In Österreich ist ein Streit mit Cycling Austria um die Teilnahme von Elite-Lizenzinhabern an „Touristikveranstaltungen“ eskaliert. Die konkrete Auswirkung: zahlreiche Teilnehmer des Ötztaler Radmarathons wurden vom Radsportverband Cycling Austria gesperrt. Ex-Profi Anton Palzer wohnt inzwischen in Österreich. Er startete beim Ötztaler und wurde deshalb sanktioniert. Auf der Sanktionsliste stehen zudem Daniel Federspiel, Lukas Kaufmann und viele andere. Bei erstmaligem Verstoß läuft die Sperre für vier Wochen, im Fall einer Wiederholung kann sie individuell festgelegt werden. Grundlage für die Sanktionen ist ein neuer Paragraph der am 1. Januar 2026 ins Regelwerk aufgenommen wurde. Bisher war der Start bei drei touristischen Veranstaltungen pro Jahr erlaubt – jetzt wurde das eingeschränkt: „Der Start bei Veranstaltungen, welche bei Cycling Austria nicht gemeldet sind, ist verboten.“ Das Startverbot gilt für Lizenzinhaber Straße und MTB der Kategorien Elite, U23, U13, U15, U17, Junioren, Juniorinnen, Nationalkader- und UCI-Teamfahrer. Die Politik der Sperren läuft schon die ganze Saison und betrifft auch Teilnehmern von anderen Events: Radmarathon Kufstein, Dolomitenrundfahrt bzw. Giro Dolomiti, Bergrennen Hongar 943, Kriterium Oberwölz und der Kalk-Trophy.
Während der Hobbyradsport einen unglaublichen Boom erlebt, ist das Interesse sowohl an Lizenzrennen als auch an Breitensport-Angeboten des Verbands überschaubar. Cycling Austria versucht über die Sanktionen die beim Verband offiziell registrierten Termine zu stärken. Mit der eingeführten Cycling Austria Member Card und dem „Cycling 4 all“-Angebot hat der Radsportverband bisher nicht die große Masse der Sportler erreicht. So war auch die Idee eine Alternative zur Austria Top Tour zu schaffen bisher nicht erfolgreich. Der Österreichische Radsportverband Cycling Austria erhofft sich vermutlich Einnahmen, indem er etablierte Hobbyradsportveranstaltungen indirekt zwingt sich seinem Reglement zu unterwerfen. Um in den offiziellen Kalender aufgenommen zu werden, müssten die Veranstalter Kalendergebühren an Cycling Austria zahlen. Wenn die Veranstalter diese Gebühr zahlen und sich in den offiziellen Kalender aufnehmen lassen, gibt es auch keine Sperren mehr für die Elite-Starter. Alles läuft auf einen Machtkampf heraus. Während Franz Steinberger, Organisator des Kitzbüheler Radmarathons, der Tiroler Tageszeitung noch vor wenigen Tagen erklärt hatte, er brauche den offiziellen Kalendereintrag nicht, zeichnet sich jetzt eine Kehrtwende ab. Es scheint als ob er sich dem Reglement 2027 unterwirft und Kalendergebühren zahlt. Ob andere Veranstalter dem Beispiel folgen, ist noch offen.
Noch ist es offen, welche Seite sich durchsetzt, aber der Schuss könnte auch nach hinten losgehen. Erste Sportler haben bereits erklärt, dass sie lieber auf Lizenzrennen verzichten als auf den Ötztaler Radmarathon. „Ich habe mir die Elite-Lizenz nur deshalb gekauft, um bei den Staatsmeisterschaften mitfahren zu dürfen. Und eventuell wäre die Gravel WM interessant gewesen, aber dieses Thema ist für mich abgehakt, ich konzentriere mich auch 2027 auf den Ötztaler, mein Heimrennen“, erklärte Federspiel. Auch Lukas Kaufmann erklärte zukünftig keine Elite-Lizenz mehr zu ziehen. Alban Lakata war im Juni den SuperGiroDolomiti mitgefahren und verwarnt worden. Er hatte dann einfach eine Master-Lizenz erworben und konnte beim Ötztaler mitfahren ohne sanktioniert zu werden.
Kaufmann, zweiter des Race Across America 2025, wurde für seine Teilnahme am Ötztaler gesperrt und antwortete in einem Insta-Video ironisch: „Es ist irgendwie lustig. I hab schon zum fünften Mal da mitgemacht, als Lizenzfahrer. Nie ist was passiert – jetzt auf einmal schon. Meine Entscheidung für die Zukunft wird sicher so sein, dass ich mir nächstes Jahr im Jahr 2027 keine Lizenz mehr nimm, weil es gibt keine Radlveranstaltung, wo ich nicht auch ohne Lizenz, mitfahren kann. Danke noch mal für die Sperre.“
Besonders problematisch sehen Kritiker die Situation im Frauenradsport. Aufgrund der wenigen Rennmöglichkeiten haben nur 20 Frauen eine Amateurlizenz – die meisten lösen eine Elite-Lizenz die mehr Rennen ermöglicht. Hier sind es nur knapp 89 die eine Lizenz gelöst haben um z.B. in der Rad-Bundesliga zu starten. Bei den Frauen könnte der Verzicht von vielen Fahrerinnen auf eine Lizenz die Startfelder noch mehr ausdünnen und damit auch Rennen bedrohen. „Vor 10 Jahren bin ich bei meinem ersten Radrennen gestartet. Dem Kufsteinerland Radmarathon. 500 Meter vom Elternhaus entfernt. Heuer wieder mit Freunden und Familie dort mitgefahren, weils mir einfach ein Anliegen ist bei meinem Heimrennen dabei zu sein. 2 Tage später ein E-Mail vom ÖRV mit meiner Sperre. Der ÖRV schießt sich ins eigene Knie. Immer weniger Sportler werden Lizenzen lösen, wenn sie ihr Hobby (ja, Hobby, das ist es auch für die allermeisten Elitefahrer in Österreich nur mehr eingeschränkt ausüben dürfen!“, kritisiert Lea Horngacher auf Instagram.

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