Dass die Spanien-Rundfahrt ganz oben auf seiner Prioritätenliste steht, überrascht kaum. Pogacar führte die Vuelta 2026 an, hatte bereits drei Etappensiege gefeiert und schien auf dem Weg zum ersten Gesamterfolg zu sein, ehe ihn ein schwerer Sturz auf der achten Etappe zur Aufgabe zwang.
Im Interview mit dem slowenischen Sender RTV SLO machte der Kapitän von UAE Team Emirates-XRG deutlich, dass die Vuelta für ihn inzwischen zu einer Herzensangelegenheit geworden ist. Schließlich ist sie die einzige Grand Tour, die dem 28-Jährigen noch in seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz fehlt. Selbst wenn er nach eigenen Aussagen den Giro d'Italia bevorzugen würde, müsse er die Vuelta „irgendwann abhaken“.
Besonders anspruchsvoll wird die Aufgabe 2027 durch den Kalender. Zwischen dem Straßenrennen der Weltmeisterschaften und dem Vuelta-Start liegen lediglich sechs Tage: Die Spanien-Rundfahrt beginnt am 4. September, nachdem das WM-Straßenrennen der Männer am 29. August in Frankreich ausgetragen worden ist.
Vor der Vuelta wartet auf Pogacar jedoch die vielleicht größte historische Chance seiner Karriere. Mit seinem fünften Tour-de-France-Sieg im Sommer 2026 zog er mit den bisherigen Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleich. Ein weiterer Erfolg würde ihn zum ersten Fahrer der Geschichte machen, der sechs anerkannte Gesamtsiege bei der Frankreich-Rundfahrt errungen hat.
Angesichts seiner Dominanz in den vergangenen Jahren erscheint dieses Ziel keineswegs unrealistisch, sondern fast schon als logische Konsequenz. Die letzten drei Austragungen der Tour gewann der Slowene bereits in Folge.
Das dritte große Ziel ist die Rückkehr ins Regenbogentrikot. Nachdem Pogacar die Weltmeisterschaften 2024 und 2025 gewinnen konnte, wurde sein Versuch einer weiteren Titelverteidigung 2026 durch die Folgen des Vuelta-Sturzes zunichtegemacht. Die WM 2027 findet auf dem äußerst anspruchsvollen Kurs rund um Sallanches und Domancy in Frankreich statt. Mit 265 Kilometern, rund 5700 Höhenmetern und zahlreichen Überquerungen der steilen Côte de Domancy dürfte das Profil dem explosiven Kletterer entgegenkommen.
Auffällig ist allerdings, welches Rennen Pogacar bei der Vorstellung seiner Ziele nicht erwähnte: Paris-Roubaix. Dabei wäre gerade der Kopfsteinpflaster-Klassiker ein weiterer historischer Meilenstein. Nach seinen Erfolgen bei Mailand-Sanremo, der Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt fehlt ihm nur noch „Die Hölle des Nordens“, um alle fünf Monumente des Radsports gewonnen zu haben.
Zweimal war Pogacar bereits nahe dran. Bei seinem Debüt 2025 musste er sich Mathieu van der Poel geschlagen geben, 2026 wurde er hinter Wout van Aert Zweiter. Entsprechend erscheint es durchaus möglich, dass Paris-Roubaix trotz fehlender Erwähnung erneut einen Platz in seinem Programm erhält.
Die gute Nachricht für Pogacars Fans: Die Reha verläuft offenbar planmäßig. Der Slowene trainiert bereits wieder regelmäßig und will am 29. November beim Wohltätigkeitskriterium BEKING in Monaco erstmals seit seinem Vuelta-Sturz wieder mit einer Startnummer antreten. Gemeinsam mit seiner Partnerin Urška Žigart wird er dort Teil der Charity-Veranstaltung sein.
Sollte alles nach Plan verlaufen, könnte 2027 zu einer der bedeutendsten Spielzeiten in Pogacars Karriere werden. Tour-Rekord, WM-Titel und Vuelta-Premierensieg wären selbst für einen Fahrer seines Kalibers ein außergewöhnlicher Dreifach-Coup. Und vielleicht kommt mit Paris-Roubaix sogar noch ein viertes historisches Kapitel hinzu.

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