Die Tour de France Femmes geht in die entscheidende Phase. Damit rücken auch die Schlüsseletappen näher. Hier wird die Frankreich-Rundfahrt 2026 entschieden.
Die ersten Tage einer großen Rundfahrt legen oft nur den Grundstein für den Kampf um das Gelbe Trikot. Die wirklichen Entscheidungen fallen meist dann, wenn die Fahrerinnen gegen die Uhr antreten, die höchsten Berge erklimmen oder auf besonders anspruchsvollen Strecken an ihre Grenzen gehen müssen. Genau an diesem Punkt angekommen, geht die Tour de France Femmes nun in ihre heiße Phase. Die kommenden Tage werden zeigen, wer das Zeug zur Gesamtsiegerin hat und wer sich von den Titelträumen verabschieden muss.
Zwar richtet sich der Blick vieler Fans bereits auf die spektakuläre Bergankunft am Mont Ventoux, doch die Rundfahrt wird nicht allein an den Hängen des berühmten Gipfels entschieden. Mit dem Einzelzeitfahren, der Königsetappe zum Ventoux und dem schwierigen Finale rund um Nizza stehen gleich drei Etappen auf dem Programm, die das Gesamtklassement entscheidend prägen können. Hier können die Favoritinnen wertvolle Zeit gewinnen, aber auch alles verlieren. Wer am Ende um den Gesamtsieg mitfahren möchte, wird deshalb auf mindestens einer dieser drei Etappen den Unterschied machen müssen.
Die vierte Etappe der Tour de France Femmes verspricht bereits früh im Rennen große Zeitabstände und könnte erste wichtige Akzente im Kampf um das Gelbe Trikot setzen. Das 21 Kilometer lange Einzelzeitfahren in der Côte d’Or fordert die Fahrerinnen auf einem anspruchsvollen Kurs, der keineswegs nur den reinen Spezialistinnen entgegenkommt. Im Mittelteil warten mit dem Anstieg nach Marsannay-la-Côte (1,8 km bei 6,9 Prozent) und einer weiteren Steigung nach Corcelles-les-Monts zwei entscheidende Kletterpassagen, die Kraft und Renneinteilung verlangen. Anschließend führt ein überwiegend abfallender und welliger Streckenabschnitt nach Dijon, wo hohe Geschwindigkeiten und Überwindung den Unterschied machen können. Gerade auf diesem Terrain dürften die Favoritinnen auf die Gesamtwertung erstmals ihre Karten offenlegen.
Die wohl größte Herausforderung der Tour de France wartet auf der siebten Etappe mit der legendären Bergankunft am Mont Ventoux. Nach der Überquerung des Rhône-Tals und den Anstiegen zum Col de la Grande Limite sowie zum Col du Colombier steuert das Peloton auf den „Giganten der Provence“ zu. Der Schlussanstieg von Bédoin hinauf zum Gipfel misst 15,7 Kilometer bei durchschnittlich 8,8 Prozent Steigung und zählt zu den anspruchsvollsten Anstiegen im internationalen Radsport. Die langen, gleichmäßig steilen Rampen bieten den besten Kletterinnen ideale Voraussetzungen, um die Konkurrenz unter Druck zu setzen und größere Zeitabstände herauszufahren. Der Wind darf hier nicht unterschätzt werden! Sobald die Baumgrenze passiert ist, gibt es kaum noch Schutz sich vor diesem zu verstecken. Als höchster und symbolträchtigster Punkt der diesjährigen Tour dürfte der Mont Ventoux eine Schlüsselrolle für die Gesamtwertung spielen.
Die Schlussetappe rund um Nizza verspricht jedoch Spannung bis zum letzten Kilometer. Statt einer Ehrenrunde auf der letzten Etappe der Tour de France erwartet die Fahrerinnen ein äußerst anspruchsvolles Finale mit vier Überquerungen des Col d’Èze. Wer am Mont Ventoux bereits den Rundfahrtsieg feiert, könnte ein böses Erwachen erleben. Schon die wiederholten Anstiege machen die letzte Etappe selektiv, doch auf der letzten Runde erhöht ein zusätzlicher Abschnitt über den Chemin du Vinaigrier und den Col des Quatre Chemins den Schwierigkeitsgrad nochmals deutlich. Insgesamt sind dabei sechs Kilometer mit durchschnittlich 7,6 Prozent Steigung zu bewältigen, darunter ein mehr als einen Kilometer langer Abschnitt mit bis zu 12 Prozent. Damit könnte die Entscheidung um den Toursieg erst auf den letzten Kilometern in Richtung der Promenade des Anglais fallen.
Drei Etappen, drei völlig unterschiedliche Herausforderungen und ein gemeinsames Ziel: das Gelbe Trikot. Das Zeitfahren in Dijon, die Bergankunft am Mont Ventoux und das anspruchsvolle Finale rund um Nizza werden die Gesamtwertung entscheiden. Wer die Tour de France Femmes 2026 gewinnen will, muss spätestens jetzt liefern.

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