Der Niederösterreicher Philipp Kaider hat mit 3300 Kilometern bereits zwei Drittel der Strecke zurückgelegt. Auf seinem Zeitfahrrad bewältigt er die enormen Distanzen und strebt seinen zweiten Sieg bei dem Rennen quer durch die USA an. Die Vormittage gestalten sich aktuell schwierig, während er am Nachmittag und Abend seinen Rhythmus findet und das Tempo konstant hochhält.
Am Samstagvormittag um 09:51 Uhr Ortszeit erreichte Kaider nach 2469 Kilometern die Hälfte der Strecke des RAAM 2026. Der emotionale Moment mischte Erleichterung über die absolvierte Distanz mit der Erkenntnis, dass noch einmal dieselbe Strecke vor ihm liegt. Der Start in den Tag nach der Schlafpause verlief problematisch. Stefan Krejcza von der Tagschicht berichtete, dass der Fahrer zunächst Probleme mit der Orientierung hatte. Auch der Vormittag verlief zäh, ehe der Vorjahressieger auf Touren kam.
Das Sitzfleisch sowie Verspannungen im Nacken- und Schultergürtel bereiten dem 40-Jährigen Beschwerden. Ein zusätzlicher Zwischenstopp war notwendig, um ihn physiotherapeutisch zu behandeln. Das Betreuerteam gibt Entwarnung und bezeichnet die Situation als stabil und gut handhabbar. Kaider absolviert während der Fahrt konsequent seine Übungen am Rad. Die endlosen Geraden in Kansas konnte er gut bewältigen. Er beschreibt die Bedingungen beim RAAM als vorteilhaft, da er den Kopf runterlegen und in aerodynamischer Position schnell fahren kann. Das sei wie Indoor-Training, nur draußen.
Kaider und sein Team haben Kansas hinter sich gelassen und Missouri erreicht. Die Landschaft zeigt sich wesentlich grüner, typische Ziegelbauten prägen das Bild vieler Ortschaften. Auch die Ortsnamen klingen anders als in den westlichen Bundesstaaten. Entlang der Strecke tauchen erstmals immer wieder Zuschauer auf, die den Niederösterreicher anfeuern. Das Team berichtet, dass diese Unterstützung ihn zusätzlich pusht und nette Momente für ihn schafft.
Missouri kennt Kaider vom Vorjahr. Das schwül-warme Terrain erfordert es, den Schwung auf den Gegenhügel mitzunehmen. Eine weniger angenehme Erinnerung verbindet er mit diesem Streckenabschnitt: Von Missouri bis Ohio riecht es nach überfahrenen Gürteltieren, Opossums und anderen Tieren am Straßenrand.
Die Crew hat begonnen, nach vorgegebenen Themen Songs für ihn auszuwählen. Über die musikalische Auswahl wurde bereits intensiv diskutiert. Musik ist für Kaider ein wichtiger Bestandteil seiner langen Tage im Sattel beim RAAM 2026. Er spielte selbst früher Bass in seiner wilden Zeit, als das Wochenende am Mittwoch begonnen und am Sonntag geendet hat und er noch Kettenraucher war. Trotz aller Herausforderungen bleibt die Stimmung im Team positiv.
Der Live-Tracker zeigt den Österreicher Thomas Mauerhofer mit einem Abstand von rund 400 Kilometern derzeit auf dem zweiten Rang. Das wirkt nach einem soliden Vorsprung - im Ultracycling sind Prognosen aber schwierig. Insbesondere weil Mauerhofer wetterbedingt Pausen eingelegt hatte, wie sein Betreuerteam auf Instagram mitteilte: “Seit letzter Nacht hatten wir ein paar Probleme. Schwere Gewitter und starker Gegenwind kosteten viel Energie. Wir veränderten unsere Taktik - schlimmsten Teil des Gewitters aussitzen, Energie tanken, Muskeln entspannen und so bald wie möglich wieder voll durchstarten. Die Nachwehen vom Unfall 2018 forderten ihren Tribut, wodurch ein paar zusätzliche Therapiestopps eingelegt wurden.” Im Jahr 2018 startete Mauerhofer erstmals beim Race Across America (RAAM). Auf Medaillenkurs liegend wurde er folgenschwer von einem Auto angefahren. Der Aufprall führte zu einem Halswirbelbruch.
Im Rennen liegt etwas weiter hinten auch Pawel Nowak, der als radelnder Priester bekannt wurde.

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