ADAC Cyclassics HamburgDas sind die Favoriten

Thomas Musch

 · 14.08.2026

ADAC Cyclassics Hamburg: Das sind die FavoritenFoto: Getty Images/Tim de Waele
Faszination Massensprint: Die Cyclassics in Hamburg bieten dafür eine attraktive Bühne
Die Cyclassics Hamburg werden meistens im Sprint entschieden. Allerdings ist das Rennen über rund 206 Kilometer keineswegs nur eine Angelegenheit für reine Top-Sprinter. Die fünf Passagen über den Waseberg, Windkanten und die hektische Schlussphase in der Hamburger Innenstadt verlangen auch Ausdauer, taktische Cleverness und Klassikerqualitäten.

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Die vorläufige Teilnehmerliste der Cyclassics Hamburg wird von einer Reihe schneller Fahrern angeführt. Als aussichtsreichste Kandidaten dürfen Jasper Philipsen, Jonathan Milan, Olav Kooij, Paul Magnier, Biniam Girmay, Arnaud De Lie und Jordi Meeus gelten. Die Favoriten im Einzelporträt:

Jonathan Milan (Lidl-Trek): Der kompletteste Top-Sprinter

Der Italienische Meister Jonathan Milan gewann zuletzt drei Etappen der Polen-RundfahrtFoto: Getty Images/Luc ClaessenDer Italienische Meister Jonathan Milan gewann zuletzt drei Etappen der Polen-Rundfahrt

Jonathan Milan kann als der Favorit mit den besten Gesamtchancen gelten. Der Italiener bringt nicht nur enorme Endgeschwindigkeit mit, sondern kann auch nach einem harten Rennverlauf noch sehr lange und druckvoll sprinten. Genau diese Kombination ist bei den Cyclassics Hamburg gefragt. In Max Walscheid weiß er zudem einen extrem starken Helfer an seiner Seite, der ihn bis ins Finale eskortieren kann.

Milans Saisonbilanz unterstreicht seine Position: Der 25-Jährige gewann 2026 bereits Etappen bei der AlUla-Tour, der UAE-Tour, bei Tirreno-Adriatico, beim Giro d’Italia sowie jüngst drei Tagesabschnitte bei der Polen-Rundfahrt. Außerdem konnte er die Italienischer Straßenmeisterschaft erringen. Bei den Cyclassics wird viel davon abhängen, ob Lidl-Trek Milan nach dem Waseberg in einer guten Position halten kann. Gelingt das, ist er im direkten Sprint nur schwer zu schlagen.

Jasper Philipsen (Alpecin-Premier Tech): Der Mann für den perfekten Massensprint

Jasper Phlipsen feiert seinen Sieg auf der 17. Etappe der diesjährigen Tour de France in VoironFoto: Getty Images/Gonzalo FuentesJasper Phlipsen feiert seinen Sieg auf der 17. Etappe der diesjährigen Tour de France in Voiron

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Jasper Philipsen führt die vorläufige Favoritenliste an und verfügt über die wohl größte Erfahrung in solchen Zielsprints. Der Belgier gewann in dieser Saison unter anderem bereits eine Etappe der Tour de France, den Copenhagen Sprint, sowie die Gesamt- und Sprintwertung der Baloise Belgium Tour. Insgesamt weist seine Saisonbilanz fünf Siege und 19 Platzierungen in den Top Ten aus.

Philipsen ist besonders stark, wenn sein Team das Rennen kontrolliert und ihn mit einem langen Zug in die letzten 200 Meter bringt. Die wiederholten Anstiege am Waseberg könnten allerdings verhindern, dass Alpecin-Premier Tech mit mehreren Fahrern den Zug für Philipsen auf der Mönckebergstraße formieren kann. Ein Sprint Mann gegen Mann könnte seinen direkten Konkurrenten eher entgegenkommen.

Olav Kooij (Decathlon CMA CGM): Spezialist für anspruchsvolle Sprints

Olav Kooij gewann bei der diesjährigenTour de France die fünfte Etappe nach Pau. Er hat die Cyclassics in Hamburg bereits 2024 einmal gewonnenFoto: Getty Images/Dario BelingheriOlav Kooij gewann bei der diesjährigenTour de France die fünfte Etappe nach Pau. Er hat die Cyclassics in Hamburg bereits 2024 einmal gewonnen

Olav Kooijs Fähigkeiten passen ebenfalls sehr gut zum Profil der Cyclassics. Der Niederländer ist ein klassischer Sprinter, verfügt aber über genügend Ausdauer, um auch nach einem langen und welligen Rennen konkurrenzfähig zu bleiben. Kooij gewann 2026 bereits mehrere Rennen, darunter zwei Etappen und die Punktewertung bei den Boucles de la Mayenne, Etappen bei der Baloise Belgium Tour und die fünfte Etappe der Tour de France. Zudem kennt Kooij das Terrain an Alster und Elbe gut, denn er hat die Cyclassics Hamburg 2024 bereits einmal gewonnen - vor Jonathan Milan und Biniam Girmay.

Die Chancen des erst 24-Jährigen steigen, wenn die Mannschaften am Waseberg hart fahren und dadurch einige reine Sprinter abgehängt werden. In einem Sprint einer kleineren Spitzengruppe könnte Kooij sogar leicht im Vorteil sein.

Paul Magnier (Soudal Quick-Step): Der junge Herausforderer

Der erst 22 Jahre alte Paul Magnier kommt mit der Empfehlung von drei Etappensiegen beim diesjährigen Giro d’Italia nach HamburgFoto: Getty Images/Dario BelingheriDer erst 22 Jahre alte Paul Magnier kommt mit der Empfehlung von drei Etappensiegen beim diesjährigen Giro d’Italia nach Hamburg

Paul Magnier ist einer der interessantesten Fahrer der vorläufigen Startliste für die Cyclassics Hamburg. Der erst 22 Jahre alte Franzose hat 2026 bereits sechs Siege erzielt, darunter drei Etappensiege beim Giro d’Italia. Hinzu kommt der Erfolg beim Muur Classic Geraardsbergen. Dabei ist Magnier nicht der klassische reine Sprinter. Er besitzt eine gute Beschleunigung, kann kurze Anstiege schnell fahren und kommt deshalb auch für einen Sprint aus einer kleineren Gruppe als möglicher Sieger infrage. Trotz seiner drei Siege beim Giro bleibt die Frage nach seiner Stress-Resistenz und Erfahrung in einem hektischen World-Tour-Finale. Für einen Sieg von Paul Magnier müsste das Rennen vermutlich eher selektiv als völlig kontrolliert verlaufen.

Biniam Girmay (NSN CyclingTeam): Der stärkste Kandidat für ein schweres Rennen

Binjam Girmays Formkurve zeigt nach dem Teamwechsel zu NSN wieder nach obenFoto: Getty Images/Jasper JacobsBinjam Girmays Formkurve zeigt nach dem Teamwechsel zu NSN wieder nach oben

Biniam Girmay ist besonders dann ein Kandidat für den Sieg, wenn der Rennverlauf härter wird als von den Sprintmannschaften geplant. Der Eritreer gewann 2026 die Clásica de Almería sowie Etappen bei der Volta a la Comunitat Valenciana und der Baloise Belgium Tour. Nach zuletzt eher schwierigen Jahren zeigt Girmays Formkurve nach dem Wechsel zu NSN wieder nach oben. Bei der Tour de France vor wenige Wochen erreichte der bislang einzige schwarzafrikanische Etappensieger und GEwinner des Grünen Trikots 2024 mehrere starke Platzierungen, darunter Rang zwei auf der achten Etappe und Rang drei auf der siebten Etappe.

Girmay fährt den Sprint oft aus einer guten Position selbst an und ist weniger darauf angewiesen, dass sein Team bis unmittelbar vor den Zielstrich alles kontrolliert. Das macht ihn in Hamburg zu einem besonders wertvollen Fahrer für ein Szenario mit einer kleineren Spitzengruppe.

Jordi Meeus (Red Bull-Bora-hansgrohe): Der unterschätzte Spezialist

Jordi Meeus ist unter den Sprintern einer der vielseitigsten Fahrer, der auch vom Waseberg nicht gebremst werden dürfteFoto: Getty Images/Rhode Van ElsenJordi Meeus ist unter den Sprintern einer der vielseitigsten Fahrer, der auch vom Waseberg nicht gebremst werden dürfte

Der 28 Jahre alte Jordi Meeus darf in der Favoritenaufstellung für die Cyclassics Hamburg nicht fehlen. Der Belgier gewann 2026 unter anderem die Brussels Cycling Classic, eine Etappe der Tour de Wallonie, eine Etappe der Vier Tage von Dünkirchen und das Ename Samyn Classic.

Meeus steht nicht so im Blickpunkt wie Jasper Philipsen oder Jonathan Milan, ist aber ein äußerst verlässlicher Fahrer für anspruchsvolle Sprintankünfte. Sein Erfolg bei der Brussels Cycling Classic über mehr als 200 Kilometer zeigt, dass ihm ein langer, schneller Renntag liegt. Für einen Sprintsieg von Meeus müsste Red Bull-Bora-hansgrohe das Rennen wahrscheinlich etwas härter gestalten. In einem vielköpfigen Massensprint liegen andere Fahrer vor ihm, in einem zähen Finale kann Meeus jedoch ganz vorne landen.

Arnaud De Lie (Lotto-Intermarché): Große Klasse, aber Fragezeichen

In Top-Form wäre Arnaud De Lie ein Siegkandidat für die Cyclassics. Seine bisherige Saison aber verlief nicht zufriedenstellendFoto: Getty Images/David PintersIn Top-Form wäre Arnaud De Lie ein Siegkandidat für die Cyclassics. Seine bisherige Saison aber verlief nicht zufriedenstellend

Arnaud De Lie gehört aufgrund seiner Fähigkeiten klar zum Favoritenkreis. Der Belgier kann kurze Anstiege schnell bewältigen und besitzt genügend Kraft für ein selektives Finale. Seine Saison 2026 verlief bislang jedoch deutlich wechselhafter als die Jahre zuvor. Der 24-Jährige gewann zwei Rennen beziehungsweise Wertungen und kam bei der Tour de Wallonie auf Rang drei der Gesamtwertung. Danach lief es nicht mehr rund für De Lie, die Tour de France musste er nach der dritten Etappe aufgeben.

Seine Klasse macht ihn trotzdem gefährlich. Wenn Lotto-Intermarché ihn ohne Zeitverlust über den Waseberg bringt, kann De Lie den Sprint gewinnen. Nach dem bisherigen Saisonverlauf ist er allerdings eher ein Kandidat für die erweiterten Favoritenränge als für die erste Reihe.

Die deutschen Hoffnungen

Die deutschen Chancen ruhen vor allem auf Phil Bauhaus, der auf der vorläufigen Startliste von Bahrain Victorious steht. Auch Max Walscheid (Lidl-Trek) und John Degenkolb (Picnic-Post NL) sind für das Rennen vorgesehen, dürften aber eher Aufgaben als Helfer bzw. Road Captain erfüllen.

Phil Bauhaus wäre bei einem klassischen Massensprint der aussichtsreichste deutsche Kandidat; bei der Tour de France vor wenigen Wochen war er selbst aber sehr unzufrieden mit seiner Form und Performance. Ob er die Zeit seit dem Tour-Finale nutzen konnte, um wieder besser in Schwung zukommen, wird erst das Rennen zeigen.

Das Favoriten-Ranking für die Cyclassics

RangFahrerBewertung
1Jonathan MilanBeste Kombination aus Sprint, Ausdauer und Saisonform
2Jasper PhilipsenTopfavorit bei einem kontrollierten Massensprint
3Olav KooijSehr stark, wenn das Finale durch den Waseberg schwer wird
4Paul MagnierGefährlicher junger Fahrer für ein reduziertes Finale
5Biniam GirmayBesonders interessant bei einem harten und selektiven Rennen
6Jordi MeeusStarker Außenseiter mit überzeugender Saisonbilanz
7Arnaud De LieHohe Klasse, aber mit Fragezeichen bei der aktuellen Form

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Thomas Musch

Thomas Musch

Herausgeber

Der lupenreine Freizeitsportler beschloss einst als Student der Germanistik und Politikwissenschaften, sein Glück als Journalist zu versuchen. Seine Rennradleidenschaft führte ihn schnurstracks als Praktikant in die TOUR-Redaktion, woraus eine inzwischen mehr als 30 Jahre währende Herzensangelegenheit geworden ist, 16 Jahre davon als Chefredakteur. Als – nach eigener Aussage – „Generalist in der Nische Radsport“ interessiert er sich für alle Themen rund ums Rennrad (und Gravelbike) und begeistert sich bis heute ganz besonders für den Rennsport. Highlights seiner eigenen Rennradler-Karriere sind die Teilnahme an der TOUR-Transalp, dem einen oder anderen Jedermann-Rennen und die regelmäßigen Alpentouren mit Freunden.

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