Sebastian Lindner
· 09.08.2026
Am Schlusstag der Rundfahrt stellte Vollering noch einmal unter Beweis, dass sie die verdiente Siegerin ist. Auf den 99 Kilometern rund um Nizza mit vier Runden über den Col d’Eze ging sie nochmal in die Offensive, obwohl sie ihr Trikot auch einfach nur hätte verteidigen können. Nachdem Kasia Niewiadoma (CANYON//SRAM) die spätere Siegerin am letzten Anstieg nicht abschütteln konnte, attackierte Vollering selbst und fuhr mit 1:04 Minuten Vorsprung zu ihrem dritten Etappensieg bei neun Etappen.
”Als ich mich der Ziellinie näherte, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Mir wurde bewusst, dass ich noch nie zuvor im Gelben Trikot gewonnen hatte”, sagte Vollering nach ihrem Sieg. “Ich dachte daran, wie viel Arbeit in diesem Sieg steckt. Ich dachte an die Menschen, die hinter mir stehen und sich so engagieren. Ich hatte nie Zweifel an meinem Niveau – nicht einmal nach dem Mont Ventoux. An diesem Tag bin ich ein bisschen zu viel Risiko eingegangen, aber so ist der Sport”, erklärte die Doublesiegerin aus Giro und Tour. “Ich habe immer noch viele Träume, auf dem Rad und auch abseits davon.“
In der Verfolgergruppe gewann Paula Blasi (UAE Team L’IMAD) den Sprint vor Niewiadoma, die die Gesamtwertung schließlich mit 1:18 Minuten Rückstand als Zweite beendete. Dritte wurde Elisa Longo Borghini (UAE Team L’IMAD). Die Italienische Meisterin profitierte dabei auch von einem Sturz von Marlen Reusser (Movistar Team), die dadurch noch vom Podium aus den Top 10 fiel. Allerdings war die Schweizerin bereits vor dem Sturz nicht mehr Teil der Spitzengruppe und schon bei der zweiten Überfahrt des Col d’Eze und vor ihrem Sturz distanziert.
So kletterte auch Antonia Niedermaier (CANYON//SRAM) bei ihrer Tour-Premiere noch einen weiteren Platz nach oben auf Rang vier. Auch am Schlusstag hielt sich die 23-Jährige aus Rosenheim schadlos, kam mit den ersten Verfolgern ins Ziel und beendet die Rundfahrt mit 5:10 Minuten Rückstand auf Vollering zusätzlich im Weißen Trikot der besten Nachwuchsfaherin. Damit sicherte sich Niedermaier als erste Deutsche bei der Tour de France Femmes ein Wertungstrikot.
Lorena Wiebes (SD Worx - Protime) gewann die Punktewertung, Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech) die Bergwertung. Bestes Team wurde nach neun Etappen UAE L’IMAD mit deutlichen 48 Minuten Vorsprung auf Lidl - Trek.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | FDJ United - SUEZ | 02:44:43 |
| 2 | UAE Team L'IMAD | +000:01:04 |
| 3 | CANYON//SRAM | +000:01:04 |
| 4 | Lidl - Trek | +000:01:04 |
| 5 | CANYON//SRAM | +000:01:06 |
| 6 | Lidl - Trek | +000:01:08 |
Von Beginn an war Dampf in der Etappe. Kein Abwarten, sondern ein Ausscheidungsfahren direkt ab der ersten Runde erwartete das Frauen-Peloton auf der Schlussetappe. Schon bei der zweiten Überquerung des Col d’Eze war die Kopfgruppe - echte Attacken gab es nicht - bereits auf 13 Frauen geschrumpft. Es war Zoe Bäckstedt (CANYON//SRAM), die mit ihrem Tempo das Feld extrem aussiebte. Und selbst Reusser musste zwei Kilometer vor dem Gipfel reißen lassen und ging mit 50 Sekunden Rückstand in die Abfahrt.
Gebremst wurde Reussers Aufholjagd zusätzlich durch einen Sturz in der Abfahrt. Sie konnte das Rennen fortsetzen, doch das Podium war endgültig dahin.
Auf der dritten Runde blieb das Tempo eher verhalten. Dann war es Isabella Holmgren (Lidl - Trek), die es im Anstieg mit einem Angriff versuchte. Bis zum höchsten Punkt der Runde fuhr sich die Kanadierin eine Minute an Vorsprung heraus. Mit der Hälfte davon ging sie auf die letzte Runde. Vier Kilometer vor dem Gipfel wurde Holmgren gestellt - in dem Moment attackierte Niewiadoma.
Vollering ging sofort ans Hinterrad der Polin, schien keine Probleme zu haben, ihr zu folgen. Das Duo löste sich von einer fünfköpfigen Verfolgergruppe um Niedermaier, Longo-Borghini, Blasi, Holmgren und Niamh Fisher-Black (Lidl - Trek). Die Gruppe hielt sich aber in Schlagdistanz.
Während Niewiadoma ihre Konkurrentin nicht abschütteln könnte, ging Vollering 600 Meter vor dem Gipfel selbst in die Offensive und fuhr sich bis nach oben 20 Sekunden Vorsprung heraus. In der Abfahrt wuchs der Abstand, zudem fuhr die Verfolgergruppe zu Niewiadoma.
Vollering ließ bergab nichts mehr anbrennen, hatte auf den letzten 500 Metern ausreichend Zeit zum Jubeln. Dahinter gewann Blasi den Sprint der Verfolgerinnen vor Niewiadoma.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.