Leon Weidner
· 08.05.2026
Auf 21 Etappen über 3400 Kilometer, mit fast 50.000 Höhenmetern. Das ist der Giro d’Italia 2026. Die erste Grand Tour des Jahres hat es so richtig in sich. Dabei fällt schnell auf: einige Etappen sind zum Ausruhen prädestiniert, andere sind aber umso schwieriger. Wer diese anspruchsvolle Strecke auch bewältigen muss sind die acht deutschen Fahrer, die von ihren Teams nach Italien geschickt werden. Die acht Deutschen werden dabei jedoch nicht für die Gesamtwertung fahren, sie haben andere Aufgaben in ihren Teams. Wie diese Rollen aussehen und wer die acht Profis sind haben wir uns genauer angeschaut.
Die beiden Fahrer des Teams Lidl - Trek haben ein durchaus ähnliches Profil. Mit Jonathan Milan haben sie den wohl sprintstärksten Profi im Team, weshalb beide für den Sprintzug fest eingeplant sind. Als Anfahrer dürften sie sogar hintereinander unterwegs sein, wenn es nur noch wenige Kilometer bis zur Ziellinie auf flachen Teilstücken sind. Der Rennstall hat allerdings noch einen dritten Anfahrer für Milan dabei, der wohl als letztes aus dem Wind geht: Simone Consonni.
Durch die Doppelausrichtung mit dem Sprintzug auf der einen und Gesamtklassement-Ambitionen auf der anderen Seite müssen Walscheid und Teutenberg aber auch auf den bergigen Etappen zu Beginn Helferdienste leisten. Ein Etappensieg der beiden ist durch die Stärke Milans leider eher unwahrscheinlich. Eine kleine Chance auf einer welligen “Klassiker-Etappe” besteht jedoch. Sollte Walscheid in eine starke Gruppe kommen, ist er in der Lage einen Sprint zu gewinnen. Gleiches gilt für Teutenberg, bei dem die Aussichten jedoch etwas schlechter stehen.
Auch beim Team Jayco AlUla stehen für den Giro d’Italia gleich zwei deutsche Fahrer im Aufgebot. Während Felix Engelhardt ganz klar in der Rolle des Helfers ist, kann Pascal Ackermann bei den Sprints in die Führungsrolle schlüpfen. Mit einem Team das mit Ben O’Connor ganz klar auf die Gesamtwertung fahren will fällt der Sprintzug leider dementsprechend schwach aus. Im Finale der flachen Etappen dürfte Ackermann es schwer haben, besonders gegen die absoluten Topsprinter, die auch noch einen langen Sprintzug mitbringen. Aber: der erfahrenen Profi weiß wie man sich positioniert und kann mit viel Glück einen Etappensieg ergattern. Wie sich das anfühlt, kennt er bereits. Drei Etappen und das Sprinter-Trikot gewann er bereits bei der Italien-Rundfahrt.
Auch Red Bull - Bora - hansgrohe setzt auf die Unterstützung zweier Deutscher. Nico Denz und Ben Zwiehoff sind mit ihren 32 Jahren als erfahrene Helfer dabei. Die Ausrichtung ist ganz klar das Gesamtklassement. Mit Giulio Pellizzari haben sie eines der besten Talente, das mit seinen 22 Jahren aber definitiv die Hilfe seiner älteren Teamkollegen braucht. Neben dieser Aufgabe hat Denz im vergangenen Jahr gezeigt, was er kann. Gleich zwei Etappensiege auf hügeligem Terrain, das schreit nach Wiederholungsbedarf. Mit dem vollen Fokus auf das Gesamtklassement dürfte er auch die Gelegenheit bekommen, das ein oder andere Mal in die Ausreißergruppe zu gehen.
Für Jonas Rutsch vom Team Lotto Intermarché heißt es sowohl im Sprintzug für Arnaud de Lie zu arbeiten als auch für Lennert Van Eetvelt auf den schweren Etappen. Dabei bekommt er vermutlich nur wenige Chancen, in eine Gruppe zu gehen, auf welligem Terrain fühlt er sich aber wohl und könnte für einen Überraschungssieg bei einer Etappe sorgen.
Florian Stork ist derweil der einzige deutsche Fahrer eines Teams das nicht der WorldTour angehört. Nichtsdestotrotz hat er beim Tudor Pro Cycling Team die klare Aufgabe Michael Storer im Gebirge zu unterstützen. Wie auch für Jonas Rutsch bedeutet seine Rolle, dass er wohl kaum eine Chance bekommt, in die Gruppe des Tages zu kommen. Wenn er sie jedoch bekommt, sollte er versuchen sie zu nutzen.
Werkstudent