Giro d’Italia - 4. EtappeNarvaez lindert UAE-Schmerz, Ciccone erstmals in Rosa

Sebastian Lindner

 · 12.05.2026

Giro d’Italia - 4. Etappe: Narvaez lindert UAE-Schmerz, Ciccone erstmals in RosaFoto: Getty Images / Luca Bettini
Jhonatan Narvaez gewinnt die 4. Etappe des Giro d’Italia 2026.
Jhonatan Narvaez (UAE Team Emirates - XRG) hat die 4. Etappe des Giro d’Italia im Sprint eines reduzierten Hauptfelds gewonnen. Der Ecuadorianer siegte am ersten Tag auf italienischem Boden vor dem Kolumbianer Orluis Aular (Movistar Team) und Giulio Ciccone (Lidl - Trek), der die Gesamtführung übernahm.

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Für Narvaez selbst, aber auch das arg sturzgebeutelte UAE-Team war der Erfolg Balsam auf die eigentlich erfolgsverwöhnte Seele. Der Giro ist für den 29-Jährigen das Comeback-Rennen nach ebenfalls schwerem Sturz zu Saisonbeginn bei der Tour Down Under und sein erster Sieg seit der Deutschland Tour 2025. Bevor Narvaez auf der Zielgerade seinen Sprint anzog, war sein Teamkollege Jan Christen gewesen, der den Sieg vor Augen hatte. Der Schweizer hatte 1,7 Kilometer vor dem Ziel attackiert, wurde aber 300 Meter vor der Linie gestellt.

Weil der bisherige Träger des Rosa Trikot auf der mit 138 Kilometern relativ kurzen Etappe von Catanzaro nach Cosenza wie alle Sprinter nicht über den schwierigen Anstieg zu Beginn des letzten Drittels des Teilstücks kam, und weil Ciccone insgesamt sechs Bonussekunden am Zwischensprint und im Ziel einsammelte, ist der Italiener der neue Mann an der Spitze des Giro - zum ersten Mal in seiner Karriere. “Als ich mit dem Radsport begonnen habe, war es mein Traum, einmal in Rosa zu fahren. Jetzt hat sich dieser Traum erfüllt”, sagte der 31-Jährige den Journalisten im Zielbereich.

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Stork fehlen im Finale die Beine für Rosa

Auch Florian Stork (Tudor Pro Cycling), vor dem Tag Zweiter in der Gesamtwertung, hatte auf Rosa geschielt und sowohl am Zwischensprint als auch im Finale versucht, die notwendigen Bonifikationen einzufahren. Als bester Deutscher überquerte er die Ziellinie aber nur als Elfter. “Im technischen Finale war es schwierig, das richtige Hinterrad zu finden. Und ich hatte auch nicht die Beine”, erklärte er bei Eurosport.

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Neuer Zweiter ist Christen, vier Sekunden hinter Ciccone. Stork ist mit gleichem Rückstand Dritter. Die Punktewertung führt weiter Paul Magnier (Soudal Quick-Step) an. Auch er schaffte es nicht mit der Spitze über den Berg, was vor allem daran lag, dass Movistar für Aular ein extremes Tempo vor allem zu Beginn des Anstieges anschlug und damit schnell die Sprinter in Bedrängnis brachte. Das Bergtrikot gehört weiter Diego Pablo Sevilla (Team Polti VisitMalta), obwohl auch er am Cozzo Tunno (2. Kategorie) abgehängt wurde.

Christen hat neben Rang zwei in der Gesamtwertung auch das Nachwuchstrikot übernommen. Der 21-Jährige liegt zwei Sekunden vor Giulio Pellizzari (Red Bull - BORA - hansgrohe). Der Italiener hat genau wie alle anderen Klassementfavoriten das Ziel mit der Rennspitze erreicht.

Giro d’Italia 2026 - Ergebnisse der 4. Etappe



So lief die 4. Etappe des Giro d’Italia 2026

Das Profil der 4. Etappe des Giro d’Italia 2026Foto: RCSDas Profil der 4. Etappe des Giro d’Italia 2026

Italien ist erreicht. In Kalabrien beginnt - so war es hier und da im Fahrerfeld zu vernehmen - der echte Giro. Entsprechend groß war das Interesse an der Spitzengruppe. Nach mehreren Attacken und Kontern waren es schließlich sechs Profis, die als Gruppe des Tages den ersten Teil des Tages bestimmen sollten. Neben dem Schweizer Johan Jacobs (Groupama - FDJ United) gehörten die beiden Italiener Martin Marcellusi (Bardiani CSF 7 Saber) und Mattia Bais (Team Polti VisitMalta), Warren Barguil (Team Picnic PostNL), Niklas Larsen (Unibet Rose Rockets) und Darren Rafferty (EF Education - EasyPost) zu der Formation, die sich auf den flachen 80 Kilometern bis zu zweieinhalb Minuten herausholten.

Unterwegs wurden die Aufgaben von Kaden Groves (Alpecin - Premier Tech) und Arnaud De Lie (Lotto Intermarché) vermeldet, Wilco Kelderman (Team Visma | Lease a Bike) ging gar nicht erst an den Start. Die beiden Sprinter bekamen am Cozzo Tunno (2. Kategorie). Dort wurden nach und nach aber auch alle anderen Sprinter abgehängt, ebenso Thomas Silva (XDS Astana) im Rosa Trikot. Im Laufe des 15 Kilometer langen Anstiegs wurden auch die Ausreißer wieder geschluckt.

Viel Action am Red Bull Kilometer

So weit, so erwartbar. Überraschend war hingegen, dass auch Egan Bernal (Netcompany INEOS) nicht mit dem reduzierten Hauptfeld von rund 40 Fahrern über den Berg kam. 40 Kilometer blieben Bernal und allen anderen Abgehängten, um die Lücke bis ins Ziel wieder zu schließen. 15 Kilometer vor dem Ziel war die Gruppe um den Kolumbianer wieder ran.

Kurz darauf wurde der Red Bull Kilometer abgenommen. Sechs Bonussekunden sicherte sich Christen, vier gingen an Pellizzari, zwei an Ciccone. Auch Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) und Stork hatten mit reingehalten.

Danach wechselte der Fokus auf das Finale. Das war im Finale mit reichlich Richtungswechseln sehr technisch. Christen versuchte es vom Ende der Gruppe mit einer Attacke bei noch 1700 Metern, wurde aber 300 vor dem Ziel wieder zurückgeholt. Auf der langen Zielgeraden war dann Aular der Erste im Wind. Gegen Ciccone konnte er sich noch wehren. Doch Narvaez auf der anderen Straßenseite hatte ein ganz anderes Tempo drauf, dem keiner widerstehen konnte.

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