Sebastian Lindner
· 12.09.2026
Landa hingegen hatte die komplette Vuelta über wenig mit der Gesamtwertung zu tun. Der 36-Jährige, der nach der Saison seine Karriere in der WorldTour beendet und zurück in die Heimat zu Euskaltel - Euskadi wechselt, war auf der Königsetappe der Rundfahrt von den 187 Kilometern von La Calahorra zum Collado del Alguacil knapp 130 als Ausreißer unterwegs. Allerdings lange Zeit nicht in der Spitzengruppe, sondern bei den Verfolgern, die zwischenzeitlich mehr als fünf Minuten Rückstand auf die Spitze hatte, zu der von Beginn an Johannessen gehörte.
Wie Debruyne schaffte Landa den Sprung nach vorne am vorletzten Anstieg, am Fuße des Alguacil sprengten sie die verbliebene Spitze dann mit einem weiteren Vorstoß, dem nur Johannessen folgen konnte. Letztlich war Landa aber der Stärkste, nahm dem Norweger noch 47 Sekunden ab, dem Belgier 1:27 Minuten.
“Ich habe heute meine letzte Chance genutzt”, sagte der Sieger im Ziel und meinte damit mutmaßlich nicht nur diese Vuelta, sondern unter Umständen noch viel mehr. Es war sein zweiter Etappensieg bei der Spanienrundfahrt insgesamt, elf Jahre nach seinem ersten. Über die gesamte Karriere betrachtet war es sein 17. Sieg als Profi, allesamt eingefahren in Spanien oder Italien.
So spannend der Kampf um den Tagessieg war, war es auch der um das Podium. Mas war unter normalen Umständen nicht mehr aus dem Roten Trikot zu verdrängen. Doch zwischen Roglic und Gall hätte es durchaus nochmal richtig eng werden können. Der Österreicher machte mit einer Attacke am Schlussanstieg auch noch Boden gut, nahm auch Mas ein paar Sekunden ab. Doch für den Sprung auf Rang zwei reichte es nicht mehr. Dafür hätte Gall eher ins Risiko gehen müssen. Er griff aber erst rund drei Kilometer vor dem Gipfel an.
2:15 Minuten Vorsprung stehen vor der Schlussetappe nun für Mas auf Roglic zu Buche, auf Gall sind es 29 mehr. Auch Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) konnte Rang vier verteidigen. Dahinter allerdings machte Sepp Kuss (Team Visma | Lease a Bike) einen riesigen Schritt nach vorn, springt von elf auf fünf. Der US-Amerikaner hatte die frühe Attacke riskiert und gewonnen.
Spannend wurde es zwischenzeitlich auch noch mal im Kampf um das Bergtrikot. Denn Wout van Aert (Team Visma | Lease a Biek) hatte es im Gegensatz zu Santiago Buitrago (Bahrain - Victorious) in die Spitzengruppe geschafft und dort die ersten drei Bergwertungen allesamt für sich entschieden. Es hätte aber noch eine mehr sein müssen, auch im Ziel wären noch Punkte notwendig gewesen, um Buitrago das Bergtrikot abzunehmen. Erreicht der Kolumbianer morgen das Ziel, ist er sicher, denn Punkte werden am letzten Tag nicht vergeben. Das gilt auch für van Aert in Bezug auf das Grüne Trikot.
Im Duell um das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers hat sich Oscar Onley (Netcompany INEOS) erfolgreich seinen Rivalen Jakob Omrzel (Bahrain - Victorious) vom Leib gehalten. Der Brite holte auf der letzten Bergetappe nochmal vier Sekunden raus auf seinen jungen Rivalen und liegt damit nun mit 1:10 Minuten vor dem Slowenen.
Höchstwahrscheinlich wird sich daran am Schlusstag nichts mehr ändern. Es steht zur Debatte, dass die Zeiten für die Gesamtwertung auf der letzten Etappe vor den Finalrunden ähnlich zur Tour de France und dem Rundkurs über den Montmartre genommen werden und es danach nur noch um den Etappensieg geht.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Soudal Quick-Step | 04:58:01 |
| 2 | Uno-X Mobility | +000:00:47 |
| 3 | Alpecin - Premier Tech | +000:01:27 |
| 4 | Bahrain - Victorious | +000:03:00 |
| 5 | Equipo Kern Pharma | +000:04:12 |
| 6 | NSN Cycling Team | +000:04:18 |
Von Beginn an des Tages wurde attackiert. Van Aert und Ivo Oliveira (UAE Team Emirates - XRG) waren zwei der ersten Angreifer, die sich wenige Kilometer nach dem scharfen Start lösten. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Zwölf weitere Profis schlossen auf - gleich sechs davon trugen das Trikot von Uno-X Mobility. Auch Red Bull entsandt zwei Fahrer, unter ihnen in Finn Fisher-Black ein guter Kletterer. Aber auch Sprinter Bryan Coquard (Cofidis) war dabei.
Der Abstand auf das Feld lag in der Anfahrt zum Puerto de Los Blancares (3. Kategorie) aber bei weniger als einer Minute, einer Verfolgergruppe um Buitrago wurde vom Peloton wieder geschnappt, bevor der Anschluss nach vorne gelang. Allerdings spaltete sich kurz darauf eine knapp 30 Mann starke Gruppe vom Feld ab, die sich auf die Verfolgung der Spitze machte.
Während sich das Hauptfeld mit dieser Situation arrangieren konnte und die Lücke aufgehen ließ, hatten die Verfolger, die auf 50 Fahrer angewachsen waren, Mühe, den Sprung an die Spitze zu schaffen. Auch hier betrug der Rückstand nach 70 Kilometern wieder fast drei Minuten, für das Feld waren es noch zwei mehr. Maximal wurden daraus sogar zehn Minuten.
Bei der ersten Überfahrt des Puerto de El Purche (1. Kategorie) sortierte sich die Spitzengruppe dann neu. Elf Fahrer blieben zusammen. Auch die Klassementfavoriten waren fast schon isoliert, hatten aber in den Gruppen davor noch Männer. Bei der zweiten Überfahrt des Anstiegs blieb die Rennsituation weitestgehend konstant, wobei die Favoritengruppe den Abstand auf die Spitze auf siebeneinhalb Minuten reduzierte.
In der Anfahrt zum Puerto de El Duque (1. Kategorie) arbeitete Uno-X weiter für Tobias Johannessen, sodass sich die Reihen der Mannschaften langsam lichteten. Aus der Verfolgergruppe hatte sich mittlerweile Landa nach vorne gearbeitet, aus der Favoritengruppe hatte Kuss die Attacke gesucht.
Nachdem auch Debruyne den Sprung nach vorne geschafft hatte, hielt er sich dort nicht lange auf. Mit Landa und Johannessen löste er sich vom Rest der Gruppe. Bei den Favoriten ließen nach einer Carapaz-Attacke Mas, Roglic und Gall ihre Helfer zurück, um dem Kolumbianer zu folgen. Später unternahm die Gruppe aber regelrecht Stehversuche, sodass einige Fahrer von hinten wieder aufschließen konnten.
Mit einer Minute Vorsprung auf den ersten Verfolger Pau Miquel (Bahrain - Victorious), gut drei Minuten auf eine Gruppe um Kuss und knapp neun auf Mas und Co. ging das Spitzentrio in den Schlussanstieg. Dort ging nach zwei Kilometern Landa ins Solo. Debruyne konnte nichts dagegenhalten, Johannessen blieb mit kleinem Abstand dahinter. Dennoch konnte Landa seine Führung verteidigen.
Als der Spanier kurz vor dem Teufelslappen war und dann auch den Sieg nach Hause vor, griff weiter hinten Gall an. Roglic konnte nicht mitgehen, auch Mas hatte Probleme, konnte den Österreicher nicht halten. Allerdings waren es am Ende doch nur ein paar Sekunden, die er auf den Roten gutmachen konnte. Es stellte sich dann die Frage: Wann kommt Roglic? Doch auch der Slowene rettete etwas seines Polsters ins Ziel.
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