Giro d’Italia 2026Wer kann Vingegaard schlagen?

Leon Weidner

 · 06.05.2026

Der Däne Jonas Vingegaard will seinen ersten Sieg beim Giro holen
Foto: Getty Images/Szymon Gruchalski
Der Giro d’Italia startet dieses Jahr in Bulgarien. Nach mehreren Absagen sind die Karten neu gemischt: Wer holt sich Rosa – und wird Jonas Vingegaard seiner Favoritenrolle gerecht? Wir zeigen euch die Top-Favoriten und die spannendsten Namen, die ihr im Blick behalten solltet.

Themen in diesem Artikel

Die Zeit der Grand Tours startet endlich wieder. Nach den spektakulären Frühjahrsklassikern ist es wieder Zeit für die Gesamtklassement-Fahrer, sich ins Rampenlicht des Radsports zu fahren. Los geht es mit dem Giro d’Italia in Bulgarien. Die ersten drei Etappen der Italien-Rundfahrt, der Grand Départ, findet nämlich in diesem Jahr dort statt. Doch schon vor dem Start gab es die ersten Absagen. Mit dem Fehlen von João Almeida, Richard Carapaz und Mikel Landa fallen drei Fahrer für das Gesamtklassement aus. Vor allem die geplanten Kapitäne des UAE Team Emirates - XRG und EF Education - EasyPost Teams sind ein herber Verlust für die Rennställe.

Durch das Fehlen der Einen entstehen gleichzeitig Chancen für die Anderen. Anstelle von Almeida fährt nun Adam Yates um den Gesamtsieg, er könnte in die Fußstapfen seines Bruders treten, der im vergangenen Jahr überraschend den Giro d’Italia gewann und Anfang dieses Jahres sein Karriereende verkündete. Aber auch Fahrer aus anderen Teams können sich auf einmal realistische Chancen ausrechnen. Das sind die Favoriten auf den Gesamtsieg des Giro d’Italia.

Die Favoriten des Giro d’Italia 2026

Der zweifache Tour de France und einfache Vuelta Sieger Jonas Vingegaard fährt dieses Jahr das Giro-Tour Double. Dem Dänen fehlt nur noch ein Sieg bei der Italien-Rundfahrt, dann hat er alle Grand Tours mindestens einmal gewonnen. Wie sooft hört man nicht viel von seinem Trainingsstand, Vingegaard ist definitiv kein Mann für das Rampenlicht. Seine Siege bei Paris-Nizza und der Katalonien-Rundfahrt in diesem Jahr zeigen aber, dass er gut drauf ist und selbst bei schwierigen Bedingungen, wie bei der Fernfahrt nach Nizza, seiner Favoritenrolle gerecht wird. Für den Giro ist Jonas Vingegaard der absolute Topfavorit, durch die Absage Almeidas sogar noch einmal deutlicher als zuvor.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Dicht dahinter wartet der junge Giulio Pellizzari auf sein erstes Top-Ergebnis bei einer dreiwöchigen Rundfahrt. Zwei sechste Plätze bei Giro und Vuelta 2025 haben das Potenzial des Italieners gezeigt. Mit grade einmal 22 Jahren hat er zwar noch viel Zeit, um eine Grand Tour zu gewinnen, den Hunger darauf bringt Pellizzari aber mit. Vor heimischen Fans fährt es sich außerdem immer besser. Mit zwei dritten Plätzen bei Valencia-Rundfahrt und Tirreno-Adriatico und dem Sieg bei der Tour of the Alps geht es für ihn mit großem Selbstvertrauen zuerst nach Bulgarien und dann in sein Heimatland. Hinter Vingegaard ist Giulio Pellizzari der zweitstärkste Fahrer, um den Gesamtsieg zu holen müsste aber etwas Außergewöhnliches passieren.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Die Unterschätzten

Adam Yates ist durch die kurzfristige Absage João Almeidas überraschend als Kapitän nachgerückt. Der erfahrene Brite hat schon so einige einwöchige Rundfahrten gewonnen, schlüpfte in den letzten Jahren aber stets in die Rolle des Helfers. Durch den Überfluss an Gesamtklassement-Fahrern im UAE Team Emirates - XRG, kam Yates bei Grand Tours in der näheren Vergangenheit nicht selbst zum Zuge. Das ändert sich jetzt, als gutes Beispiel dürfte ihm sein Bruder Simon Yates dienen, der 2025 die Italien-Rundfahrt durch seine entscheidende Attacke am Colle delle Finestre gewinnen konnte. Vermutlich wird Adam Yates von vielen ein wenig unterschätzt, mit seiner Erfahrung könnte er aber einen Pellizzari durch schlaue Attacken unter Druck setzen. Aber auch für ihn gilt: Jonas Vingegaard zu schlagen wird verdammt schwierig. UAE hat neben Yates noch eine weitere Option. Mit Jay Vine könnte im Notfall ein weiterer Fahrer das Gesamtklassement in Angriff nehmen.

Auch beim Decathlon CMA CGM Team steht ein Fahrer im Aufgebot, der unter dem Radar fliegt. Felix Gall hat aus einem unerklärlichen Grund oft niemand auf dem Zettel stehen. Dabei lieferte er bei der Tour de France 2025 richtig ab, wurde insgesamt Fünfter und fuhr danach bei der Spanien-Rundfahrt noch auf einen achten Platz. 2026 sind seine Ergebnisse eher Mittelmaß, ein fünfter und sechster Platz bei durchschnittlich besetzten Rundfahrten. Aber: Gall kann zum richtigen Zeitpunkt der Saison voll da sein und hat den Vorteil des Underdogs. In seinem eigenen Rhythmus fahrend könnte er auf dem Podium landen.

​Gefährliche Doppelspitze

Beim Team Ineos ist neben dem neuen Namen (Netcompany Ineos Cycling Team) ein altbekannter Fahrer wieder auf Topniveau unterwegs. Egan Bernal hat 2026 seine alten Bergbeine wiedergefunden, so wirkt es zumindest. Der ehemalige Tour-Sieger hatte in der Vergangenheit nach einem schweren Unfall Probleme zurück in die Erfolgsspur zu finden, könnte aber mit einem großen Knall beim Giro d’Italia zurück auf die Titelseiten der Medien kommen. Ob als Helfer oder Doppelspitze, in jedem Fall ist Thymen Arensman für das Team sehr wertvoll. Zweimal belegte der Niederländer schon den sechsten Platz bei der Italien-Rundfahrt. Sollte Bernal schwächeln ist der etwas jüngere Fahrer zur Stelle.

Dauerbrenner

Nach üblem Sturz beim Giro d’Italia im letzten Jahr, möchte Giulio Ciccone in seiner Heimat etwas geraderücken. Sein Können am Berg blitzt immer wieder auf, er gewann schon das Bergtrikot bei Giro und Tour. Für das Gesamtklassement fuhr er aber immer zu inkonstant, konnte sich über drei Wochen nie so richtig behaupten. In diesem Jahr will er es noch einmal probieren und seine Chancen stehen wohl besser denn je. Um den Gesamtsieg fahren weniger Topfahrer als sonst, hier könnte Ciccone überraschen. Ein Platz auf dem Podium wird jedoch sehr schwierig. Unterstützt wird der Italiener von Derek Gee-West, der ebenfalls auf Gesamtwertung fahren kann. Ob es eine Doppelspitze gibt ist abzuwarten.

Auch Enric Mas und Ben O’Connor haben über die letzten Jahre bewiesen, dass sie vorne mitfahren können. Bei beiden läuft die aktuelle Saison aber eher schlecht. Für eine richtige Überraschung könnten die Dauerbrenner jedoch sorgen. Ein Podium wäre wohl für beide ein echter Erfolg.

Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport