Die Tour de France 2026 steht vor der Tür und verspricht auch in diesem Jahr wieder Hochspannung. Vom 4. bis zum 26. Juli führt die Strecke die Fahrer vom Start in Barcelona bis in die französische Hauptstadt, nach Paris. Im Mittelpunkt steht einmal mehr die Frage, wer die größte Rundfahrt der Welt gewinnen kann und ob es überhaupt jemanden gibt, der den Dominator der vergangenen Jahre schlagen kann. Hier sind die Favoriten auf den Gesamtsieg der Frankreich-Rundfahrt.
***** Tadej Pogačar
**** Jonas Vingegaard
*** Paul Seixas, Florian Lipowitz
** Juan Ayuso, Tobias Halland Johannessen
* Yara Kastelijn, Juliette Berthet, Cédrine Kerbaol
* Je mehr Sterne ein Fahrer erhält, desto höher sind seine Chancen einzuschätzen
Hinweis: Bei Veröffentlichung dieses Artikels steht die endgültige Startliste noch nicht zu 100 Prozent fest. Es kann sein, dass hier erwähnte Fahrer nicht starten
Im Fokus steht dabei ganz klar Tadej Pogačar. Der Slowene hat die Tour de France bereits mehrfach gewonnen, zuletzt 2024 und 2025, und präsentiert sich seit geraumer Zeit in einer Form, die ihn scheinbar unbezwingbar macht. Wenn Pogačar aktuell bei einer Grand Tour startet, ist der Sieg fast schon die logische Konsequenz. Er kombiniert eine außergewöhnliche Explosivität in den Bergen mit taktischer Übersicht und einer bemerkenswerten Stabilität über drei Wochen. Selbst kleine Schwächen wirken bei ihm nie entscheidend, weil er sie schneller als jeder andere kompensieren kann. Damit geht er erneut als klarer Favorit ins Rennen.
Der größte Herausforderer bleibt Jonas Vingegaard. Der Däne gewann die Tour de France 2022 und 2023 und war lange Zeit der einzige Fahrer, der Pogačar ernsthaft gefährden konnte. In den vergangenen beiden Ausgaben hatte er jedoch das Nachsehen, da der Abstand zwischen den beiden deutlich geworden ist. Für dieses Jahr hat Vingegaard allerdings seine Herangehensweise angepasst und bereits den Giro d’Italia gewonnen. Mit diesem Erfolg im Rücken und einer gezielten Vorbereitung auf den Höhepunkt im Juli will er noch einmal angreifen. Ob dieser neue Ansatz ausreicht, um Pogačar zu schlagen, bleibt fraglich. Wahrscheinlich wird auch Vingegaard auf einen perfekten Rennverlauf angewiesen sein, um die entscheidenden Sekunden gutzumachen.
Für frischen Wind sorgt Paul Seixas, der als großes Talent des internationalen Radsports gilt. Der erst 19-jährige Franzose steht bei seiner ersten Tour de France besonders im Fokus, da er als Hoffnungsträger seines Landes gesehen wird. Seine bisherigen Leistungen deuten auf enormes Potenzial hin, und auch mit dem Druck scheint er bislang gut umgehen zu können. Dennoch ist die Tour eine ganz eigene Herausforderung. Drei Wochen im permanenten Rampenlicht, gepaart mit körperlicher und mentaler Belastung, sind selbst für erfahrene Fahrer eine enorme Aufgabe. Hinzu kommt, dass Seixas in diesem Jahr erst selten direkt gegen die beiden dominierenden Fahrer gefahren ist. Seine Rolle bleibt daher schwer einzuschätzen. Er gehört nominell zu den stärksten Fahrern hinter den Topfavoriten, könnte aber aufgrund fehlender Erfahrung im Verlauf der Rundfahrt Probleme bekommen.
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick auf Florian Lipowitz. Nach seinem dritten Platz bei der Tour de France im Vorjahr geht er erneut mit hohen Ambitionen an den Start. Er gilt als besonders konstanter Fahrer, der über drei Wochen hinweg seine Leistung auf einem sehr hohen Niveau halten kann. Gerade an den langen Anstiegen spielt ihm sein gleichmäßiger Fahrstil in die Karten. Selbst wenn er von den stärksten Fahrern zeitweise distanziert wird, gelingt es ihm häufig, durch seinen eigenen Rhythmus wieder Zeit gutzumachen oder zumindest den Schaden zu begrenzen. Die Konkurrenz ist in diesem Jahr allerdings noch dichter geworden, sodass ein erneuter Podiumsplatz ein hartes Stück Arbeit wird.
Eine besondere Situation ergibt sich innerhalb seines Teams, denn mit Remco Evenepoel steht ein zweiter Kapitän im Aufgebot von Red Bull - Bora - hansgrohe. Evenepoel bringt enorme individuelle Klasse mit und scheint laut Leistungsdaten in der Form seines Lebens zu sein. Gleichzeitig hat er in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten gehabt, diese Stärke über drei Wochen konstant abzurufen. Zudem bleibt die Frage offen, wie die Rollenverteilung im Team bei der Tour de France funktionieren wird. Wenn es gelingt, die Doppelspitze sinnvoll einzusetzen, könnte das ein strategischer Vorteil sein. Sollte es jedoch zu Unklarheiten kommen, könnte das wertvolle Zeit und Energie kosten, es wäre nicht das erste Mal.
Hinter diesen Namen reiht sich eine Gruppe von Fahrern ein, die zwar nicht als Topfavoriten gelten, aber dennoch ein Wort im Kampf um die vorderen Plätze mitreden können. Juan Ayuso gehört dazu, hat jedoch in letzter Zeit immer wieder gezeigt, dass er eine Grand Tour nicht ohne größere Einbrüche übersteht. Sein Ziel wird daher eher in einem Platz unter den besten fünf liegen. Ähnlich sieht es bei Tobias Halland Johannessen aus, der vor allem durch seine Konstanz überzeugt und bereits im vergangenen Jahr ein starkes Ergebnis erreicht hat. Auch in dieser Saison zeigt er sich in guter Form und könnte erneut im erweiterten Spitzenfeld landen.
Lenny Martinez, Richard Carapaz und Ben O’Connor zählen dagegen eher zu den Außenseitern. Sie verfügen zwar über die nötige Qualität für starke Etappenergebnisse oder gute Platzierungen im Gesamtklassement, doch für einen Angriff auf den Gesamtsieg bräuchte es eine außergewöhnliche Konstellation. Gerade bei einer dreiwöchigen Rundfahrt sind Überraschungen jedoch nie ausgeschlossen.
Nicht zu unterschätzen sind zudem die Edelhelfer der großen Favoriten, die selbst das Potenzial für Topplatzierungen im Gesamtklassement besitzen, ihre eigenen Ambitionen jedoch meist dem Team unterordnen müssen. Vor allem Isaac del Toro rückt dabei in den Fokus. Der junge Fahrer könnte vom Niveau her problemlos selbst um die vorderen Plätze kämpfen, ist aber in erster Linie als Helfer für Tadej Pogačar eingeplant. Sollte beim Topfavoriten etwas Unvorhergesehenes passieren, wäre del Toro die naheliegende Alternative für das Klassement. Auch Matteo Jorgenson und Matthias Skjelmose gehören zu diesen Fahrern, die das Zeug zu einem starken Gesamtergebnis haben. In der Praxis werden sie jedoch immer wieder entscheidende Kräfte investieren müssen, um ihre Kapitäne zu unterstützen.
Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass der Sieg erneut über Tadej Pogačar führt. Dennoch bietet die diesjährige Tour genügend spannende Ansätze, um für offene Rennsituationen zu sorgen. Mit einem neu aufgestellten Vingegaard, aufstrebenden Talenten wie Seixas und Lipowitz, sowie einer stärkeren Verfolgergruppe, könnte sich mehr Dynamik entwickeln als in den vergangenen Jahren.
Werkstudent
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