Bequem BallernDas Canyon Endurace CFR im Test

Jens Klötzer

 · 09.05.2026

Mit dem Canyon Endurace CFR schnuppert die Endurance-Plattform Rennluft
Foto: Canyon/Markus Greber
​Das Endurace CFR verwischt die bisher auch bei Canyon klaren Grenzen zwischen Wettkampf- und ­Endurance-Rennrad. Ist es damit jetzt das eine Rad für alles? Und alle? Das klärt unser Test

Themen in diesem Artikel

Testergebnis

EigenschaftNote
Labor2,1
Ausstattung1,2
Endnote1,9

Die Gesamtbewertung findest du hier

Daten und Fakten zum Canyon Endurace CFR

Gewicht7.52 kg
SchaltungShimano Dura Ace Di2
Bremse vorneShimano Dura Ace
LaufradsatzDT-Swiss ARC 1100 Dicut
Reifen vornePirelli P Zero Race RS TLR 700 x 35c

​Es hätte ein Auftritt nach Maß werden können: Schon Wochen vor der offiziellen Präsentation geisterte das neue Canyon-Modell durch die Medien, weil es von den Profis des Alpecin-Deceuninck-Teams bei den Klassikern durch Belgien pilotiert wurde. Spekulationen über ein neues Aeroad, das Superstar Matthieu van der Poel in Vorbereitung auf die Monumente Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix testen würde, machten die Runde. Ein Sieg mit der neuen Maschine wäre für seinen Ausrüster bestes Marketing. Dazu kam es zwar nicht, doch hatte die Aktion ein Ziel erreicht: Über das neue Rad wurde schon vorab viel gesprochen und noch mehr nach der offiziellen Mitteilung, dass es sich nicht um ein neues Aeroad, sondern eine Neuauflage des Komfortrenners Endurace handelte.

​​Klarer Wettkampf-Anspruch

Der Einsatz eines solchen Rades in Profirennen ist eher un­gewöhnlich. Specialized oder Trek haben das als Ausrüster von Profiteams in der Vergangenheit auch schon gemacht, wenn sie ein neues Endurance-Modell, das sich eigentlich eher an das Gros der Hobbyradsportler richtet, publikumswirksam vorstellen wollten. Allerdings waren die Räder für die Radprofis dann so modifiziert, dass sie mit dem erhältlichen Serienmaterial nur noch wenig zu tun hatten. Das ist beim neuen Endurace CFR anders. Das Serienrad, das während der laufenden Klassiker-­Kampagne in unsere Redaktion rollte, zeigt alle Merkmale eines typischen Wettkampf-Boliden: Rahmen im Aero-Design, renntaugliche Sitzposition, hohe Carbonfelgen, sportliche Übersetzung und Powermeter. Genretypische Features wie Gepäckaufnahmen, Schutzblech­ösen oder Werkzeugfächer? Nichts davon. Das neue Endu­race markiert damit die Abkehr vom Anspruch, eine Modellreihe speziell auf die Bedürfnisse von Freizeitsportlern zuzuschneiden. Die sehr aufrechte Sitz­position und betont hoher Fahrkomfort hatten das Rad bislang ausgezeichnet. Ist das neue Endurace also nun als Racebike oder Endurance-Renner einzuordnen?

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Fast like an Aeroad

​Einerseits sprechen die Merkmale für Wettkampf, die Positionierung aber für Endurance. Da inzwischen klar ist, dass sich die sportliche Ausrichtung nur auf das Top-Modell CFR bezieht (günstigere und komfortablere Versionen folgen im Mai), wird auch das Endurace CFR für uns ein Endurance-Rennrad bleiben. Nur eben ein betont sportliches. Im Fall des CFR stellt sich dennoch die Frage, was das Endurace noch vom Aeroad unterscheidet. Optisch sind sich die Räder extrem ähnlich. Der neue Rahmen des Endurace CFR verwendet ein Steuerrohrprofil, das aerodynamisch dem Aeroad entspricht. Auch die Sattelstütze, das Unterrohr, die Gabel und der Hinterbau liegen optisch näher am Wettkampfmodell als am zurückhaltender designten Vorgänger. Canyons Design-Ingenieur Chris Senn erklärt, dass Rahmen und Geometrie des ­Endurace CFR aerodynamisch nahezu identisch mit dem Aeroad sind. Selbst die Aero-Performance soll vergleichbar sein: Im gleichen Set-up soll das Endurace nur ein Watt langsamer als das schnelle Aeroad sein, das sollen interne Windkanaltests ergeben haben.

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Abkehr vom Blattfeder-Konzept

Eine sichtbare Änderung ist die Verjüngung im unteren Teil des Sitzrohres, die zum einen mehr Reifenfreiheit bringt, zum anderen wohl zum Federvermögen des ­Rahmens etwas beitragen soll. In das CFR passen 35 Millimeter breite Reifen in Rahmen und Gabel. Die ­Sattelstütze hat zwar die gleiche Form, ist aber anders aufgebaut: Eine Aussparung an der Vorderseite, die von einer Kunststoffabdeckung verkleidet ist, soll sie besser federn lassen. Außerdem soll der Rahmen des Endurace robuster sein. Letzteres können wir nicht prüfen, aber der Komfort des Rades ist über jeden Zweifel ­erhaben. Das liegt allerdings nur partiell an der aufwendigen Stütze: Mit gemessenen 153 N/mm fällt das Federvermögen zwar etwas besser aus als beim Aeroad. Für seine Klasse ist das aber allenfalls durchschnittlich. Von den Fabelwerten der Blattfederstütze, die im bisherigen Endurace steckte und mit unter 100 N/mm den Komfortrekord hält, ist das weit entfernt.

Mehr Unterschiede in der Bereifung als im Rahmen

Den Rest holen die Reifen ­heraus, Canyon nutzt das Potenzial des ­Rahmens und montiert serienmäßig 35 Millimeter dicke Pirelli-Pneus. Mit angepasstem Luftdruck sind schlechte Straßen beinahe schon eine Wonne, Schlaglöcher und Spurrillen verlieren ihren Schrecken. In schnell gefahrenen Kurven vermitteln die dicken Reifen zusätzlich Stabilität und Sicherheit. Dabei rollen sie für die Breite außerordentlich gut. Ein besseres Aeroad? Müssten wir uns entscheiden, wir würden das Endurace dem Aeroad klar vorziehen. Das Rad ist deutlich komfortabler und vielseitiger, wirkt aber kaum weniger performant. Sicher, fast ein halbes Kilogramm mehr Gesamtgewicht und ein etwas trägerer Antritt lassen sich nicht wegdiskutieren. Davon entfällt allerdings nur ein Bruchteil aufs Rahmen-Set, den größten Anteil haben die Felgen und die breiten Reifen: Rund 400 Gramm wiegt der Laufradsatz mehr gegenüber einem Aeroad CFR. Die 35 Gramm Mehrgewicht der Stütze lassen sich ebenso verschmerzen wie die rund 50 verbleibenden Gramm am Rahmen.

Warten auf den Komfortrenner

Auch anspruchsvolle Rennfahrer dürften deshalb mit dem Endurace CFR glücklich werden – vor allem, wenn sehr lange Tage im Sattel anstehen. Was das Endurace zumindest als CFR nicht ist: Ein gemütliches Rad zum entspannten Cruisen, wofür der Name Endurace bislang stand. Wer darauf aus ist, muss auf die günstigeren Modelle warten, die mit aufrechterer Sitzposition und alltagstauglicheren Übersetzungen aufwarten werden. Sie sollen sogar bis zu 38 Millimeter breite Reifen und Schutzbleche zulassen. Die hochwertigsten Ausstattungen wird es an den komfortableren Varianten CF SL und CF voraussichtlich allerdings nicht geben. Shimanos Dura-Ace und SRAM Red bleiben den CFR-Varianten vorbehalten, beide kosten 9.000 Euro – und damit genauso viel wie ein vergleichbares Aeroad.

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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