Kristian Bauer
· 20.06.2026
Das weltweit größte Radmarathon-Event zieht Teilnehmer aus aller Welt an. Die Veteranen, die bereits mehr als 25 Teilnahmen absolviert haben, durften als Erste starten. Die größte Aufmerksamkeit zog Stig Johansson auf sich, der als einziger Fahrer bisher alle 60 Vätternrundfahrten absolviert hat. Er benötigte für die Vätternrundan 25 Stunden und blieb nach eigenen Angaben oft an den Verpflegungsstellen stehen, weil viele Leute Fotos machen und mit ihm reden wollten.
Stig Johansson aus Fagersanna ist eine lebende Legende des schwedischen Radmarathons Vätternrunda: Er ist der einzige Teilnehmer, der seit der ersten Ausgabe 1966 jedes Rennen mitgefahren ist – insgesamt 60 Mal, plus einmal während der Pandemie 2020, als das Rennen offiziell abgesagt wurde. 2026 nahm er zum 61. Mal teil.
Der 80-Jährige fährt im eigenen Stil: auf einem Fahrrad von 1937, in einer zerschlissenen Jeans, schwarzen Holzschuhen und bunter Mütze, mit einem Kassettenrekorder im Fahrradkorb. Der Kassettenrekorder spielt Tanzmusik ab und ist seit Jahren dabei. Während andere Teilnehmer in Aero-Anzügen möglichst schnell sein wollen, genießt Johansson die volle Strecke (ca. 315 km) lieber über 20–25 Stunden – er unterhält andere Teilnehmer und Zuschauer, macht Fotos und Selfies an Kontrollpunkten und spielt Musik. Ein ganz wichtiger Punkt auf der Strecke liegt in Hjo. Dort wartete seine Familie, die Tochter machte Heringe und Kartoffeln und erst nach dem Familienessen fuhr er weiter. “Es hat verdammt viel Spaß gemacht. Eine ziemlich gute Runde. Ich habe keinen Regen bekommen, es lief großartig”, sagte er der schwedischen Lokalzeitung MVT. Ganz selbstverständlich ist es nicht, dass er die Runde mit 80 Jahren noch schafft. Was ihm im Alter schwerfällt ist das Sehen in der Dunkelheit - sportlich hat er noch keine Probleme.
Wegen seines Kultstatus wurde er im Netflix-Film „Ute och cyklar" verewigt, allerdings von einem Schauspieler dargestellt, da er sich nicht an Regieanweisungen halten wollte. Aufhören möchte er erst, wenn der Rennchef der Vätternrundan Oskar Sundblad aufhört.
Die Teilnehmerstruktur verändert sich laut den Veranstaltern deutlich. Geschäftsführer Oskar Sundblad beobachtet seit mehreren Jahren einen starken Trend zu jüngeren Fahrern. In diesem Jahr ist die Zahl der jungen Frauen am stärksten gestiegen. Viele neue Gruppen entdecken den Radsport für sich, was nach Einschätzung von Sundblad mit der hohen Zahl junger Teilnehmer zusammenhängt. und Auffälligkeiten gibt es bei der Herkunft: In diesem Jahr war der Anteil der Deutschen einer der größten in der Geschichte des Rennens, fast jeder zehnte Teilnehmer kam aus Deutschland. ”Es ist schön zu sehen, wie sehr die Deutschen die Vätternrundan lieben”, sagt der Geschäftsführer des Rennens, Oskar Sundblad. ”Die Vätternrundan ist ein fantastisches Erlebnis. Es kann hart, herausfordernd und schmerzhaft sein – aber über 300 Kilometer durch die Juninacht zu radeln und dann in Motala das Ziel zu sehen, dieses Gefühl sollte jeder einmal erleben.”

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