Green Shape statt Green WashingVaude jetzt unabhängig zertifiziert

Matthias Borchers

 · 17.10.2026

Anna Rodewald (links), Vorstandsmitglied im Green Shape® Verein, und Antje von Dewitz, VAUDE Geschäftsführerin, freuen sich über die erfolgreiche unabhängige Zertifizierung
Foto: Vaude
Vaude hat als erste Marke die unabhängige Zertifizierung nach dem Green-Shape-Standard durchlaufen. Nach Angaben des Unternehmens tragen 80 Prozent seiner Herbst- und Winterkollektion 2026 das neue Siegel. Was hat sich gegenüber dem bisherigen Label geändert, und was sagt es Käuferinnen und Käufern von Radbekleidung?

Themen in diesem Artikel

Vom firmeneigenen Label zum extern geprüften Standard

Green Shape war lange ein von Vaude entwickelter Umweltstandard. Anfang 2026 übertrug das Unternehmen die Verantwortung für die Kriterien an den gemeinnützigen Green Shape e. V. Der Verein ist nun Standardgeber und Betreiber des Zertifizierungsprogramms. Vaude nutzt den Standard als Marke, legt dessen Anforderungen nach eigenen Angaben aber nicht mehr selbst fest und kontrolliert sie auch nicht mehr.

Für die erste Zertifizierung prüfte Control Union Certifications Germany das Unternehmen und die entsprechenden Produkte. Das ist der wesentliche Unterschied zum bisherigen Modell: Ob ein Produkt die Kriterien erfüllt, soll nicht mehr allein durch die Marke beurteilt werden, die es verkauft. Green Shape steht künftig auch anderen Textil- und Outdoormarken offen. Ob und in welchem Umfang sie das Verfahren nutzen werden, ist noch offen.

Was Green Shape bei Textilien bewertet

Der Standard betrachtet nach Angaben des Vereins mehrere Phasen eines Produkts: Design und Materialauswahl, Herstellung, Nutzung und das Ende der Nutzungsdauer. Zu den Kriterien gehören Materialeffizienz, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit sowie Anforderungen an Rohstoffe, Chemikalien und Produktionsprozesse. Damit geht die Prüfung über die Frage hinaus, ob ein einzelner Stoff recycelt ist.

Für Radfahrerinnen und Radfahrer bleibt der Einsatzbereich entscheidend. Ein Umweltlabel beantwortet nicht, wie gut eine Jacke bei Dauerregen schützt, wie sie sich auf dem Rennrad tragen lässt oder ob die Belüftung bei hoher Belastung ausreicht. Dafür braucht es Angaben zum konkreten Modell und nachvollziehbare Praxiserfahrungen. Wie unterschiedlich Jacken diese Anforderungen erfüllen, zeigen beispielsweise die TOUR-Tests von Rennrad-Regenjacken.

Warum die neuen EU-Regeln eine Rolle spielen

Die Zertifizierung fällt mit neuen EU-Vorgaben gegen irreführende Umweltaussagen zusammen. Seit dem 27. September 2026 sind die Regeln der Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ anzuwenden. Sie stellen unter anderem strengere Anforderungen an freiwillige Nachhaltigkeitssiegel. Das bedeutet jedoch nicht, dass die EU einzelne Green-Shape-Produkte geprüft oder das Siegel vergeben hat.

Auch bei der Akkreditierung ist eine Grenze wichtig: Laut Pressemitteilung läuft die Prüfung des Zertifizierungsprogramms auf Akkreditierungsfähigkeit durch die Deutsche Akkreditierungsstelle noch. Eine bereits abgeschlossene DAkkS-Bestätigung lässt sich daraus nicht ableiten.

Was die 80-Prozent-Zahl aussagt

Vaude zufolge sind 80 Prozent der Produkte seiner aktuellen Herbst- und Winterkollektion 2026 zertifiziert und entsprechend gekennzeichnet. Die Zahl bezieht sich auf diese Kollektion, nicht auf jedes Produkt der Marke und auch nicht speziell auf das Sortiment für Rennradfahrer. Beim Kauf lohnt deshalb der Blick auf das einzelne Kleidungsstück: Trägt es das neue Label, welche Materialien werden verwendet und passt seine Funktion zum geplanten Einsatz?

Green Shape kann eine unabhängig geprüfte Aussage zu definierten Umweltkriterien liefern. Einen Vergleich von Passform, Wetterschutz, Haltbarkeit und Preis ersetzt das Siegel nicht.

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Matthias Borchers ist im Test-Ressort von TOUR, Experte für Bekleidung und Zubehör. Als Hobbyradsportler hat er die TOUR-Transalp und die TOUR-Trans Austria absolviert. Prägend sind zudem Reportage-Reisen von San Francisco bis Sakai sowie 17 Trips zur Tour de France mit rund 30.000 Wohnmobilkilometern.

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