Matthias Borchers
· 24.07.2026
Richard Carapaz hat seine zweite Etappe bei der Tour de France gewonnen. Der Ecuadorianer setzte sich in Orcières-Merlette als Solist durch und bewältigte den Schlussanstieg mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,4 km/h.
Nach seinem Erfolg auf der 17. Etappe der Tour 2024 feiert Carapaz damit den zweiten Tour-Sieg seiner Karriere und zugleich den zweiten Tour-Etappensieg Ecuadors überhaupt. In der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt zählt er nun zu den 51 Fahrern, die mindestens zwei Etappen gewinnen konnten.
Insgesamt steht der Bergspezialist inzwischen bei neun Grand-Tour-Etappensiegen: zwei bei der Tour de France, vier beim Giro d'Italia und drei bei der Vuelta a España.
Mit Carapaz' Erfolg setzt EF Education-EasyPost eine bemerkenswerte Erfolgsserie fort. Das Team hat nun bei jeder der vergangenen drei Tour-de-France-Ausgaben mindestens eine Etappe gewonnen.
Den Anfang machte Carapaz selbst 2024 in Superdévoluy. Im vergangenen Jahr folgte Ben Healy mit seinem Sieg in Vire.
Unter den bei der Tour 2026 vertretenen Mannschaften hält allerdings Soudal-Quick-Step den Rekord. Das belgische Team gewann seit 2013 bei jeder Tour mindestens eine Etappe und kommt damit auf 14 Austragungen in Folge. Visma-Lease a Bike ist ebenfalls seit zehn Jahren in Serie erfolgreich, während UAE Emirates-XRG seit 2020 ununterbrochen Etappensiege feiert. Alpecin-Premier Tech hat seit seinem Tour-Debüt 2021 sogar in jedem Jahr mindestens zwei Etappen gewonnen.
Auch wenn der Tagessieg an Carapaz ging, bleibt Tadej Pogacar Spitzenreiter der Bergwertung. Der Slowene trug nach der 18. Etappe bereits zum 40. Mal in seiner Tour-Karriere das Trikot des besten Kletterers.
Pogacar hat die Bergwertung bereits dreimal nach Paris gebracht, doch in der ewigen Statistik liegt er noch deutlich hinter den größten Spezialisten der Tour-Geschichte. Lucien Van Impe kam auf 70 Tage im Bergtrikot, Rekordhalter Richard Virenque sogar auf 96.
Der Kampf um die Roten Punkte entwickelt sich zu einem echten Krimi. Valentin Paret-Peintre sammelte auf der Etappe nach Orcières-Merlette 23 Punkte und liegt nun nur noch einen Zähler hinter Pogacar.
Der Franzose kommt auf 69 Punkte, Pogacar auf 70. Auch Richard Carapaz bleibt mit 63 Punkten in Schlagdistanz. Vor den letzten drei Etappen sind noch 114 Bergpunkte zu vergeben.
Die Geschichte zeigt, dass späte Wendungen in dieser Wertung keine Seltenheit sind. Bereits sechsmal wurde das Bergtrikot erst auf den letzten drei Etappen entschieden. Zuletzt nahm Carapaz 2024 die Führung noch ganz am Ende Pogacar ab. Vier Jahre zuvor hatte Pogacar seinerseits dem Ecuadorianer auf den letzten Kilometern der Tour das Trikot entrissen.
Die Tour 2026 schreibt auch olympische Geschichte. Zum ersten Mal überhaupt gewinnen in derselben Austragung sowohl ein amtierender Olympiasieger als auch ein ehemaliger Straßen-Olympiasieger eine Etappe.
Remco Evenepoel, Olympiasieger von Paris 2024, gewann die Etappen 15 und 16. Nun fügte Richard Carapaz, Olympiasieger von Tokio 2021, einen weiteren Erfolg hinzu.
Zwar hatten bereits mehrere Olympiasieger nach ihrem Goldgewinn auch Tour-Etappen gewonnen, darunter Samuel Sánchez, Olaf Ludwig oder Hennie Kuiper. Noch nie jedoch gelang dies zwei Olympiasiegern in derselben Tour-Ausgabe.
Mauro Schmid bestätigt kurz vor Paris seine außergewöhnliche Vielseitigkeit. Der Schweizer wurde in Orcières-Merlette Zweiter, nachdem er bereits am Vortag in Voiron auf Rang zwei gefahren war.
Dabei hätten die beiden Etappen kaum unterschiedlicher sein können. Während nach Voiron ein eher klassikerähnliches Profil mit 2.200 Höhenmetern führte, standen auf dem Weg nach Orcières-Merlette 3.900 Höhenmeter auf dem Programm.
Dass Schmid zunächst nur vom Sprintstar Jasper Philipsen und anschließend vom Kletterspezialisten Richard Carapaz geschlagen wurde, unterstreicht seine Qualitäten als echter Allrounder. Bereits mit seinem Sieg in Belfort hatte der Fahrer von Jayco-AlUla seine Vielseitigkeit bewiesen.
Richard Carapaz war vom ersten Anstieg bis zum Ziel in der Offensive und wurde folgerichtig als kämpferischster Fahrer des Tages ausgezeichnet.
Der Ecuadorianer verbrachte 146 Kilometer in der Ausreißergruppe und erreichte dabei über das wellige Terrain einen Schnitt von 39,9 km/h. Für diese Leistung erhielt er bereits die sechste Auszeichnung als kämpferischster Fahrer seiner Tour-Karriere.
Damit liegt der Fahrer von EF Education-EasyPost zwei Ehrungen vor seinem Teamkollegen Ben Healy. Seit dem Grand Départ in Barcelona wurde Carapaz bereits dreimal ausgezeichnet und liegt damit gleichauf mit Baptiste Veistroffer.
Sollte er noch eine weitere Ehrung erhalten, würde er den Rekord von Giovanni Battaglin einstellen, der bei der Tour 1979 viermal als kämpferischster Fahrer einer Etappe ausgezeichnet wurde.

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