Zum siebten Mal trägt die Tour of the Alps nun diesen Namen. Bis 2016 hieß die Rundfahrt, die sich damals noch auf Italien beschränkte, Giro del Trentino. Ihre Wurzeln reichen bis in die 1960er Jahre zurück. Damiano Cunego ist mit drei Siegen Rekordhalter, insgesamt haben die Italiener auch die meisten Gesamtsiege eingefahren.
Doch seit der Namensänderung machen Briten und Franzosen die Rundfahrt unter sich aus. Geraint Thomas, Thibaut Pinot, Pavel Sivakov, Simon Yates, Romain Bardet und im Vorjahr Tao Geoghegan Hart waren die letzten Titelträger.
Aufgrund ihrer Terminierung hat sich die Tour of the Alps in den letzten Jahren als Rundfahrt herausgestellt, die den Teilnehmern des Giro d’Italia nochmal als letzte Prüfung vor dem dreiwöchigen Saison-Highlight ordentlich auf den Zahn fühlt. Viele Profis, die bei der Grand Tour vorne mitmischen, holen sich im Alpen-Rennen den letzten Schliff und beweisen dort in der Regel schon eine gute Form. So wie Geoghegan Hart, der 2023 den Giro auf Platz 3 liegend nach einem Sturz auf der 11. Etappe verlassen musste. Oder Lennard Kämna, der die Königsetappe für sich entschied und dann auch beim Giro in die Top 10 fuhr.
Fünf Etappen umfasst die Tour of the Alps, die auch 2024 wieder zur UCI Pro Series, der wichtigsten Kategorie nach der World Tour, gehört. Dabei bleiben sich die Veranstalter treu und setzen überwiegend auf kurze Etappen. Lediglich das grenzüberschreitende Teilstück von Italien nach Österreich tanzt dabei mit knapp 190 Kilometern aus der Reihe. Das Rennen verbindet die Regionen Südtirol mit Tirol und dem Trentino.
Nachdem die Rundfahrt in den vergangenen beiden Jahren in Nordtirol und im Trentino gestartet wurde, geht der Auftakt nun im südlichen Zipfel Südtirols über die Bühne. In Neumarkt, ein paar Kilometer südlich von Bozen, fällt der Startschuss für die ersten 133 Kilometer.
Um ins Tagesziel nach Kurtinig an der Weinstraße zu kommen, muss zunächst der Anstieg nach Andalo gemeistert werden. Der ist mit 15 Kilometern zwar lang, aber gleichmäßig und mit 5,3 Prozent im Schnitt nicht allzu steil.
Nach 80 Kilometern ist Kurtinig erstmals erreicht. Doch bevor der erste Sieger der Rundfahrt gekürt werden kann, gilt es noch eine zweimal zu fahrende Schleife zu meistern. Ihr Höhepunkt ist der Anstieg nach Penon. Hier wird es vor allem zu Beginn mit mehr als 14 Prozent richtig steil. Nachdem der Berg ein zweites Mal passiert ist, sind es noch 17 Kilometer zurück bis ins Ziel. Dort angekommen, sind die ersten 2060 Höhenmeter der Rundfahrt absolviert.
Unweit vom Ziel des ersten Tages beginnt auch die 2. Etappe der Tour of the Alps in Südtirol. Von Salurn geht es nach Stans in Österreich. Und dabei geht es bis zum Höhepunkt des fast nur bergauf, wenn zunächst auch ganz seicht. Doch dann wartet an der Grenze der Brennerpass, der bis zu sieben Prozent Steigung bereithält. Danach ist die Strecke durch das Inntal und vorbei an Innsbruck tendenziell eher abschüssig.
Bis es nach Gnadenwald geht. In der Gemeinde wartet 15 Kilometer vor dem Ziel die zweite Bergwertung des Tages, die mit rund viereinhalb Kilometern zu den kürzeren, aber mit mehr als sieben Prozent zu den steileren Anstiegen gehört.
Wer dort als Erster oben ankommt, muss aber auch noch ein paar Körner übrig haben, um in Stans über den Sieg jubeln zu können. Denn die letzten 500 Meter des Tages sind nochmal ansteigend und beinhalten die letzten der 2510 Höhenmeter der Etappe.
Den dritten Tag verbringt das Feld komplett auf österreichischen Straßen. In Schwaz am Inn beginnt die Etappe. Und dort endet sie auch. Die ersten knapp 90 Kilometer der insgesamt nur 127 sind zwar leicht wellig, dürften aber keine größeren Probleme bereiten. Das ändert sich dann aber schlagartig. Denn bevor es zurück nach Schwaz geht, ist eine kleine Extrarunde eingeplant.
Über Weerberg geht es hinauf zum Pillberg - und das ganze doppelt. Es warten also vier Anstiege, die jeweils auf drei Kilometern gut zehn Prozent durchschnittliche Steigung mit sich bringen. So kommen insgesamt 2360 Höhenmeter zusammen.
Nach einem Transfer zurück nach Südtirol wartet die Königsetappe auf die Fahrer. Die 4. Etappe startet in Leifers und damit wieder in Südtirol. Das Tagesziel liegt im Trentino, genauer in Borgo Valsugana. Kaum einer der insgesamt 141,3 Kilometer ist eben. Doch irgendwie müssen die 3830 Höhenmeter zusammenkommen.
Zunächst schlagen die Fahrer Richtung Süden ein und müssen mit dem Passo San Lugano und dem Passo del Redebus zwei Riesen überqueren, ehe sich eine lange Abfahrt nach Pergine Valsugana anschließt. Unten angekommen, geht es direkt wieder bergauf zum Passo del Compet, der auf gut zehn Kilometern mehr als acht Prozent Steigung mit sich bringt.
Es schließt sich direkt die Abfahrt nach Levico Terme an, wo die Tour of the Alps einen Tag später endet. Doch auf der 4. Etappe ist der Ort nur Durchgangstation auf dem Weg zum Passo del Vetriolo, der erstmals in der Geschichte der Rundfahrt überquert wird. 9,4 Kilometer lang und 8,7 Prozent steil – hier dürfte eine Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg fallen, obwohl nach einer weiteren Abfahrt auch noch der Colle San Marco und die letzten abfallenden Kilometer bis ins Ziel zurückgelegt werden müssen.
Alles andere als einen ruhigen Abschluss bildet der Schlussakkord um Levico Terme. In den 118,6 Kilometern, den kürzesten der Rundfahrt, stecken nochmal 2490 Höhenmeter. Zunächst bleibt das Terrain flach und auf einem Rundkurs wird die Zielgerade zweimal passiert, ehe eine weitere Schleife angefahren wird, die doppelt absolviert werden muss.
Die ist rund 25 Kilometer lang und wartet mit dem Anstieg nach Palu del Fersina auf. Der ist 12,5 Kilometer lang und 6,2 Prozent steil, aber sehr gleichmäßig gefahren. Die lange Abfahrt bildet gleichzeitig die Anfahrt zur letzten Rampe der Rundfahrt.
Fünf Kilometer vor dem Ende geht es dort nochmal kurz und steil bergauf. Falls nur wenige Sekunden in der Gesamtwertung eine Rolle spielen, können die dort durchaus noch herausgeholt werden.
In Deutschland ist die Tour of the Alps im Fernsehen im Free-TV bei Eurosport 1 zu sehen. Bei Discovery Plus (kostenpflichtig) gibt es zudem einen Live-Stream zu allen Etappen.