Sebastian Lindner
· 08.08.2026
Vollering attackierte auf dem 172 Kilometer langen Weg von Sisteron nach Nizza am letzten Stich des Tages acht Kilometer vor dem Ziel. Erst auf den allerletzten der 450 Meter mit 13 Prozent Steigung platzte Niewiadoma, die danach froh sein konnte, in Elisa Longo Borghini (UAE Team L’IMAD) an dieser Stelle noch eine Begleiterin zu haben. Denn es war die Italienische Meisterin, die die Frau in Gelb über die Abfahrt und die letzten flachen Kilometer ins Ziel zog und den Schaden so noch in Grenzen hielt. 17 Sekunden hinter Vollering erreichten Longo Borghini und Niewiadoma als Zweite und Dritte das Ziel.
Inklusive Bonifikationen führt Vollering die Tour nun mit acht Sekunden vor der Polin an. Der Vorsprung auf Marlen Reusser (Movistar Team) beträgt jetzt 1:12 Minuten. Die Schweizerin kam mit 38 Sekunden Rückstand in der ersten großen Verfolgergruppe ins Ziel. In der saß auch Antonia Niedermaier (CANYON//SRAM), die damit Rang fünf in der Gesamtwertung und das Weiße Trikot verteidigte.
“Bei einem Etappenrennen lebt man von Tag zu Tag. Man kann also heute Abend enttäuscht sein, aber am nächsten Morgen muss man eine neue Maske aufsetzen und wieder von vorne anfangen”, sagte Siegerin Vollering nach ihrem zweiten Etappensieg dieser Tour und dem Sprung ins Gelbe Trikot. “Ich denke, das ist der Beweis dafür, dass es keine Rolle spielt, was nötig ist und wie viel Schmerz es bereitet, wenn man wirklich an etwas glaubt und große Träume hat.”
Ein Traum, oder viel mehr eine Erscheinung, eine Eingebung, war es auch, die Vollering mit gutem Gefühl in den entscheidenden Anstieg gehen ließ. “Ich weiß nicht mehr genau, wann es war – vielleicht war es im Januar, als ich hier ein Recon gemacht habe –, aber ich sah mich selbst, wie ich hier das Gelbe Trikot übernahm. Das ergab für mich aber keinen Sinn, also habe ich es wieder vergessen. Heute Morgen kam dieses Déjà-vu zurück, und ich dachte mir: ‚Vielleicht stimmt es ja, vielleicht ist es wirklich so, wie es sein soll.‘”
Allerdings war der 29-Jährigen auch bewusst, dass die Tour noch nicht vorbei ist: “Morgen wird es natürlich superhart werden. Das habe ich schon seit Beginn der Tour gesagt: Am letzten Tag kann immer noch alles passieren, aber zumindest starte ich morgen im Gelben Trikot. Und das ist schon ein Traum, der wahr wird.”
Während Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech) problemlos ihr Bergtrikot verteidigte, konnte auch Lorena Wiebes (SD Worx - Protime) in Grün bleiben. Den möglichen Etappensieg, über den spekuliert wurde, musste sie allerdings an der letzten Bergwertung ad acta legen. Vor allem die enge Situation im Gesamtklassement trug dazu bei, dass die letzten Anstiege mit enormem Tempo gefahren wurden - deutlich zu viel für eine Sprinterin.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | FDJ United - SUEZ | 04:02:39 |
| 2 | UAE Team L'IMAD | +000:00:17 |
| 3 | CANYON//SRAM | +000:00:17 |
| 4 | AG Insurance - Soudal Team | +000:00:38 |
| 5 | Team SD Worx - Protime | +000:00:38 |
Ohne Pauline Ferrand-Prévot (Team Visma | Lease a Bike) startete die 8. Etappe. Nach einigen Attacken zu Beginn des Tages waren es dann Maeva Squiban (UAE Team L’IMAD) und Loes Adegeest (Lidl - Trek), die sich vom Feld lösen konnten Über die erste, immer leicht ansteigende Hälfte der Etappe fuhr sich das Duo mehr als sechs Minuten Vorsprung heraus.
35 Kilometer vor dem Ziel waren davon vier Minuten geblieben, bei noch 18 zu fahrenden Kilometern, als es in die Côte de Colomars (4. Kategorie) ging, waren es noch anderthalb Minuten. Zoe Bäckstedt führte das Feld für Niewiadoma, die an zweiter Position fuhr, über den Anstieg, Attacken blieben aus. Vorne stürzte Squiban in der Abfahrt.
Zehn Kilometer vor dem Ziel wartete dann die Côte de la Ginestière (4. Kategorie). Dieses Mal führte FDJ das Feld an. Adegeest wurde gestellt, Wiebes verlor den Anschluss. Attacken gab es aber keine, 14 Fahrerinnen gingen gemeinsam in den letzten Stich, den Camin de l’Arieta - 450 Meter lang, im Mittel 13 Prozent steil. Und dort ging Vollering. Longo Borghini blieb dran, auch Niewiadoma. Doch kurz vor der Kuppe konnte sich Vollering dann doch absetzen, Niewiadoma hatte überzogen und explodierte. 20 Sekunden Differenz wurden angegeben.
Es war die Italienerin, die die Nachführarbeit machte. Niewiadoma schaffte es nicht ein einziges Mal vorbei in den Wind. Derweil zog Vollering bis zur Linie durch, jubelte erst nach dem Strich und holte somit 17 Sekunden heraus und übernahm damit das Gelbe Trikot.
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