Paris-RoubaixWas man über Sieger Wout van Aert wissen muss

Andreas Kublik

 · 13.04.2026

Paris-Roubaix: Was man über Sieger Wout van Aert wissen mussFoto: Getty Images/Jasper Jacobs
Und er kann es doch: Der Belgier Wout van Aert hat endlich einen der großen Frühjahrsklassiker über Kopfsteinpflaster gewonnen. Im Velodrom von Roubaix besiegte er Tadej Pogacar
Endlich: Nach vielen vergeblichen Anläufen hat Wout van Aert einen der großen Frühjahrsklassiker auf Kopfsteinpflaster gewonnen. Das Wichtigste über den Sieger von Paris-Roubaix 2026

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Er hat es geschafft: Mittlerweile ist Wout van Aert 31 Jahre alt. Seit er im Jahr 2018 in den Straßenradsport wechselte jagt er einen Sieg in der “heiligen Woche”, wie der Zeitraum mit den beiden Radklassikern Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix heißt. Oft war er nah dran. Der ewige Verfolger ist nun endlich Sieger.

Der Mann fürs Grobe

Wout van Aert ist eigentlich kein Geläuf zu schwierig. Das beweisen drei WM-Titel im Cyclocross. In Sachen Fahrtechnik gehört er zu den Ausnahmekönnern im Peloton. Klar, dass er seit Jahren auch bei Paris-Roubaix über das äußerst holprige Kopfsteinpflaster vorne dabei ist.

​Der Tod des Freundes

Erinnerung: Fans an der Stelle, an der Michael Goolaerts im 2018 nach einem Herzinfarkt stürzte und später starbFoto: Getty Images/Anne-Christine POUJOULATErinnerung: Fans an der Stelle, an der Michael Goolaerts im 2018 nach einem Herzinfarkt stürzte und später starb

Nach dem gewonnenen Zielsprint ging der Blick des Belgiers mit einem Fingerzeig gen Himmel. Van Aert hat beim Rennen Paris-Roubaix einst einen Freund und Teamkollegen bei Vérandas Willems-Crelan verloren. Bei seinem Debüt bei der Fahrt durch die Hölle des Nordens im Jahr 2018 musste er miterleben, wie der Teamkollege Michael Goolaerts auf dem damaligen Pavé-Abschnitt Nr. 28 von Viesly nach Briastre stürzte. Dieser starb am selben Abend im Krankenhaus in Lille. Wie später bekannt wurde, hatte der 23-jährige Radprofi während der Fahrt einen Herzinfarkt erlitten. Der früh verstorbene Radsportbegleiter hatte den Spitznamen “Goolie” - van Aert hat sich die Erinnerung unter einem Hashtag öffentlich zu einer Lebensaufgabe gemacht: #ALL4GOOLIE

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Ein ewiger Zweikampf

Lange ist’s her: Wout van Aert (Mitte) besiegte im Jahr 2017 Mathieu van der Poel (links) bei der Cross-WMFoto: Getty Images/Tim de WaeleLange ist’s her: Wout van Aert (Mitte) besiegte im Jahr 2017 Mathieu van der Poel (links) bei der Cross-WM
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Paris-Roubaix gilt als das Habitat von Mathieu van der Poel. Mit dem fast gleichaltrigen Niederländer verbindet van Aert eine sehr lange Rivalität. Schon in den Nachwuchsklassen duellierten sie sich um die Welt-Titel im Cyclocross. Beide wechselten spät in den Straßenradsport. Und auch im fortgeschrittenen Alter setzen sie ihre Schlammschlachten fort. Aktuell liegt van der Poel vorne: 8:3 Weltmeister-Titel in der Eliteklasse im Querfeldein-Radsport. Dem Belgier van Aert gelang der letzte WM-Sieg im Winterhalbjahr im Jahr 2018. Bei Paris-Roubaix war die Rivalität diesmal begrenzt. In diesem Jahr war van der Poel nach einer Panne früh abgehängt und kämpfte sich dann zurück. Am Ende konnte er in den Kampf um den Sieg nicht mehr eingreifen. Der dreimalige Roubaix-Sieger landete 15 Sekunden hinter van Aert auf Rang vier. “Mein Rennen war im Wald von Arenberg vorbei”, sagte van der Poel später. Nach einem Defekt hatte er sehr lange auf Ersatzmaterial warten müssen.

Seltene Vielseitigkeit

Solo-Sieg: Wout van Aert kämpfte sich im Jahr 2021 auf dem Weg zum Etappensieg bei der Tour de France als Solist über den Mont Ventoux Richtung Ziel in MalaucèneFoto: Getty Images/Tim de WaeleSolo-Sieg: Wout van Aert kämpfte sich im Jahr 2021 auf dem Weg zum Etappensieg bei der Tour de France als Solist über den Mont Ventoux Richtung Ziel in Malaucène

Van Aert ist ein Alleskönner: Dreimal Cross-Weltmeister, Siege bei Mailand-San Remo (2020), Strade Bianche (2020), Amstel Gold Race (2021) und Paris-Roubaix (2026) hat er gefeiert - dazu insgesamt zehn Etappensiege bei der Tour de France - im Sprint, als Ausreißer, im Einzelzeitfahren und als Krönung bei der doppelten Überfahrt über den Mont Ventoux im Jahr 2021. Dazu holte er drei WM-Medaillen im Straßenrennen (Silber 2020) und Einzelzeitfahren (zweimal Silber) sowie Olympia-Silber im Straßenrennen in Tokio 2021 und im Kampf gegen die Uhr in Paris 2024.

Der Respekt der Konkurrenz

Andreas Klier war selbst einmal Zweiter der Flandern-Rundfahrt. Der Deutsche hätte viel dafür gegeben, selbst einmal bei einem der Monumente ganz oben zu stehen. Von TOUR zu seinen Favoriten für die Kopfsteinpflaster befragt, nannte er vor dem Rennen Wout van Aert als den Mann, den er gerne ganz oben sehen würde. Dabei arbeitet der 50-Jährige Oberbayer als Sportlicher Leiter beim Konkurrenzteam EF Education First. Der Grund: “Es würde gut in seine Palmarès passen.” Oder anders gesagt: Der bei vielen Fans beliebte Flame hätte es einfach verdient, seine Karriere mit einem Sieg bei einem der ganz großen Eintagesrennen auf Kopfsteinpflaster zu veredeln. “Ich glaube, jeder wollte, dass er es schafft. Ich auch. Es ist sehr schön für ihn”, sagte der vom Pech verfolgte Ex-Weltmeister Mathieu van der Poel im Ziel zum Sieg seines langjährigen Rivalen. “Herzlichen Glückwunsch an Wout zu einem großartigen Sieg”, schrieb der im Sprint unterlegene Tadej Pogacar auf Instagram. Dem Slowenen fehlt weiterhin ein Erfolg bei Paris-Roubaix.

Eine öffentliche Person

Van Aert (rechts) beim TOUR-Interview im Jahr 2018Foto: Andreas KublikVan Aert (rechts) beim TOUR-Interview im Jahr 2018

Im Jahr 2018 gab van Aert TOUR ein exklusives Interview während seines Höhentrainingslagers nahe Livigno. Dort sprach er auch darüber, dass er mit seiner Ehefrau Sarah de Bie und Mutter seiner Söhne beschlossen hat, viele private Einblicke in sein Leben mit der Öffentlichkeit via Social Media zu teilen. Er ist der Meinung, dass er den Fans für ihre Unterstützung etwas zurückgeben sollte und dass er auf diese Weise die Neugier bedient, die ohnehin besteht.

Andreas Kublik ist seit einem Vierteljahrhundert als Profisport-Experte für TOUR an den Rennstrecken der Welt unterwegs – vom Ironman in Hawaii, über unzählige Weltmeisterschaften von Australien bis Katar und festem Dienstreise-Ziel Tour de France. Selbst begeisterter aktiver Radsportler mit Hang zum Leiden – egal, ob bei Mountainbike-Marathons, Ötztaler oder einem schmerzhaften Selbsterfahrungstrip auf dem Pavé von Paris-Roubaix.

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