Pogačars PalmarèsDiese Rennen fehlen dem Topstar noch

Leon Weidner

 · 26.10.2026

Pogačars Palmarès: Diese Rennen fehlen dem Topstar nochFoto: Getty Images/Alexander Hassenstein
Tadej Pogačar hat schon so einige Siege in der Tasche. Andere fehlen ihm jedoch noch, die Spanien-Rundfahrt gehört dazu.
​Tadej Pogačar hat fast alles gewonnen, was im Radsport Rang und Namen hat. Ein paar Lücken klaffen in seinem Palmarès aber noch. Die erste Gelegenheit, eine davon zu schließen, könnte sich schon im Januar in Australien ergeben.

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​Tadej Pogačar hat einmal erklärt, warum ihn manche Rennen nicht mehr so reizen wie früher. Ein zweiter Sieg fühle sich nicht gleich an, weil er hinter dieses Rennen schon einen Haken gesetzt habe. Wer so denkt, schaut irgendwann vor allem auf die Rennen, hinter denen noch kein Haken steht. Bei Pogačar ist diese Liste inzwischen überschaubar.

Eine Saison wie gemalt für Tadej Pogačar, bis Xeraco

Bis Ende August lief 2026 für Pogačar fast nach Plan. Im Frühjahr gewann er Strade Bianche, Mailand–Sanremo, die Flandern-Rundfahrt und Lüttich–Bastogne–Lüttich. Dazu kamen die Gesamtwertungen der Tour de Romandie, der Tour de Suisse und der Tour de France. Mit dem fünften Toursieg ist er erst der fünfte Fahrer der Geschichte, dem das gelungen ist. Mit Sanremo füllte er zudem eine der Lücken, die ihn jahrelang begleitet hatten.

Bei der Vuelta wollte er die nächste schließen, doch es kam anders. Auf der 8. Etappe nach Xeraco stürzte Pogačar 32 Kilometer vor dem Ziel im Flachen, im Roten Trikot und mit 3:50 Minuten Vorsprung auf Enric Mas. Die Diagnose lautete Gehirnerschütterung, Bruch des linken Schlüsselbeins und Bruch eines Halswirbels. Die Saison war damit vorbei. Statt weitere Rennen abzuhaken, musste Tadej Pogačar zuschauen.

Die großen Drei: Roubaix, Vuelta, Olympia

Drei Lücken stechen in seinem Palmarès heraus. Die erste ist Paris–Roubaix, seit dem Sieg in Sanremo das einzige Monument, das ihm noch fehlt. Ganz knapp verpasst hat er es schon zweimal. Bei seinem Debüt 2025 bildete er mit Mathieu van der Poel lange die Spitze, stürzte dann aber und wurde Zweiter. Ein Jahr später kämpfte er sich nach einem Defekt und mehreren Radwechseln zurück nach vorne und fuhr mit Wout van Aert allein ins Velodrom. Dort zog er im Sprint den Kürzeren.

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Ausgerechnet bei diesem Rennen ist offen, ob er 2027 überhaupt wieder antritt. In seinen bisher bekannt gewordenen Plänen für die kommende Saison taucht die Hölle des Nordens nicht auf. Endgültig ist das nicht: Ein vorläufiges Rennprogramm will das Team in Abu Dhabi festlegen und im Dezember vorstellen.

Fest eingeplant ist dagegen die Vuelta a España. Sie ist die einzige große Rundfahrt, die Tadej Pogačar noch fehlt, ausgerechnet die, bei der seine Grand-Tour-Karriere begann. 2019 fuhr er dort als 20-Jähriger mit drei Etappensiegen auf Rang drei. Im slowenischen Fernsehen RTV nannte er nun sein Ziel für 2027: die WM in Kombination mit Tour und Vuelta. Eigentlich würde er lieber zum Giro fahren, sagte er, die Vuelta müsse er aber irgendwann abhaken. Einfach wird das nicht. Die WM am 29. August in Sallanches führt über 265 Kilometer mit 5.700 Höhenmetern, und sechs Tage später beginnt bereits die Spanien-Rundfahrt.

Bleibt Olympia-Gold. In Tokio holte Pogačar 2021 im Straßenrennen Bronze. Bei den Spielen in Paris 2024 verzichtete er nach Giro und Tour wegen großer Erschöpfung auf einen Start. Die nächste Chance bieten die Spiele 2028 in Los Angeles. Auch deshalb gilt 2027 als das passende Jahr für die Vuelta: 2028 folgen auf die Tour direkt die Olympischen Spiele, und eine weitere große Rundfahrt würde dann womöglich zu viel.

Die WorldTour-Bilanz von Tadej Pogačar: 17 von 36

Neben den drei großen Lücken lohnt sich ein Blick in den gesamten WorldTour-Kalender, und der fällt überraschend aus. 36 Rennen umfasste die höchste Rennserie 2026. Pogačar hat davon 17 mindestens einmal gewonnen, darunter Giro und Tour, die großen Etappenrennen im Frühjahr und die Tour Auvergne-Rhône-Alpes, das frühere Critérium du Dauphiné. 19 WorldTour-Rennen fehlen dem besten Fahrer der Welt also noch, mehr als die Hälfte.

Einige davon sind durchaus realistisch für den Slowenen. Bei der Baskenland-Rundfahrt wurde Pogačar 2019 Sechster und 2021 Dritter. Bei der E3 Saxo Classic reichte es 2023 zu Rang drei, bei Dwars door Vlaanderen 2022 zu Platz zehn. Besonders kurios ist der GP Québec: Das Schwesterrennen in Montréal hat Pogačar zweimal gewonnen, in Québec dagegen kam er 2022 nicht in die Entscheidung und wurde 2024 Siebter. Klar, das Rennen in Québec ist deutlich auf sprintstarke Fahrer ausgelegt. Eine Chance hat Tadej Pogačar hier sicherlich trotzdem. Auch bei der Clásica San Sebastián wartet er noch auf ein gutes Ergebnis, 2022 musste er dort entkräftet aussteigen, Remco Evenepoel konnte das Rennen bereits viermal gewinnen. Bei der Bretagne Classic ging er zweimal an den Start, 2021 und 2022, und spielte beide Male keine Rolle für den Sieg.

Andere Rennen fehlen schlicht, weil sie bisher nicht auf seinem Programm standen. Das gilt für den Omloop Het Nieuwsblad, den Klassiker Eschborn–Frankfurt, die Tour de Pologne und die Tour of Guangxi, das Saisonfinale in China. Dazu kommt das Eintagesrennen in Australien, das Cadel Evans Great Ocean Road Race. Die Tour Down Under hat er in seinem ersten Profijahr bereits bestritten, ein Sieg fehlt ihm hier auch noch.

Und dann gibt es eine Handvoll WorldTour-Rennen, bei denen auch Pogačar praktisch keine Chance hat. Classic Brugge–De Panne, Gent–Wevelgem, der Copenhagen Sprint, die Hamburg Cyclassics und die Renewi Tour werden meist im Massensprint entschieden. Hier geben Fahrer wie Jasper Philipsen den Ton an, der 2026 gleich drei dieser fünf Rennen gewann. Für einen Kletterer und Allrounder sind sie kaum zu gewinnen, und Tadej Pogačar dürfte sie auch künftig eher meiden.

Und dann ist da noch Australien

Mit diesen Lücken bekommt eine Meldung aus den vergangenen Tagen zusätzliches Gewicht. Pogačar hat nach seinem Sturz deutlich früher mit dem Training begonnen als üblich. Bis er wieder auf dem Rad saß, dauerte es zwar fünf Wochen. Inzwischen trainiere er aber regelmäßig, sagte er, und damit einen Monat früher als in den Vorjahren. Damit stand fast zwangsläufig die Frage im Raum, wie sein Rennkalender 2027 aussehen wird. Eine der Möglichkeiten ist eine Rückkehr zur Tour Down Under, es wäre seine zweite Teilnahme.

In Australien hat für Pogačar alles begonnen. 2019 gab er bei der Tour Down Under sein Debüt für sein Team und wurde 13. der Gesamtwertung. Seitdem war er nie wieder dort. Sein Freund Michael Matthews hält einen Start durchaus für möglich. Er wäre nicht überrascht, ihn dort zu sehen, sagt der Australier, Pogačar klinge so, als freue er sich sehr darauf, irgendwann dort zu fahren.

Ein früher Saisonstart hätte mehrere Vorteile. Er würde eine längere Pause vor dem Sommer erlauben und vielleicht weniger Frühjahrsklassiker bedeuten. Bei einem Sommer mit Tour, WM und Vuelta wäre das sinnvoll, und es würde auch erklären, warum Roubaix in den bisherigen Plänen fehlt. Die australische Saisoneröffnung bietet zudem gleich zwei Gelegenheiten: Auf die Tour Down Under folgt wenige Tage später das Cadel Evans Great Ocean Road Race. Pogačar könnte also schon in den ersten zwei Wochen der Saison zwei Rennen von seiner Liste streichen.

Gelassener, aber nicht genügsam

Nach der verletzungsbedingten Pause wirkt Pogačar etwas gelassener als früher. Beim Zuschauen bei WM und EM habe er das Rennfahren natürlich vermisst. Je älter er werde, desto leichter falle es ihm aber, den Rennen fernzubleiben und andere Dinge zu finden, die ihm Freude machen. Nach einem Fahrer, der verbissen Rennen gewinnen will, klingt das nicht. Seine Ziele für 2027 sprechen trotzdem eine deutliche Sprache: der sechste Toursieg, das Regenbogentrikot zurück und endlich die Vuelta. An Lücken, die er noch schließen kann, fehlt es ihm jedenfalls nicht, und die erste Gelegenheit dazu könnte schon im Januar kommen.

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Leon Weidner

Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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