Sebastian Lindner
· 05.08.2026
Eine actionreiche Mittelgebirgsetappe über 140 Kilometer und acht Bergwertungen mit Ziel in Belleville-en-Beaujolais hat das Gesamtklassement mehr auf den Kopf gestellt, als es vielleicht zu erwarten gewesen war. Mit dem Trio Vollering, Reusser und Niewiadoma scheinen sich die stärksten Frauen der Rundfahrt herauskristallisiert zu haben, während andere, vor der Tour hoch eingeschätzte Frauen deutliche Zeitverluste einstecken mussten. Ferrand-Prévot kassierte wie Anna van der Breggen (SD Worx - Protime) erneut zweieinhalb Minuten Rückstand, konnte immer dann, wenn es bergauf ging, nicht mit den Besten mithalten.
Eine starke Performance zeigte derweil Niedermaier. Sie war lange in der Spitzengruppe des Tages und musste das Führungstrio erst auf den letzten Metern des Schlussanstieges ziehen lassen. Zeitgleich mit Dominika Włodarczyk (UAE Team L'IMAD) erreichte sie das Ziel 45 Sekunden hinter Vollering und sprang damit in der Gesamtwertung auf Rang vier, liegt jetzt 2:40 Minuten hinter Reusser. Dritte ist ihre Kapitänin Niewiadoma, 1:17 Minuten hinter Gelb. Vollering als Zweiter fehlen nur zwölf Sekunden.
“Ich wusste, dass Kasia früh losfahren würde. Das macht sie immer so. Und ich wusste, dass Marlen zocken würde”, sagte Tagessiegerin Vollering mit Bezug auf den finalen Sprint. “Ich habe ihr Spiel gespielt, um sie zum Arbeiten zu zwingen. Aber das hat sie nicht gemacht. Dann dachte ich mir, wenn ich nichts mache, dann gewinnt Kasia. Deswegen habe ich es einfach versucht. Ich habe alles gegeben. Es war ein richtig langer Sprint. Ich brauchte aber auch jeden einzelnen Meter dieser Zielgerade.”
Während sich Vollering über den Tagessieg, ihren vierten bei einer Tour de France Femmes, freute, sah Reusser eher das große Ganze und stellte die Verteidigung von Gelb in den Vordergrund. “Auf dem Papier hat mir dieser Tag vielleicht nicht am besten gelegen. Also bin ich echt froh, wie es gelaufen ist. Ich bin nicht allzu glücklich mit meinem Finale, aber wir sind alle zeitgleich. Meine Form ist nicht allzu schlecht. Ich bin gespannt, was jetzt noch kommt.“
Neben van der Breggen und Ferrand-Prévot mussten auch Elisa Longo Borghini und Paula Blasi (beide UAE Team L’IMAD) reichlich Zeit nehmen. Blasi musste dadurch die Führung in der Nachwuchswertung an Niedermaier abgeben und auch Isabella Holmgren (Lidl - Trek) vorbeiziehen lassen. Die 20-jährige Kanadierin kam zeitgleich mit Niedermaier ins Ziel und liegt insgesamt nur 25 Sekunden hinter der Bayerin.
In den anderen Sonderwertungen geht es derweil klarer zu. Lorena Wiebes (SD Worx - Protime) konnte mit 20 Punkten am Zwischensprint ihren Vorsprung im Kampf um Grün ausbauen. Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech) sammelte derweil fast alle Bergpunkte des Tages ein und hat sich ebenfalls einen beruhigenden Vorsprung in der entsprechenden Wertung aufgebaut.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | FDJ United - SUEZ | 03:53:54 |
| 2 | Movistar Team | +00:00:00 |
| 3 | CANYON//SRAM | +00:00:00 |
| 4 | UAE Team L'IMAD | +000:00:45 |
| 5 | Lidl - Trek | +000:00:45 |
| 6 | CANYON//SRAM | +000:00:45 |
Ohne Attacken nahm das Feld der Frauen die Côte de Cerves (2. Kategorie) gleich nach dem Start in Angriff. Oben angekommen sicherte sich Pieterse fünf Bergpunkte. Erst danach begann das Rennen wirklich. Vereinzelte Attacken, vor allem von Lidl - Trek durch Niamh Fisher-Black oder Amanda Spratt, aber auch mit Carlotta Cipressi (Human Powered Health) oder die frühere Bergkönigin der Tour, Justine Ghekire (AG Insurance - Soudal Team), liefen aber allesamt ins Leere.
Auch die nächsten drei Bergwertungen gingen an Pieterse, 80 Kilometer vor dem Ziel war alles beisammen. In der Abfahrt vom Col de Fontmartin (3. Kategorie) löste sich dann eine 20-köpfige Gruppe. Neben Pieterse waren in Niedermaier, Liane Lippert (Movistar Team) und Franziska Koch (FDJ United - SUEZ) auch drei Deutsche dabei. Dazu kamen Noemi Rüegg und Weltmeisterin Magdeleine Vallieres (beide EF Education-Oatly) oder Maeva Squiban (UAE Team L’IMAD).
Über den Col de Gerbet (2. Kategorie), den erneut Pieterse als erste überquerte, wuchs der Abstand auf 1:45 Minuten an. Im folgenden, 30 Kilometer langen, flacheren Abschnitt blieb die Lücke weitestgehend konstant. Erst im Anstieg zum Col de Durbize (3. Kategorie) 33 Kilometer vor dem Ziel begann machte das Feld wieder Boden gut.
Bei den zweistelligen Steigungsprozenten im zweiten Teil dieses Anstieges fielen sowohl das Hauptfeld als auch die Gruppe auseinander. Van der Breggen konnte nicht folgen, auch Ferrand-Prévot musste nach einer Vollering-Attacke passen. Die Spitze schrumpfte derweil auf sechs Frauen zusammen. Während sich Koch und Lippert für ihre Kapitäninnen zurückfallen ließen, blieb Niedermaier vorn. 22 Kilometer vor dem Ziel kam die Gruppe um Reusser und Vollering allerdings nach vorn.
Während die Gruppe um Ferrand-Prévot und van der Breggen zu diesem Zeitpunkt mehr als eine Minute Rückstand hatte, hingen auch Blasi und Longo Borghini mit Kim Le Court (AG Insurance - Soudal Team) mehr als eine halbe Minute zurück.
Am Bonussprint 14 Kilometer vor dem Ziel sicherte sich Reusser zwei Sekunden mehr als Vollering, dann ging es in den letzten Berg des Tages. Am Mont Brouilly (2. Kategorie) machte Vollering Tempo und verkleinerte die Gruppe auf Acht. 500 Meter vor dem Gipfel verschärfte die Europameisterin das Tempo nochmal. Nur Niewiadoma konnte problemlos folgen, Reusser musste kämpfen, blieb aber auch dran. Niedermaier und das Lidl-Duo Fisher-Black und Isabella Holmgren verloren ein paar Sekunden.
Wie auch im Anstieg schenkte sich das Spitzentrio in der schmalen und rasanten Abfahrt nichts. Und auch nicht im Zielsprint. Während sich Reusser und Vollering bei der Einfahrt auf die Zielgerade anschauten, ging Niewiadoma in einen langen Sprint. Die Polin, die in einem normalen Sprint nichts gegen die anderen beiden ausrichten kann, riss das Loch, musste kurz vor dem Ziel aber doch beide wieder passieren lassen.
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