Der Vorjahressieger hat nach sechseinhalb Tagen Rennen die Marke von 3938 gefahrenen Kilometern überschritten. Fans am Straßenrand in Indiana feuern den Österreicher an. Elisabeth aus Melk in Niederösterreich lebt mit ihrem Mann Scott direkt an der Strecke und kontaktierte das Team über Instagram. Die Crew bekam Wiener Schnitzel und Linzertorte serviert. Kaider selbst ernährt sich während des Rennens ausschließlich flüssig und konnte nicht mitessen. Mittlerweile liegt der Vorjahressieger mit großem Abstand in Führung. Gegenüber seinen zwei Verfolgern hat er rund 300 Meilen also fast 500 Kilometer Vorsprung.
Teamarzt Dr. Karl Spandl kontrolliert den Gesundheitszustand des Fahrers täglich. “So weit ist alles stabil. Es gibt natürlich jetzt nach 140 Stunden im Rennen kleine Probleme. Vor allem, was die Sitzregion betrifft. Wir kontrollieren das aber täglich, tragen Cremes auf, sodass sich keine Infektion in den kleinen Hautrissen bildet. Er kommt mit den Beschwerden ganz gut zurecht. Auch die Schmerzen im Knie, vor allem nach einer Schlafpause, hat man ganz gut im Griff”, berichtet er in einer Medienmitteilung. Die medizinische Betreuung hält die Beschwerden unter Kontrolle. Eine dicke Sattelauflage soll helfen die Sitzprobleme zu lindern.
Noch reicht sogar die Kraft für einen kleinen Spaß. Kaider demonstrierte seine mentale Verfassung mit einem Scherz. Er stoppte und täuschte völlige Erschöpfung vor. Crew B begann sofort, verschiedene Problemszenarien durchzuspielen. Stefan Krejcza von Crew B berichtet, dass Kaider plötzlich aufsprang und die Täuschung aufklärte. Die Crew kündigte Vergeltung an. Crew A war in den Streich eingeweiht.
Von Indiana führt die Route nach Ohio. Die Appalachen stellen die letzte große Herausforderung dar. Kaider erwartet lange und steile Anstiege. Das Bergprofil wird ihm nach seinen eigenen Worten alles abverlangen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,5 km/h inklusive aller Pausen liegt einen Kilometer pro Stunde über seinem Vorjahrestempo. Seine Verfolger hat er abgeschüttelt.
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Der Weg zum Sieg scheint für Kaider derzeit in greifbarer Nähe - auch wenn er noch rund 1000 Kilometer abspulen muss. Extrem spannend wird es aber um die weiteren Podiumsplätze. Auf dem zweiten Gesamtrang liegt momentan der Schweizer RAAM-Debütant Michel Bucheli aus Adliswil. Er hatte erst 2023 die Leidenschaft des Ultracyclings für sich entdeckt. Früher brachte Bucheli über 100 Kilo auf die Waage und ging häufig feiern. Heute lebt er diszipliniert und ist in einem Triathlon-Verein aktiv. Fast gleichauf mit Bucheli liegt Tom Mauerhofer aus Österreich, der sein Trauma vom Genickbruch beim RAAM für immer überwinden will. Der radelnde Priester Pawel Nowak hatte nie von einem Sieg geträumt, sondern nur von der erfolgreichen Teilnahme. Noch liegt er gut im Rennen und behauptet einen Platz im Mittelfeld der Rangliste.

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