Degenkolb kontert Vorwüfe gegen Picnic PostNL“Nie eine Angstkultur erlebt”

Lukas Niebuhr

 · 21.10.2026

Degenkolb kontert Vorwüfe gegen Picnic PostNL: “Nie eine Angstkultur erlebt”Foto: Getty Images / Gongora
John Degenkolb äußerte sich via Instagram zu den Vorwürfen gegen sein Team Picnic PostNL.
​Die Vorwürfe gegen Picnic PostNL sorgen weiterhin für Diskussionen. Nun haben sich mehrere Fahrer zu Wort gemeldet, darunter John Degenkolb, der den Vorwurf einer „Angstkultur“ entschieden zurückweist. Doch die Journalisten hinter der Recherche halten dagegen.

Themen in diesem Artikel

​Die Diskussion um die schweren Vorwürfe gegen das Team Picnic PostNL nimmt weiter Fahrt auf. Nachdem NOS Sport und In De Waaier in einer umfangreichen Recherche von einer Angstkultur innerhalb des niederländischen Rennstalls berichtet hatten, melden sich nun mehrere Fahrer öffentlich zu Wort. Besonders deutlich positionierte sich John Degenkolb, der die Darstellung der Recherche kritisch hinterfragt. Darauf reagierte wiederum einer der beteiligten Journalisten, Thijs Zonneveld.

Worum es geht

Die von NOS Sport und In De Waaier veröffentlichte Recherche basiert auf den Aussagen zahlreicher aktueller und ehemaliger Fahrer sowie Mitarbeiter. Im Zentrum stehen Vorwürfe rund um den Führungsstil innerhalb der Mannschaft, die von einigen Beteiligten als von Druck und Angst geprägt beschrieben wurde.

Die Vorwürfe sorgten für eine Flut an medialer Berichterstattung. Picnic PostNL selbst wies die Darstellungen zurück und kündigte an, die Vorwürfe sorgfältig und unabhängig prüfen zu lassen.

Degenkolb: „Nie eine Angstkultur erlebt“

Nun hat sich mit John Degenkolb einer der erfahrensten Fahrer des Teams öffentlich geäußert. In einem Instagram-Post erklärte der 37-Jährige, dass er in seinen insgesamt zehn Jahren bei der Mannschaft „nie eine Angstkultur“ erlebt habe. Dies gelte sowohl für seine erste Zeit im Team als auch für seine Rückkehr im Jahr 2022.

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Zugleich betonte Degenkolb, dass kritische Stimmen selbstverständlich gehört und ernst genommen werden müssten. Für eine faire und ausgewogene Aufarbeitung müssten jedoch sämtliche Perspektiven berücksichtigt werden. Der Deutsche verwies darauf, dass das Team mit Fahrern und Mitarbeitern über viele Jahre hinweg mehrere hundert Personen umfasst habe. Negative Erfahrungen einzelner Beteiligter dürften daher nicht automatisch als allgemeingültiges Bild des gesamten Rennstalls verstanden werden.

Besonders kritisch hinterfragte Degenkolb einen zentralen Aspekt der Recherche. Direkt an die beteiligten Journalisten gerichtet fragte er öffentlich, weshalb auf Stimmen wie seine sowie die vieler anderer aktueller und ehemaliger Teammitglieder verzichtet worden sei.

Auch andere Fahrer widersprechen

Degenkolb ist nicht der einzige Fahrer, der die Darstellung der Recherche relativiert. Gegenüber verschiedenen Medien erklärten mehrere Fahrer, dass sie die geschilderte Angstkultur in dieser Form nicht erlebt hätten. “Ich habe mich im Team nie unsicher gefühlt und es war immer sehr angenehm“, sagte beispielsweise Tim Naberman gegenüber der Radsport-Nachrichtenseite Wielerflits während der Eneco Tour.

Gleichzeitig vermieden viele Beteiligte eine vollständige Zurückweisung der Recherche. Frank van den Broek erzählte der niederländischen Plattform, es sei schwer zu beurteilen, „wo genau die Wahrheit liegt“. Er verwies darauf, dass er bei vielen Situationen nicht dabei gewesen sei, weshalb man Geschichten von zwei Seiten höre. Dass einzelne Personen negative Erfahrungen gemacht hätten, stellte er dabei nicht grundsätzlich infrage.

Diese Differenzierung zieht sich auch durch weitere Reaktionen aus dem Umfeld des Teams. Während einige Fahrer ihre positiven Erfahrungen hervorheben, gibt van den Broek zu: “Ich glaube, alle mussten sich anpassen, als wir ins Team kamen.” Damit bezieht sich der 25-Jährige auf die regulierten Strukturen und Vorgaben des Teams, womit er nach eigenen Aussagen als Angestellter jedoch keine Probleme hatte.

Journalist Zonneveld reagiert öffentlich

Auf Degenkolbs Kritik antwortete der an der Recherche beteiligte Journalist Thijs Zonneveld ebenfalls öffentlich unter dem Instagram-Beitrag.

Zonneveld erklärte, man könne aus Gründen des Quellenschutzes nicht offenlegen, mit welchen Personen im Detail gesprochen worden sei. Allerdings widersprach er dem Eindruck, die Recherche stütze sich lediglich auf wenige kritische Stimmen. Nach seinen Angaben habe das Rechercheteam mit insgesamt 71 Fahrern, Ex-Fahrern, Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern gesprochen. Nach Veröffentlichung des Berichts seien weitere Personen hinzugekommen.

Gleichzeitig zeigte sich Zonneveld offen für einen Austausch mit Degenkolb. Er respektiere dessen Sichtweise, betonte jedoch, dass viele Menschen offenbar andere Erfahrungen gemacht hätten als der deutsche Klassiker-Spezialist.

Die Debatte dürfte weitergehen

Die aktuellen Reaktionen zeigen vor allem eines: Die Bewertung der Zustände bei Picnic PostNL fällt selbst innerhalb des Teams und seines Umfelds unterschiedlich aus. Während die Recherche von NOS Sport und In De Waaier zahlreiche kritische Stimmen zusammengetragen hat, stellen Fahrer wie Degenkolb klar, dass sie die geschilderte Angstkultur persönlich nicht erlebt haben.

Durch die öffentliche Antwort Zonnevelds hat die Debatte nun eine neue Ebene erreicht. Statt eines einfachen Gegensatzes zwischen Team und Recherche zeichnet sich zunehmend ein komplexeres Bild ab, in dem unterschiedliche Erfahrungen und Wahrnehmungen aufeinanderprallen. Gerade deshalb dürfte die Diskussion um die Teamkultur bei Picnic PostNL noch nicht beendet sein.

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Lukas Niebuhr

Lukas Niebuhr

Redakteur

Lukas Niebuhr ist gebürtige Bielefelder, studiert an der Deutschen Sporthochschule Köln im Master Sport, Medien- und Kommunikationsforschung und arbeitet als Werkstudent in der Online-Redaktion für BIKE und TOUR. In Köln fährt er gerne Gravelbike, seine Urlaube verbringt der Sportstudent am liebsten mit Skitouren oder auf dem (E-)MTB in den Bergen.

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