Mehr als nur ZweiteAntonia Niedermaiers Ausrufezeichen beim Giro d’Italia Women

Leon Weidner

 · 09.06.2026

Mehr als nur Zweite: Antonia Niedermaiers Ausrufezeichen beim Giro d’Italia WomenFoto: Getty Images/Luc Claessen
Antonia Niedermaier hängte die anderen Fahrerinnen ab und musste sich nur Demi Vollering geschlagen geben
Antonia Niedermaier fährt beim Giro d’Italia Women auf Rang zwei, nur rund 30 Sekunden hinter Demi Vollering und vor Stars wie Anna van der Breggen. Die Deutsche ist damit endgültig in der Weltspitze angekommen.​

Natürlich steht am Ende eines Giro d’Italia Women traditionell die Siegerin im Mittelpunkt, in diesem Fall einmal mehr Demi Vollering. Doch wer den Blick ein wenig weitet, erkennt: Der vielleicht spannendste Erfolg dieser Rundfahrt gehört nicht ganz oben auf dem Podium, sondern direkt daneben. Antonia Niedermaiers zweiter Platz ist weit mehr als ein Achtungserfolg, er ist ein Statement.
Denn die Namen, die sich hinter und vor der Deutschen tummeln, lassen aufhorchen. Neben Vollering standen mit Anna van der Breggen, Elisa Longo Borghini und Marlen Reusser absolute Größen des Frauenradsports am Start. Fahrerinnen, die Grand Tours gewonnen haben, die über Jahre hinweg die Szene geprägt haben. Und genau diese Konkurrenz hat Niedermaier hinter sich gelassen.

Antonia Niedermaier – Ein Signal für die Tour

Gerade einmal rund 30 Sekunden fehlten Niedermaier am Ende auf Vollering, ein Wimpernschlag über die Distanz einer mehrtägigen Rundfahrt. Gleichzeitig betrug der Vorsprung der Deutschen auf Anna van der Breggen mehr als eine Minute. Diese Zahlen sind mehr als statistische Randnotizen: Sie zeigen, wie nah Niedermaier bereits an der absoluten Weltspitze und auch einem Sieg bei einer großen Rundfahrt fährt.

Der zweite Platz ist deshalb so bemerkenswert, weil er eine Entwicklung bestätigt, die sich bereits angedeutet hat. Niedermaier ist längst nicht mehr nur ein vielversprechendes Talent, sie wird zur ernsthaften Kandidatin für Gesamtsiege bei großen Rundfahrten. Mit Blick auf die kommende Tour de France Femmes bekommt dieser Gedanke zusätzliche Brisanz. Offiziell ist Kasia Niewiadoma in ihrem Team als Kapitänin gesetzt. Eine erfahrene Fahrerin, etabliert auf höchstem Niveau, die bereits 2024 die Tour gewinnen konnte. Doch Leistungen verschieben Hierarchien und Niedermaiers Giro hat genau das angestoßen. Die Frage ist nicht mehr, ob sie vorne mitfahren kann. Die Frage ist, ob das Team es sich leisten kann, sie nicht als gleichwertige Option oder sogar als Kapitänin zu betrachten.

Der Beginn von etwas Größerem?

Vielleicht wird man rückblickend sagen: Dieser zweite Platz war kein einzelnes Ergebnis, sondern der Anfang. Der Moment, in dem sich das Kräfteverhältnis im Frauenradsport ein Stück weit verschoben hat und eine neue Protagonistin endgültig auf die große Bühne getreten ist.

Antonia Niedermaiers Giro d’Italia Women war deshalb nicht einfach nur erfolgreich. Er war richtungsweisend. Und er könnte der Auftakt zu einer Phase sein, in der sie regelmäßig um die größten Titel mitfährt und sie irgendwann auch gewinnt.

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Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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