TOUR Online
· 07.06.2026
Keine „Tour d’honneur“ zum Ausrollen wie bei den großen Landesrundfahrten der Männer – beim Giro d’Italia Women ging es auch am letzten Tag noch einmal ins Gebirge. Auf der spektakulären Etappe mit Start und Ziel in Saluzzo wechselte die virtuelle Gesamtführung auf den 145 Kilometern mehrfach: Im Mittelpunkt standen Demi Vollering (FDJ-SUEZ), Antonia Niedermaier (Canyon-SRAM) und Anna van der Breggen (Team SD Worx-Protime).
Das bessere Ende hatte schließlich Vollering, die sich am Ende an die Spitze der Gesamtwertung schob und damit den Giro d’Italia Women 2026 gewann. Mit einer Vierergruppe erreichte die Niederländerin das Ziel, hielt sich im Sprint um den Tagessieg jedoch heraus. Der Tagessieg ging an Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ) vor Niamh Fisher-Black (Lidl-Trek) und Niedermaier. Van der Breggen erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 2:22 Minuten. Vor der Etappe hatte sie lediglich eine Minute Vorsprung auf Vollering.
Bereits am ersten Anstieg des Tages hinauf zum Montoso (Kategorie HC) prägten die Favoritinnen die Etappe, ehe eine Spitzengruppe um Niedermaier, Longo Borghini und Fisher-Black das Rennen bestimmte. Im letzten Renndrittel schüttele Vollering in der Verfolgergruppe dann van der Breggen ab und schloss zum Führungstrio auf, wodurch die Niederländerin dem Gesamtsieg entgegenfuhr.
Niedermaier beendet den Giro am Ende auf Platz zwei mit 35 Sekunden Rückstand auf Vollering. Van der Breggen fiel am letzten Tag noch auf Platz drei zurück, 1:39 Minuten an Rückstand. Die Bergwertung sicherte sich ebenfalls Vollering, die Punktewertung gewann Elisa Balsamo (Lidl - Trek)
Eine Fluchtgruppe fand sich zu Beginn der Etappe trotz einiger Attacken nicht. Entsprechend erreichte das Feld geschlossen die schwierigste Aufgabe des Tages, den Anstieg nach Montoso (HC-Kategorie) – 8,6 Kilometer lang und im Schnitt 9,7 Prozent steil.
Früh im Anstieg startete Demi Vollering (FDJ-SUEZ) einen Angriff, der jedoch sofort von Anna van der Breggen (SD Worx-Protime) und Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ) abgewehrt wurde. Im Anschluss schlossen weitere Fahrerinnen auf, darunter Antonia Niedermaier (Canyon-SRAM), Isabella Holmgren (Lidl-Trek) und Valentina Cavallar (SD Worx-Protime). So bildete sich eine zehnköpfige Spitzengruppe. Vollering sicherte sich die Bergpunkte am Gipfel des Montoso.
In der Abfahrt ergriff Longo Borghini dann, 86 Kilometer vor dem Ziel, die Initiative und bekam Begleitung von Niedermaier und Niamh Fisher-Black (Lidl-Trek). Das Trio fuhr sich schnell einen Vorsprung von rund zwei Minuten auf die Gruppe von van der Breggen und Vollering heraus, bevor es den Colletta di Paesana (Kategorie 3) erreichte. Damit übernahm Niedermaier virtuell die Gesamtführung der Rundfahrt. Am Colletta di Paesana sicherte sie sich ebenfalls die Bergpunkte.
In der Folge entwickelte sich eine wilde Verfolgungsjagd zwischen der Spitzengruppe mit Longo Borghini, Niedermaier und Fisher-Blake sowie der Verfolgergruppe mit van der Breggen, Vollering, Femke De Fries (Team Visma | Lease a Bike) und Lauren Dickson (FDJ United - SUEZ). Letztere fiel jedoch später zurück. Insbesondere ging es um den Abstand zwischen Niedermaier und van der Breggen, der vor der Etappe bei 1:24 Minuten lag. Unter der Tempoarbeit von van der Breggen arbeitete sich die Gruppe 40 Kilometer vor dem Ziel wieder auf 1:30 Minuten heran, sodass ein Sekundenspiel um die Gesamtführung entstand.
Im letzten Anstieg des Tages, dem Colletta di Brondello (Kategorie 2), attackierte Vollering 40 Kilometer vor dem Ziel aus der Verfolgergruppe heraus. Van der Breggen setzte erst hinher, konnte das Hinterrad ihrer Landsfrau aber nicht halten. Schnell fiel sie rund 25 Sekunden hinter Vollering zurück. Der Abstand zu Niedermaier betrug zu diesem Zeitpunkt rund 1:17 Minuten. Gemeinsam erreichten Longo Borghini, Niedermaier und Fisher-Blake 35 Kilometer vor dem Ziel den Gipfel des Colletta di Brondello. Allerdings haperte es im Anschluss an der Zusammenarbeit der drei Fahrerinnen.
In der folgenden Abfahrt kam Vollering Sekunde um Sekunde näher an das Führungstrikot heran, während der Rückstand von van der Breggen stabil bei 1:15 Minuten blieb. 28 Kilometer vor dem Ziel schloss Vollering die Lücke zu der Spitzengruppe um Niedermaier. Damit lag Vollering fortan virtuell im Rosa Trikot.
Van der Breggen bekam in der Folge Begleitung durch De Fries, doch gegen die Zusammenarbeit des Führungsquartetts hatte sie wenig entgegenzusetzen. Zehn Kilometer vor dem Ziel wuchs ihr Rückstand auf über zwei Minuten an.