Die Tour de France Femmes 2026 ist die bislang anspruchsvollste Ausgabe der modernen Rundfahrt. Ihre Geschichte reicht jedoch deutlich weiter zurück.
Die Tour de France Femmes 2026 führt über neun Etappen von Lausanne nach Nizza. Mit 1.175 Kilometern, 18.795 Höhenmetern und der ersten Bergankunft am Mont Ventoux ist sie die bislang anspruchsvollste Ausgabe der modernen Rundfahrt. Gleichzeitig steht sie für eine Entwicklung, die deutlich weiter zurückreicht als bis zur ersten Tour der modernen Zeit, im Jahr 2022.
Eine erste französische Rundfahrt für Frauen wurde bereits 1955 ausgetragen. Unter dem Namen Tour de France féminin blieb sie jedoch eine einmalige Veranstaltung und entwickelte sich nicht zu einem dauerhaft etablierten Rennen.
So richtig los, ging es dann 1984. Damals organisierte die Société du Tour de France, die später Teil des heutigen Veranstalters A.S.O. wurde, eine offizielle Rundfahrt, unter selbigem Namen wie 1955. Das Rennen fand von 1984 bis 1989 statt und war an die Männer-Tour angelehnt. Es besaß jedoch weniger Etappen und deutlich geringere mediale sowie wirtschaftliche Ressourcen.
Die erste Siegerin war 1984 die US-Amerikanerin Marianne Martin. In den folgenden Jahren prägten unter anderem Maria Canins und Jeannie Longo das Rennen. Longo gewann die letzte Ausgabe im Jahr 1989 und wurde zu einer der großen Figuren des europäischen Frauenradsports.
Die Frauen-Tour der 1980er-Jahre war sportlich bedeutend, blieb organisatorisch aber stark von der Männer-Tour abhängig. Das Rennen wurde parallel und auf den Strecken der Männer ausgetragen und verfügte nicht über dieselbe wirtschaftliche Grundlage. 1989 wurde die Veranstaltung eingestellt, unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen. Damit verschwand eine eigenständige Frankreich-Rundfahrt für Frauen für mehr als drei Jahrzehnte.
Das bedeutete jedoch nicht, dass der Frauenradsport in Frankreich zum Stillstand kam. Es gab weiterhin nationale und internationale Rundfahrten, große Eintagesrennen und verschiedene Versuche, eine neue Frauen-Tour aufzubauen. Eine dauerhafte Rundfahrt mit dem Namen und der Reichweite der Tour de France entstand aber erst wieder 2022.
Die moderne Tour de France Femmes wurde 2022 neu eingeführt. Sie sollte dem Frauenradsport eine große, international sichtbare Rundfahrt geben und zugleich an die historische Rundfahrt von 1984-1989 anknüpfen. Anders als die Veranstaltung der 1980er-Jahre ist die neue Tour nicht bloß ein kleineres Begleitrennen der Männer-Tour, sondern ein eigenständiges Rennen mit eigener Dramaturgie und wachsender sportlicher Bedeutung.
Die Entwicklung verlief schnell. Die Strecke wurde von Jahr zu Jahr anspruchsvoller, die Etappenzahl stieg, und die Rundfahrt nahm zunehmend ikonische Anstiege auf. Nach Bergankünften unter anderem am Tourmalet, in Alpe d’Huez und am Col de la Madeleine folgt in diesem Jahr der Mont Ventoux.
Die Frankreich-Rundfahrt der Frauen hat längst ihre eigene sportliche Identität entwickelt. Kürzere, oft taktisch anspruchsvollere Etappen, hohe Renngeschwindigkeiten und ein stetig wachsendes Leistungsniveau prägen das Rennen.
Die Ausgabe 2026 steht dabei für die erfolgreiche Entwicklung des Frauenradsports. Zwar begann die moderne Tour de France Femmes erst 2022, ihre Wurzeln reichen jedoch bis zur ersten Frauen-Tour von 1955 und der aus den Jahren 1984 bis 1989 zurück. Mit größerer medialer Aufmerksamkeit, zunehmender Professionalisierung und prestigeträchtigen Anstiegen wie dem Mont Ventoux schreibt die Rundfahrt heute ihre eigene Erfolgsgeschichte. Es bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter die Rundfahrt im kommenden Jahr um mindestens eine Etappe erweitern, damit die Entwicklung weiter voranschreiten kann.

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