Lorena Wiebes Giro-DisqualifikationSD Worx - Protime kündigt Klage an

Leon Weidner

 · 01.06.2026

Lorena Wiebes Giro-Disqualifikation: SD Worx - Protime kündigt Klage anFoto: Getty Images/Luc Claessen
Bei Lorena Wiebes kehrte nach anfänglicher Freude über den Sieg die große Ernüchterung ein: Disqualifikation beim Giro
SD Worx-Protime kündigt rechtliche Schritte gegen die UCI an, nachdem Lorena Wiebes vom Giro d'Italia Women ausgeschlossen wurde. Das Rad der Niederländerin wog nach ihrem Etappensieg in Ravenna zu wenig, das Team bezweifelt jedoch die Messgenauigkeit.

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Die UCI schloss Lorena Wiebes vom Giro d'Italia Women aus, Stunden nachdem die Niederländerin die erste Etappe gewonnen hatte. Der Grund: Ihr Rad unterschritt das Mindestgewicht von 6,8 kg um 20 Gramm. Die Rennorganisatoren RCS Sport gaben die Disqualifikation am Samstagabend bekannt und beriefen sich auf Artikel 2.12.007 – 2.2 des Reglements. Elisa Balsamo rückte auf den ersten Platz vor und startete am Sonntag im Rosa Trikot der Gesamtführenden.

Lorena Wiebes Rad – Zweifel an Messmethode

SD Worx-Protime reagierte mit scharfer Kritik auf die Entscheidung. Teammanager Erwin Janssen kündigte gegenüber dem niederländischen Sender NOS rechtliche Schritte an. "Es wird schwierig, aber wir können das nicht einfach so hinnehmen", sagte Janssen laut Escapecollective. "Es ist lächerlich, dass Lorena ausgeschlossen wird. Das verursacht uns enormen Schaden." Das Team hatte mit mehreren Etappensiegen durch die Niederländerin gerechnet.

Die Messung selbst steht im Zentrum der Kritik. Zwei Wiegevorgänge des Rads ergaben laut Janssen eine Differenz von mehr als 50 Gramm. "Wie ist das möglich? Die erste Messung lag 70 Gramm unter dem erlaubten Gewicht", zeigte er sich unverständlich. Der Teammanager stellte die Kalibrierung der Waage infrage. Wenn das Messgerät zuvor in der Höhe verwendet wurde, müsse es vor dem Einsatz auf Meereshöhe in Ravenna neu kalibriert werden. "Das ist nicht geschehen, wie wir gehört haben", sagte Janssen.

Eigene Messung zeigt anderes Ergebnis

SD Worx-Protime führte nach dem Rennen eine eigene Gewichtskontrolle durch. "Wir selbst haben nach dem Zieleinlauf über 6,83 Kilogramm gemessen. Aber das war drinnen, ohne Wind, mit unserer eigenen Ausrüstung", erklärte Janssen gegenüber NOS. Das Team veröffentlichte eine Stellungnahme, in der es sich "erstaunt über die Entscheidung der UCI" zeigte. Die Differenz zwischen dem gemessenen Gewicht von 6,78 kg und dem vorgeschriebenen Minimum von 6,8 kg entspricht 0,3 Prozent bei.

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Wiebes nutzte das fragliche Rad die gesamte Saison über mit identischem Setup. Bei mehreren Rennen, die sie mit deutlichen Sprintsiegen beendete, kontrollierten UCI-Offizielle das Rad. "Bei jeder Gelegenheit lag das Gewicht des Rads deutlich über der 6,8-Kilogramm-Grenze", teilte das Team laut Velo mit. "Das Team versteht daher nicht, wie genau dasselbe Rad jetzt plötzlich unter dem Mindestgewicht gemessen werden konnte."

Strafe für Lorena Wiebes unverhältnismäßig

Die erste Etappe des Giro d'Italia Women führte über 139 km mit lediglich 240 Höhenmetern. Auf dem nahezu flachen Profil bringt eine Gewichtsersparnis von 20 Gramm keinen messbaren Vorteil. Lorena Wiebes überquerte die Ziellinie mit einer Trinkflasche am Rad, die etwa 80 Gramm wiegt. "In einer flachen Sprintetappe bietet eine geringe Gewichtsreduzierung im Gegensatz zu einer Bergetappe praktisch keinen Vorteil", argumentierte SD Worx-Protime laut Velo. "Das gilt besonders für eine Fahrerin wie Wiebes, die den Sprint in Ravenna mit drei Radlängen Vorsprung gewann."

Das Team kritisiert die Härte der Sanktion. Statt einer Relegation aus der Etappenwertung oder einer Geldstrafe entschied die UCI-Jury, Wiebes komplett vom Rennen auszuschließen. Sportlicher Leiter Danny Stam berichtete, dass Wiebes bereits in die Niederlande zurückgekehrt sei. "Lorena ist schon nach Hause gefahren", sagte Stam laut Cyclingmagazine. "Wir kamen hierher mit dem Ziel, drei oder vier Etappen zu gewinnen, was ich auch für realistisch halte. Wenn man auf diese Weise vom Giro ausgeschlossen wird, ist das sehr schmerzhaft."

Rechtliche Konsequenzen angekündigt

Janssen kündigte an, die UCI für entstandene Schäden aufkommen lassen zu wollen. "Wir werden alles tun, auch rechtlich", sagte er laut Escapecollective. "Aber sie sind unnachgiebig. Es wird ihre AUssage gegen unsere stehen. Sie werden von uns ein Schreiben erhalten, dass wir sie für den erlittenen Schaden verklagen werden." SD Worx-Protime bereitet laut Cyclingmagazine einen Brief vor, der den Weltverband für Schadenersatzforderungen in Anspruch nimmt. Ob das Team den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS bringen wird, bleibt zunächst offen. Für Lorena Wiebes ist die Italien-Rundfahrt jedenfalls vorzeitig beendet.

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Leon Weidner

Werkstudent

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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