im letzten Jahr von uns getesteten Variante mit SRAM Red AXS Zweifach-Getriebe.

Neue konfigurierbare Komponenten

​Das RACE Cockpit gibt es in sieben Vorbaulängen und zwei Breiten, zwei Computer-Halterungen aus Carbon gehören zum Lieferumfang. Das Cockpit lässt sich über das MyCanyon-Programm als Upgrade für bestellen, die Kompatibilität umfasst alle Modelle mit CP0048 PACE Bar System, darunter Aeroad CFR/CF SLX, Endurace CFR/CF SLX und Ultimate CFR/CF SLX.

Der klassische PACE Bar Lenker wird derweil zunehmend integraler Bestandteil eines Geometriekonzepts, das sich auch über andere Canyon-Modelle erstreckt. Die Lenkerenden lassen sich nicht nur in der Breite justieren, sondern auch austauschen, wobei drei Optionen zur Wahl stehen. Die sogenannten Race Drops ersetzen die Aero Drops mit weniger Flare und tieferem Unterlenker für Sprints und Abfahrten. Die Compact Drops fokussieren auf ergonomisches Handling, der effektive Reach verkürzt sich hier um 10 Millimeter gegenüber den Classic Drops.

Das MyCanyon-Programm bietet für das Aeroad außerdem nun drei Sattelstützen-Optionen. Neben der Standard-Aero-Sattelstütze mit 10 Millimeter Setback oder ohne Versatz gibt es auch Komfort-Sattelstütze mit Aussparung für zusätzlichen Flex, die aus dem im Frühjahr vorgestellten Endurace bekannt ist.

Bei den Laufrädern kommen Carbon-Modelle von Scope zum Baukasten hinzu. Der Scope Artech 6 Aero-Laufradsatz verwendet 65 Millimeter hohe Felgen mit geschuppter Aeroscales-Oberfläche. Pirelli P-Zero SLR TLR Reifen sind auf dieser Variante vormontiert, das Gewicht beträgt 1244 Gramm. Der Scope Artech 4 als Allrounder nutzt 45 Millimeter Felgenhöhe mit gleicher Oberflächenstruktur. Continental GP5000 TT-Reifen gehören hier zur Ausstattung, der Laufradsatz wiegt 1120 Gramm.

Das Aeroad CF SLX ist ab sofort ebenfalls über das MyCanyon-Programm konfigurierbar. Kurbellänge, Vorbaulänge, Lenker-Drops und Kassetten stehen zur hier Auswahl.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

Meistgelesen in der Rubrik Rennräder