Gitta Beimfohr
· 10.06.2026
Radprofis nennen ihn auch den kleinen Bruder des Mont Ventoux. Zwar liegt der 1501 Meter hohe Col du Grand Colombier im Französischen Jura und ist mit seinen 1501 Metern 400 Meter kleiner als das große Vorbild in der Provence. Doch was die beiden verbindet: Auch der Grand Colombier hat mehrere, insgesamt vier, Auffahrtsmöglichkeiten.
Analog zum “Club des Cinglés” am Mont Ventoux gibt es hier die Regel: Wer alle vier Auffahrten am selben Tag befährt, darf sich Gran-Maître (Großmeister) nennen und wird Mitglied im exklusiven Club der “Fêlés du Grand Colombier” (die Verrückten des Grand Colombier, derzeit 2384 Mitglieder).
Also insgesamt 55 Kilometer und 4300 Höhenmeter an einem Tag - was tagesfüllend, aber zunächst durchaus machbar klingt. Doch es gibt natürlich gute Gründe, warum der Grand Colombier in die “Hors Catégorie” (Ehrenkategorie) der Tour de France eingestuft wurde.
Die 1250 Höhenmeter von den Weinhängen des Rhônetals über achterbahnähnliche Serpentinen bis knapp unterhalb des baumlosen Gipfels haben bereits alpine Ausmaße. Die durchschnittlichen Steigungsprozente liegen bei 8,4 Prozent, werden aber zwischendurch mit 12- bis 14-Prozent-Rampen nachgewürzt.
Und das sind jetzt nur die Daten der Südrampe von Culoz aus. Wer Gran-Maître werden will, muss sich am gleichen Tag eben auch noch die anderen Rampen in die Beine kneten. Vor allem das Westrampen-Monster von Virieu-le-Petit aus: In diesem Anstieg warten vier Serpentinen, die sich in Sachen Steigungprozente toppen. Bis das Ganze schließlich in “Le Mur” (die Mauer) mit Steigungsprozenten von bis zu 20 Prozent vor dem Lenker gipfelt.
Selbstredend, dass man in solchen Abschnitten nicht von einer Flotte von Wohnmobilen oder johlender Cabrioletfahrer an den Straßenrand gedrängt werden möchte. Deshalb empfiehlt es sich, einen der vier autofreien Tage im Sommer ins Visier zu nehmen.
An jeweils einem Samstag pro Monat werden zumindest die Südrampe von Culoz und die Westrampe von Anglefort acht Stunden lang für den motorisierten Verkehr gesperrt. Nicht nur für die “Fêlés”, sondern auch für alle, die den Berg mit seinem Belohnungspanorama vielleicht nur einmal erklimmen wollen. Vom ikonischen Gipfelkreuz aus blickt man an schönen Tagen nämlich weit übers Rhônetal und den Lac de Bourget bis ins weiße Mont-Blanc-Massiv.

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