Tour de France 2024Galibier, Tourmalet & Co. - das sind die härtesten Berge der Tour

Sebastian Lindner

 · 02.07.2024

Der Col du Galibier während der Tour de France 2006
Foto: picture alliance / EPA / Gero Breloer
Seit jeher sind es die Berge, die der Tour de France ihren ganz besonderen Mythos bescheren. Alpe d’Huez, der Mont Ventoux, Galibier, Tourmalet, Croix de Fer, der Col d’Aubisque oder der Col de la Madeleine - die Liste ist lang. Auch in diesem Jahr führt die Strecke wieder über einige namhafte, vor allem aber auch harte Anstiege. TOUR nimmt einige davon genauer unter die Lupe.

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Col du Galibier | 4. Etappe | Dienstag, 2. Juli | Pinerolo - Valloire

Früh wie lange nicht steht eine Legende der Tour im Programm. Bereits auf der 4. Etappe der Frankreich-Rundfahrt muss der Col du Galibier überquert werden. In der Regel eigentlich erst in der dritten Woche auf dem Plan, ändert sich das in diesem Jahr durch den Start der Rundfahrt in Italien. Ganz ohne Transfer wird das französische Staatsgebiet dann über die Alpen erreicht - und den Galibier.



Mehr als 60 Mal stand der Berg schon im Programm der Tour. Erstmals bereits 1911. Damals fuhr das Feld allerdings noch durch den etwa 100 Meter unterhalb der Passhöhe liegenden Tunnel, der bereits im 19. Jahrhundert gebaut wurde. Bis in die 70er Jahre blieb das noch so, erst danach führte die Strecke über die Passstraße. Eine Ausnahme gab es noch 2011, als nochmal der zwischenzeitlich geschlossene und reaktivierte Tunnel benutzt wurde.

Geraint Thomas kämpft sich im Jahr 2019 mit seinen Begleitern hinauf zum Col du GalibierFoto: Getty Images/Anne-Christine POUJOULATGeraint Thomas kämpft sich im Jahr 2019 mit seinen Begleitern hinauf zum Col du Galibier

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2011 war aber auch in weiterer Hinsicht ein besonderes Galibier-Jahr. Damals wurde der Berg zweimal in einer Rundfahrt gefahren. Die 18. Etappe endete sogar als Bergankunft auf dem mit 2642 Metern vierthöchsten Pass, der jemals bei der Tour überquert wurde. Einen Tag danach ging es auf dem Weg nach L’Alpe d’Huez nochmal über den Galibier. Beide Mal war Andy Schleck der Erste oben.

2024 aus Südosten: die leichtere Rampe des Galibier

Auch 2022, als der Col du Galibier bisher letztmals im Programm stand, wurde der Berg auf zwei aufeinanderfolgenden Etappen zweimal gefahren. Einmal aus nördlicher Richtung, einmal aus südöstlicher. Der Weg aus Südost von Briancon kommend über den Col du Lautaret mit der Abfahrt nach Norden und Valloire, wo auch das Ziel der Etappe liegt, ist auch der Weg, den das Peloton 2024 einschlägt.



Sie gilt als die etwas leichtere Auffahrt. Angegeben wird der Anstieg im Profil von Tour-Veranstalter A.S.O. mit 23 Kilometern. Fast die ersten 15 davon gehören aber eigentlich dem Lautaret und sind mit selten über sechs Prozent Steigung gut und gleichmäßig fahrbar. Die Südrampe des Galibier nach dem Lautaret, die mit 8,6 Kilometern daherkommt, ist dann schon deutlich steiler, geht aber auch nur selten ins Zweistellige.

Auf dem Col du Galibier wird zudem eine weitere Sonderwertung vergeben. Das Souvenir Henri Desgrange zu Ehren des Gründers der Tour de France, für den am Südende des Tunnels auch eine Stele aufgestellt wurde, belohnt den ersten Fahrer auf der Passhöhe mit 5000 Euro.

Das Profil des Col du Galibier auf der 4. Etappe der Tour de France 2024, gefahren aus südöstlicher Richtung von Briancon über den Col du Lautaret.Foto: A.S.O.Das Profil des Col du Galibier auf der 4. Etappe der Tour de France 2024, gefahren aus südöstlicher Richtung von Briancon über den Col du Lautaret.

Col du Tourmalet | 14. Etappe | Samstag, 13. Juli | Pau - Saint-Lary-Soulan (Pla d’Adet)

Zum Ende der zweiten Tour-de-France-Woche stehen die Pyrenäen auf dem Programm. Und einmal mehr dabei auch der Col du Tourmalet. Mit mehr als 80 Überquerungen ist der 2115 Meter hohe Pass so etwas wie der Hausberg der Frankreich-Rundfahrt. Kein anderer Hochgebirgspass wurde häufiger befahren - und keiner früher. Bereits 1910 stand der Tourmalet erstmal auf dem Plan, an befestigte Straßen war damals noch nicht zu denken.

1974 war der Tourmalet erstmals doppelt in einer Rundfahrt vertreten. Zunächst als Bergankunft, einen Tag später mit einer Überfahrt. Letztmals war das 2010 der Fall. Die Ankunft auf dem Tourmalet wurde damals von Andy Schleck gewonnen. Der Weg führte damals über die Westauffahrt von Luz-Saint-Sauveur. Die 50:10 Minuten, die Schleck damals für die 19 Kilometer mit 1415 Höhenmeter benötigte, sind bis heute Rekord. Auf der anderen Seite, der Auffahrt über Sainte-Marie-de-Campan mit rund 150 Höhenmetern und zwei Kilometern Länge weniger, sind seit der Tour 2023 Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard mit 45:35 Minuten neue Rekordhalter. Erster am Gipfel war aber der Norweger Tobias Halland Johannessen.



2024 wird der Tourmalet aber wieder von Westen bezwungen. Der legendäre Pyrenäen-Riese bringt es im Schnitt auf 7,4 Prozent. Besonders steil sind dabei die letzten drei Kilometer. Hier schlägt das Pendel häufig über die Zehn-Prozent-Marke aus.

Ähnlich wie auf dem Galibier wird auch auf dem Tourmalet ein Sonderpreis vergeben. Das Souvenir Jacques Goddet ehrt den zweiten und langjährigen Direktor der Tour.

Das Profil des Col du Tourmalet auf der 14. Etappe der Tour de France 2024, gefahren aus westlicher Richtung von Luz-Saint-Sauver.Foto: A.S.O.Das Profil des Col du Tourmalet auf der 14. Etappe der Tour de France 2024, gefahren aus westlicher Richtung von Luz-Saint-Sauver.

Pla d’Adet | 14. Etappe | Samstag, 13. Juli | Pau - Saint-Lary-Soulan (Pla d’Adet)

Der Tourmalet ist auf der 14. Etappe allerdings nur Auftakt für ein Finale am Pla d’Adet. Die Tour-Geschichte der Wintersportstation in den Pyrenäen ist noch relativ kurz. Als Sackgasse reduziert sich die Anzahl der Möglichkeiten, eine Etappe darum zu bauen, allerdings auch deutlich. So ist es kein Wunder, dass es auch jedes Mal eine Bergankunft gab, wenn das Pla d’Adet im Plan stand.

Genau zehn Mal war das bisher der Fall. Erstmals 1974 mit Raymond Poulidor, dem Großvater von Mathieu van der Poel, als Sieger. Danach kam die Skistation, die zur Gemeinde Saint-Lary-Soulan gehört, richtig in Mode. Auch in den beiden Folgejahren endete dort eine Etappe, bis 1982 noch drei weitere. In der Folge geriet sie allerdings etwas in Vergessenheit. Zuletzt machte die Tour 2014 hier Station - mit Rafal Majka als Sieger.

Dabei hat der Anstieg aus sportlicher Sicht einiges zu bieten. 10,6 Kilometer auf gutem Asphalt warten ab dem Beginn der Auffahrt in Vignec. Vor allem im unteren Teil ist es extrem steil. Bis zu 16 Prozent kommen zusammen. Manche Kilometer bringen es im Schnitt auf fast zwölf. Dafür wird es oben raus flacher. Nach sieben Kilometern, kurz bevor der Weg zum Col de Portet abbiegt, ist sogar eine leichte Abfahrt dabei. Nach neun Kilometern wird es dann nochmal deutlich zweistellig, im Mittel sind es etwas mehr als sieben Prozent, bevor die letzten Meter wieder ausflachen. Rhythmus kommt hier jedenfalls kaum auf.

Das Profil des Anstiegs zum Pla d’Adet auf der 14. Etappe der Tour de France 2024.Foto: A.S.O.Das Profil des Anstiegs zum Pla d’Adet auf der 14. Etappe der Tour de France 2024.

Plateau de Beille | 15. Etappe | Sonntag, 14. Juli | Loudenvielle - Plateau de Beille

Auch die Tour-de-France-Historie des Plateau de Beille, dem Ziel der zweiten Pyrenäen-Etappe 2024, ist noch recht kurz. Wie das Pla d’Adet ist auch diese Wintersportanlage eine Sackgasse. Erst sechs Mal endete hier eine Etappe. Doch manchmal reicht ein einziger Moment, damit sich ein Anstieg in die Geschichtsbücher einträgt.

Nicht nur, dass Marco Pantani 1998 hier seine Aufholjagd startete, um Jan Ullrich aus dem Gelben Trikot zu fahren. Die 43:20 Minuten, die er damals benötigte, sind immer bis heute Rekord. Noch einprägsamer war das Duell von Alberto Contador und Michael Rasmussen. Der 24-Jährige Spanier war in Weiß unterwegs, Rasmussen war Träger des Gelben Trikots. Beide schenkten sich auf den letzten fünf Kilometern nichts, doch am Ende setzte sich Contador durch und feierte seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France - und später auch den Gesamtsieg. 2015 gehörte das Plateau de Beille letztmals zum Tour-Programm, auch da siegte in Joaquim Rodriguez ein Spanier.



Angefahren wird das Plateau in den östlichen Pyrenäen aus Süden von Les Cabannes. Knapp 16 Kilometer misst die Rampe von dort. Bei durchschnittlich 7,9 Prozent Steigung. Steil wird es vor allem im ersten Drittel. Nicht selten wird es hier zweistellig. Nach sechs Kilometern wird es kurz mal flach, ehe nach neun Kilometern der schwierigste Abschnitt wartet. Ab Kilometer 12 wird es dann leichter. Teils ebene Momente werden nochmal von einem kurzen Stück mit bis zu zwölf Prozent unterbrochen, bevor es nach oben endgültig ausflacht.

Das Profil des Anstiegs zum Plateau de Beille auf der 15. Etappe der Tour de France 2024.Foto: A.S.O.Das Profil des Anstiegs zum Plateau de Beille auf der 15. Etappe der Tour de France 2024.

Cime de la Bonette | 19. Etappe | Freitag, 19. Juli | Embrun - Isola 2000

Die Jagd nach Rekorden spielt auch bei der Tour de France immer eine Rolle. Hinsichtlich der maximal erreichten Höhe im Rennverlauf sind dem aber Grenzen gesetzt. Und die Cime de la Bonette ist sehr nah dran. Es gibt nur noch einen höheren Punkt in den Alpen (und den Pyrenäen), der asphaltiert ist. Und das ist die Ötztaler Gletscherstraße.

Dort war die Tour de France noch nicht. An der Cime de la Bonette schon. Mit 2802 Metern ist die Ringstraße, die sich an den Col de la Bonette anschließt, der höchste Punkt, den jemals ein Fahrer bei der Tour de France erreicht hat. Der Erste war das Federico Bahamontes, der 1964 die dortige Bergwertung gewann. Zwei Jahre später war wieder Bahamontes der Erste. Danach war es erst wieder Robert Millar 1993, der den höchsten Punkt der Tour als Erster auf einer Etappe erreichte. Und der bisher letzte war John-Lee Augustyn. Das war 2008.



Extrarunde mit ordentlich Prozenten

Der Südafrikaner ist heute kaum mehr jemandem ein Begriff. Doch es hätte anders kommen können. Denn nach dem der Profi vom Team Barloworld, dem Sky-Vorgänger, die Cime als Erster erreichte, stürzte er als Teil der Spitzengruppe in der Abfahrt nach Jausiers, wo die Etappe endete. Ein möglicher Sieg wäre Augustyns mit Abstand größter Erfolg der Karriere gewesen. So bleibt er aber als Bezwinger der Cime Teil der Tour-Historie.

Jausier hingegen ist auch der Ausgangspunkt für die diesjährige fünfte Überquerung des höchsten Punktes, womit zum dritten Mal die Nordrichtung gewählt wird. Bis zur Cime sind es 22,9 Kilometer. Die durchschnittlichen Steigungsprozente pendeln dabei zwischen sechs und acht, erstmals etwas flacher wird es nach 16 Kilometern. Zunächst nochmal kurz steiler, flacht es dann bis zur Passhöhe des Col de la Bonette auf 2715 Metern ab. Doch dann schließt sich noch der zwei Kilometer lange Ringweg an. Sein Höhepunkt ist nach etwa der Hälfte erreicht. Dieser Teil ist nochmal besonders steil, durchschnittlich über zehn Prozent.

Das Profil des Col de la Bonette inklusive der Ringstraße zur Cime de la Bonette auf der 19. Etappe der Tour de France 2024, gefahren aus nördlicher Richtung von Jausiers.Foto: A.S.O.Das Profil des Col de la Bonette inklusive der Ringstraße zur Cime de la Bonette auf der 19. Etappe der Tour de France 2024, gefahren aus nördlicher Richtung von Jausiers.

Isola 2000 | 19. Etappe | Freitag, 19. Juli | Embrun - Isola 2000

Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Tour de France wird eine Etappe in Isola 2000 enden. Zum ersten Mal war das 1993 der Fall, damals siegte Tony Rominger. Ein weiteres Mal, 2008, wurde das Skiressort auf der Abfahrt vom Col de la Lombarde überquert, der die Grenze zwischen Italien und Frankreich bildet. Ansonsten blieb der grenznahe Ort bisher außen vor.

Dabei kann der Anstieg aus dem Hauptort Isola über 16 Kilometer mit einer breiten und gut befahrbaren Straße aufwarten, die durch ein tief eingeschnittenes, enges Tal ohne viele Serpentinen rund 1200 Höhenmeter überbrückt. Vor allem Anfang und Mittelteil sind sehr steil, manch Kilometer schafft es auf eine zweistellige Steigungsrate. Hintenraus wird es dann etwas flacher, sogar ein kurz abschüssiger Teil gehört dazu.

Das Profil des Anstiegs nach Isola 2000 auf der 19. Etappe der Tour de France 2024Foto: A.S.O.Das Profil des Anstiegs nach Isola 2000 auf der 19. Etappe der Tour de France 2024

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