Sebastian Lindner
· 17.04.2024
Mit 26 Jahren hat Juan Pedro Lopez (Lidl-Trek) seinen ersten Sieg als Profi eingefahren. Der Spanier hat die 3. Etappe der Tour of the Alps rund um das österreichische Schwaz nach 125 Kilometern als Solist für sich entschieden. Seinen bisher größten Erfolg der Karriere feierte er “an einem der kältesten Tage auf dem Rad meines Lebens”, so der Sieger im Interview nach dem Rennen. Vier Grad und Regen bot der Tag, den Lopez einerseits als “großartig”, andererseits aber auch aufgrund der Wetterbedingungen als “Scheißtag für das ganze Feld” beschrieb.
Loepz setzte sich gemeinsam mit dem jungen Italiener Giulio Pellizzari (VF Group - Bardiani CSF - Faizane) an der ersten von zwei Überfahrten des Pillbergs etwa 30 KIlometer vor dem Ziel aus der Favoritengruppe ab, die kurz zuvor den einzigen Ausreißer des Tages, Filippo Ganna (Ineos Grenadiers), gestellt hatte.
Da viele Profis, unter anderem auch Geraint Thomas (Ineos Grenadiers), mit den Bedingungen zu kämpfen hatten, organisierte sich keine echte Nachführarbeit, der bisherige Gesamtführende Tobias Foss (Ineos Grenadiers) machte die Arbeit für den Rest des Tages fast komplett allein. Trotzdem musste er sein Trikot letztlich an Lopez abtreten, der die Gesamtwertung nun mit 31 Sekunden vor dem Norweger anführt.
Neben Lopez schaffte es auch sein Fluchtkollege Pellizzari vor der Favoritengruppe ins Ziel. Zu der gehörten allerdings nur noch acht Fahrer, darunter das Decathlon-Trio Ben O’Connor und die Paret-Peintre-Brüder Aurelien und Valentin sowie Romain Bardet (Team dsm-firmenich PostNL) und Wout Poels und Antonio Tiberi (beide Bahrain-Victorious). Weitere Fahrer dürften vor der Königsetappe am Donnerstag im Kampf um den Gesamtsieg keine Rolle mehr spielen.
Während das Grüne Trikot seinen Besitzer wechselte, bleibt ansonsten an der Spitze der Sonderwertungen alles beim Alten: Foss führt weiterhin die Punktewertung, Mattia Bais (Polti-Kometa) behält das Bergtrikot. Tiberi ist - zeitglich mit Valentin Paret-Peintre - bester Jungprofi.
Nach etwas mehr als zehn Kilometern startete ein Profi einen Fluchtversuch, bei dem nicht unbedingt damit zu rechnen war: Ganna griff an, fand aber keine Mitfahrer. So versuchte sich der 27 Jahre alte Italiener als Solist.
Während Ganna seinen Vorsprung nach 70 Kilometern Flucht auf 2:30 Minuten ausgebaut hatte, versuchte hinter ihm Kyrolo Tsarenko (Corratec-Vini Fantini), der bereits an den ersten beiden Tagen aktiv war, mit einer Verzweiflungstat nach knapp 90 Kilometern ebenfalls als Solist aus dem Feld zu fahren. Die Aktion scheiterte.
Ganna räumte bei ungemütlichen Temperaturen nicht weit vom Nullpunkt entfernt und Regen beide Zwischensprints am Reintaler See und in Jenbach ab und bekam maximal knapp vier Minuten Vorsprung zugesprochen. Bei noch etwa 50 zu fahrenden Kilometern begann sein Polster wieder zu schrumpfen.
Mit etwa zweinhalb Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld ging Ganna nach 90 Kilometern in die erste Überquerung des Weerberges, der wie der Pillberg kurz darauf zweimal gefahren wurde. Doch während er am ersten Anstieg (2. Kategorie) die Bergpunkte noch abräumte, wurde er am Fuße des Pillbergs (2. Kategorie) wieder gestellt.
Nach Gannas Einholung ging Bardet in die Offensive, doch er kam nicht weit. Mehr Erfolg hatte die Attacke von Lopez und Pellizzari, die sich am Gipfel des Pillbergs - Lopez hatte die Bergwertung gewonnen - ein 20-Sekunden-Polster auf die auf etwa 20 Fahrer geschrumpfte Favoritengruppe, in der Thomas um den Anschluss kämpfen musste, herausgefahren hatte.
Auf dem kurzen Flachstück bevor die beiden Berge erneut in Angriff genommen wurden, hatte das Duo seinen Vorsprung auf 50 Sekunden ausgebaut, ein Großteil davon war auch neun Kilometer vor dem Ziel nach dem Weerberg noch übrig. Als es wieder in den Pillberg ging, war Poels der erste Angreifer in der Verfolgergruppe, der aber schnell wieder gestellt wurde. Vorne hingegen schüttelte Lopez seinen Begleiter ab. Und das war von Dauer. Der Spanier war nicht mehr einzuholen und brachte 22 Sekunden auf Pellizzari ins Ziel, Foss führte acht Verfolger 38 Sekunden nach Lopez an.