Giro d’Italia - 8. EtappeNarvaez klettert zum zweiten Sieg

Sebastian Lindner

 · 16.05.2026

Giro d’Italia - 8. Etappe: Narvaez klettert zum zweiten SiegFoto: Getty Images / Dario Belingheri
Jhonatan Narvaez gewinnt nach der 4. auch die 8. Etappe des Giro d’Italia.
Er kann es nicht nur im Sprint, sondern auch als Solist. Jonathan Narvaez (UAE Team Emirates - XRG) hat die 8. Etappe des Giro d’Italia gewonnen und damit seinen zweiten Etappensieg im Laufe der Rundfahrt gefeiert. Der Ecuadorianer siegte im steilen Finale von Fermo vor Andreas Leknessund (Uno-X Mobility). Dessen Teamkollege Martin Tjøtta wurde Dritter.

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Narvaez und Leknessund bildeten gemeinsam mit dem zweiten UAE-Profi Mikkel Bjerg das Ausreißertrio des Tages, dass sich auf dem nur 156 Kilometer langen Teilstück aber erst spät bildete, nachdem der Kampf um die Fluchtgruppe zuvor hart ausgefochten wurde. Während das Feld den Etappensieg noch vor den Bergen in die Hände der Ausreißer legte, wollte ein große Verfolgergruppe mit mehr als 30 Profis die Segel noch nicht frühzeitig streichen. Allerdings herrschte dort nie Einigkeit, sodass der Sprung an die Spitze nicht mehr gelang.

“Gerade nach der Verletzung im Januar ist das wichtig für mich”, sagte der 29-Jährige über seinen zweiten Etappensieg und kündigte bereits an, dass damit noch lange nicht Schluss sein muss. “Wir sind nur zu fünft, aber spielen unsere Karten gut aus”, sagte er über das dezimierte UAE-Team, das nach einem schweren Sturz auf der 2. Etappe in Unterzahl ist. “Ich denke wir werden hier noch öfter gewinnen in den nächsten Wochen.” Narvaez lobte nach dem dritten UAE-Sieg im Laufe des Giro, nachdem auch Igor Arrieta bereits einen Sieg feiern konnte, aber vor allem Bjerg: “ Er war fantastisch und ist immer weitergefahren. Er war für mich heute der Mann des Tages.“

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Hindley und Vingegaard holen zwei Sekunden raus

Als der Sieger bereits im Ziel war, wurde aber im steilen Finale auch noch im Feld um Sekunden gekämpft. Mit Afonso Eulalio (Bahrain - Victorious) eröffnete der Mann in Rosa auf dem letzten Kilometer die Spielchen, die letztlich aber nur Jai Hindley (Red Bull - BORA - hansgrohe) und Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) einen kleinen Vorteil brachten.

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Im Bergaufsprint löste sich zunächst der Australier aus der Favoritengruppe. Nur Vingegaard konnte die Lücke noch schließen, sodass sich beide zwei Sekunden auf ihre Konkurrenten gutschreiben können. Eulalio verteidigte die Gesamtführung damit aber und liegt jetzt noch 3:15 Minuten vor Vingegaard und 3:34 Minuten vor Felix Gall (Decathlon CMA CGM). Hindley hat trotz seines kleinen Plusses auf die weiteren GC-Fahrer genau wie sein Teamkollege Giulio Pellizzari einen Platz eingebüßt, denn in Christian Scaroni (XDS Astana Team) kletterte ein Fahrer aus der einstiegen großen Verfolgergruppe von Narvaez und Co. ein paar Plätze nach oben und ist jetzt Vierter. Nach 21 Etappen dürfte sich Scaroni allerdings nicht mehr in diesen Regionen des Klassements wiederfinden.

Giro d’Italia 2026 - Ergebnisse der 8. Etappe



So lief die 8. Etappe des Giro d’Italia 2026

Das Profil der 8. Etappe des Giro d’Italia 2026Foto: RCSDas Profil der 8. Etappe des Giro d’Italia 2026

Die kurze Etappe mit flacher erster Hälfte lud viele Profis zum Attackieren ein. Schon nach sechs Kilometern setzten sich Alberto Bettiol (XDS Astana Team) und Filippo Ganna (Netcompany INEOS) ab, doch das Feld wollte das italienische Duo nicht ziehen lassen. Deswegen lag deren Vorsprung auch nach 35 Kilometern noch bei unter einer halben Minute. Nach 50 Kilometern war der Versuch dann jedoch zunächst beendet.

Doch auch danach wurde weiter munter angegriffen. Mitunter waren es die gleichen Akteure wie zuvor. Länger vorne halten konnten sich für einige Minuten dann aber zunächst niemand mehr. Erst als Bjerg startete und kurz darauf Unterstützung von seinem Teamkollegen Jhonatan Narvaez und Andreas Leknessund, formierte sich ein Trio, dass den Tag länger bestimmen sollte. Erstmals wuchs der Vorsprung über eine Minute.

Dennoch war das Feld auch damit nicht zufrieden. Nach dem Zwischensprint, knapp 100 Kilometer waren zurückgelegt, löste sich eine rund 30 Fahrer starke Gruppe, die auf Verfolgungsjagd ging. Mit dabei unter anderem: Wout Poels (Unibet Rose Rockets) und Corbin Strong (NSN Cycling Team). In dieser Konstellation ging es in den ersten Anstieg des Tages.

Während sich das Hauptfeld in der Folge damit anfreundete, nicht mehr um den Tagessieg zu kämpfen und die Lücke auf über drei Minuten aufgehen ließ, fehlte bei den Verfolgern die Einigkeit, um den Abstand nach vorne signifikant unter eine Minute zu drücken. Einzelaktionen von Gianmarco Garofoli (Soudal Quick-Step) oder Javier Romo (Movistar Team) verpufften so. Bis 30 Kilometer vor dem Ziel änderte sich an dieser Situation wenig.

Bjerg opfert sich für Narvaez

Immerhin schaffte es Romo, sich dauerhaft vor der den weiteren Verfolgern zu halten. Nach dem Red Bull Kilometer 24 Kilometer vor dem Ziel fuhr er 30 Sekunden vor der großen Gruppe, aber immer noch 50 hinter dem Spitzentrio. Nach vorn sollte er es nicht mehr schaffen. Dort wurde die Rollenverteilung immer deutlicher. Bjerg arbeitete für Narvaez und musste dann rund zehn Kilometer vor dem Ziel am Anstieg nach Capodarco (4. Kategorie) reißen lassen. Kurz darauf erhöhte auch Narvaez das Tempo, für Leknessund war das in diesem Moment zu viel.

Im steilsten Stück fing sich der Norweger ein paar Sekunden ein, hielt den Abstand in der Folge aber dann konstant bei rund 15 Sekunden und behielt Narvaez im Blick. Doch auch auf den letzten drei Kilometern ins Ziel wurde es nochmal richtig schwierig, zwischenzeitlich stieg die Straße mit mehr als 20 Prozent an. Dort musste sich Leknessund dann aber endgültig geschlagen geben.

Während Narvaez seinen Sieg feiern konnte, wurde auch im Feld hinten noch um Sekunden gekämpft. Nachdem er lange ruhig blieb, eröffnete Eulalio dann das Finale. Nach einem Sprint auf den letzten Metern konnte aber nur Hindley, der lediglich Vingegaard nicht abschütteln konnte, zwei Sekunden auf den Rest herausfahren.

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