5 Learnings der Rad-WMEin Helfer wird Weltmeister, Lehrgeld und erfolglose Favoriten

Leon Weidner

 · 28.09.2026

5 Learnings der Rad-WM: Ein Helfer wird Weltmeister, Lehrgeld und erfolglose FavoritenFoto: Getty Images/Tim de Waele
Kuriose Vorstellung: Brandon McNulty wird mit dem Regenbogentrikot weiterhin Helferdienste für seinen Kapitän Tadej Pogačar verrichten

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​Spektakuläre Attacken, ein überraschender Weltmeister und wertvolle Lektionen für die nächste Generation: Das Straßenrennen der Männer in Montréal lieferte jede Menge Gesprächsstoff. Wir ziehen die fünf wichtigsten Erkenntnisse einer denkwürdigen Rad-WM.

​Das Männer-Straßenrennen der Rad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal hielt, was die spektakuläre Strecke versprach. Über 273,4 Kilometer entwickelte sich ein Rennen voller Attacken, taktischer Wendungen und überraschender Sieger. Am Ende holte sich Brandon McNulty mit einer Solofahrt den Titel und bescherte den USA den ersten WM-Triumph in diesem Rennen seit 1993.

1. Ein Helfer wird Weltmeister bei der Rad-WM

In den vergangenen Jahren waren die großen Rennen der Rad-WM oft auf die absoluten Superstars zugeschnitten. Namen wie Tadej Pogačar, Mathieu van der Poel, Remco Evenepoel oder Wout van Aert bestimmten die Rennen. Brandon McNulty gehörte dagegen eher zur Kategorie der Fahrer, die normalerweise für solche Stars arbeiten. Im Trikot von UAE Emirates steht der Amerikaner häufig im Schatten von Pogačar und übernimmt dort meist die Rolle des Edelhelfers.

Gerade deshalb macht sein Triumph diese Weltmeisterschaft so besonders. McNulty bewies, dass bei einem Rennen über mehr als sechs Stunden nicht zwangsläufig der größte Name gewinnt. Stattdessen setzte sich ein Fahrer durch, der den perfekten Moment für seine Attacke erwischte, die nötige Stärke mitbrachte und vor allem die taktischen Fehler der Favoriten konsequent ausnutzte. Während sich hinter ihm Fahrer wie van der Poel, Evenepoel, Pidcock oder Del Toro gegenseitig neutralisierten, zog McNulty seinen Plan kompromisslos durch.

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Das wichtigste Learning lautet deshalb: Die Leistungsdichte im Profi-Radsport ist heute so groß wie selten zuvor. Selbst Fahrer, die im Alltag meist Helferdienste verrichten, besitzen das Niveau, um an einem perfekten Tag Weltmeister zu werden. Montréal ist der beste Beweis dafür.

2. Ausnahmetalent, aber noch kein fertiger Champion

Mit gerade einmal 20 Jahren gehörte Paul Seixas zu den meistdiskutierten Fahrern vor dem Rennen. Der Franzose bestätigte seine außergewöhnliche Klasse eindrucksvoll und mischte bis tief in die Schlussphase vorne mit. Dennoch blieb die erhoffte Medaille aus. Auf den letzten Kilometern kämpfte Seixas mit Krämpfen und konnte im Finale nicht mehr entscheidend eingreifen.

Seixas besitzt bereits jetzt das Niveau, um gegen Fahrer wie Remco Evenepoel, Tom Pidcock oder Isaac del Toro mitzuhalten. Doch eine Rad-WM über mehr als sechs Stunden verlangt nicht nur Talent, sondern auch Erfahrung im Umgang mit Ernährung, Belastungssteuerung und Kräftehaushalt. Das dürfte für den Franzosen eine wertvolle Lektion sein.

3. Die Generation der Super-Talente übernimmt die Rad-WM

Nicht nur Seixas machte Werbung für die Zukunft des Radsports. Auch Isaac del Toro gehörte zu den aktivsten Fahrern im Finale und war einer der Motoren. Immer wieder setzte der Mexikaner Akzente und zwang die anderen Favoriten zum Reagieren.

Die Rad-WM zeigte eindrucksvoll, wie jung die neue Elite inzwischen ist. Fahrer wie Del Toro und Seixas fahren längst nicht mehr nur auf Top-Ten-Platzierungen. Sie gestalten die größten Rennen aktiv mit und dürften die kommenden Weltmeisterschaften prägen.

4. Belgien bleibt trotz Superstar-Dichte ein taktisches Rätsel

Wieder einmal verfügte Belgien mit Remco Evenepoel und Wout van Aert über zwei der größten Favoriten. Wieder einmal blieb am Ende nur Ernüchterung. Während van Aert offensiv fuhr und mehrere Attacken initiierte, geriet Evenepoel mehrfach in schlechte Positionen. Später sagte der Zeitfahr-Weltmeister, dass er keinen guten Tag erwischt habe. Im Finale fuhr er jedoch teilweise große Lücken zu.

Das Muster ist nicht neu. Belgien besitzt vielleicht den stärksten Kader der Welt, schafft es aber regelmäßig nicht, diese Stärke in einen Titel beim Straßenrennen der Rad-WM umzuwandeln. Montréal war ein weiteres Beispiel dafür, dass große Namen allein nicht reichen.

5. Rennen ohne Funk sorgen für deutlich mehr Spektakel

Die Weltmeisterschaften werden traditionell ohne Rennfunk gefahren, und Montréal zeigte einmal mehr, warum viele Fans dieses Format lieben. Immer wieder entstanden überraschende Rennsituationen, Verfolgergruppen arbeiteten uneinheitlich zusammen und die Favoriten mussten Entscheidungen selbst treffen.

Gerade McNultys Sieg war auch das Ergebnis dieser Dynamik. Mehrmals schien seine Flucht bereits gescheitert, doch hinter ihm stockte die Zusammenarbeit immer wieder. In einem komplett kontrollierten Rennen mit permanenter Funkkommunikation wäre eine solche Solofahrt vermutlich deutlich schwieriger gewesen.

Fazit

Die WM von Montréal war eines der spektakulärsten Straßenrennen der vergangenen Jahre. Brandon McNulty nutzte das Chaos perfekt und krönte sich zum Weltmeister. Gleichzeitig zeigte das Rennen, dass mit Fahrern wie Paul Seixas und Isaac del Toro bereits die nächste Generation an die Tür zur Weltspitze klopft. Und es bestätigte einmal mehr: Wenn die besten Fahrer der Welt ohne Funk über einen schweren Kurs gejagt werden, entstehen Rennen, die noch lange in Erinnerung bleiben.

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Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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