Die achte Etappe gibt den GC-Fahrerinnen die Gelegenheit durchzuschnaufen. Es geht von Sisteron nach Nizza, 171,9 Kilometer. Aber die topographischen Herausforderungen sind gering. Der Col de Toutes Aures (6,4 km, 3,1%) nach 76 Kilometern ist die höchste Erhebung, von dort geht es knapp 100 Kilometer fallend Richtung Meer. Frühe Ausreißerinnen können auf dem langen Weg an die Küste leicht wieder aufgerollt werden. Der schnellste Schnitt in der Marschtabelle: 46 km/h. Das sagt eigentlich alles.
Zwei im Streckenprofil kaum sichtbare Anstiege kurz vor dem Ziel laden aber dazu ein, zu attackieren und reine Sprinterinnen abzuschütteln. Die Côte de la Ginestière zehn Kilometer vor dem Ziel ist nur 152 Meter hoch, kurzzeitig mit 13% aber steil genug, um das Feld zu zerreißen.
Es läuft daher mutmaßlich auf ein Duell zwischen Sprinterinnen und späten Ausreißerinnen hinaus.
Wir simulieren eine Attacke an der letzten kleinen Steigung. Mit welchem Bike könnte sich eine Ausreißerin am besten absetzen?
Ihr ahnt es, weil das Bike bislang in allen Szenarios vorne lag: das Cervélo S5 legt die schnellste Fahrzeit hin. Aerodynamik ist in der flachen Zielanfahrt nach dem Hügel am wichtigsten.
Der Vorsprung gegenüber einem Leichtbike beträgt 25 Sekunden.
Wahrscheinlicher als eine Flucht erscheint uns allerdings ein Sprintfinale. Lorena Wiebes ist die Top-Favoritin. Wenn Sie von ihrem Team vorne in die letzte Klippe gefahren wird, muss sie nur zwei Minuten Vollgas fahren, um dranzubleiben. Das ist etwas, was die Top-Sprinterin schaffen kann.
Das (fast) vollständige Feld im Überblick*:
Basierend auf den eigenen Windkanaltests stellen wir Simulationsberechnungen für das Tour de France Tech-Briefing an. So testet TOUR: Aero-Rennrad-Test im Windkanal.
Wir gehen dabei der Frage nach, welche Räder in welcher Situation einen technischen Vorteil bieten können. Variablen, die wir in der Simulation beeinflussen können, sind Radgewicht, Fahrergewicht, Trägheit der Laufräder, Luftwiderstandsbeiwert, Rollwiderstandsbeiwert und die Effizienz des Antriebsstrangs.
Für die Modellierung der Fahrzeiten setzen wir realistische Leistungen und Gewichte für die Fahrer an, kombinieren sie mit unseren Windkanaldaten und lassen die Fahrer virtuell über ausgesuchte Streckenabschnitte rasen, die wir aus den offiziellen Streckendaten extrahieren; zentral sind dazu die abgeleiteten Höhenprofile. Zur Modellierung gehören auch Kurven, die wir realistisch anbremsen können und einstellbare Powerprofile für verschiedene Fahrertypen. So unterscheiden wir zwischen Antritten am Berg und richtigen Endspurts. In der Summe macht dies die Simulierung realitätsnah. Was wir nicht abbilden können, sind fahrdynamische Effekte wie das individuelle Verhalten der Räder auf verschiedenen Untergründen.
Die ermittelten Fahrzeiten für die rennentscheidenden Streckenabschnitte machen den Einfluss der Räder sichtbar – unter der Voraussetzung, dass die Fahrer sich in einem Szenario immer gleich verhalten.

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